Regelstrategien
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Steuerungsstrategien und Betriebszeiten für Universitäten
Universitätsgebäude haben wechselnde Nutzungsprofile, die von stark frequentierten Hörsälen über Laborbereiche bis hin zu Bibliotheken, Büros, Technikräumen und studentischen Aufenthaltsflächen reichen. Ein professionelles Facility Management muss deshalb Betriebszeiten, Sollwerte und Steuerungsstrategien so festlegen, dass Komfort, Betriebssicherheit, Energieeffizienz und die Anforderungen von Lehre, Forschung und Verwaltung zuverlässig miteinander verbunden werden.
Regelstrategien für effiziente Gebäudeautomation
- Nutzungsabhängiger Betrieb
- Sollwerte
- Ferien- und Feiertagsbetrieb
- Nachtreduzierung
- Sonderbetrieb
- Komfortgrenzen
- Betriebliche Koordination und Dokumentation
Nutzungsabhängiger Betrieb
Der nutzungsabhängige Betrieb beschreibt die bedarfsgerechte Steuerung technischer Gebäudeanlagen entsprechend der tatsächlichen Belegung, Raumfunktion und zeitlichen Nutzung. Heizungs-, Lüftungs-, Klima-, Beleuchtungs- und Zugangssysteme werden nicht dauerhaft mit voller Leistung betrieben, sondern an reale Betriebsanforderungen angepasst.
Ziel ist es, unnötige Energieverbräuche zu vermeiden, ohne die Nutzbarkeit der Gebäude einzuschränken. In einer Universität ist dies besonders wichtig, weil die Auslastung je nach Semesterzeit, Stundenplan, Prüfungsphase, Forschungsbetrieb und Ferienzeit stark schwanken kann.
Die wichtigsten Ziele sind:
Anpassung der Gebäudetechnik an tatsächliche Belegung und Funktionsnutzung
Reduzierung unnötiger Energieverbräuche außerhalb der Nutzungszeiten
Optimierung der Laufzeiten technischer Anlagen
Verbesserung der Betriebseffizienz durch klare Steuerungslogik
Sicherstellung von Komfort, Raumluftqualität und Betriebssicherheit
Ein nutzungsabhängiger Betrieb muss immer so geplant werden, dass kritische Bereiche wie Labore, Serverräume, Sicherheitsanlagen und sensible Lagerflächen nicht durch pauschale Abschaltungen gefährdet werden.
Belegungsabhängige Betriebskonzepte
Unterschiedliche Universitätsbereiche benötigen unterschiedliche Betriebskonzepte. Eine einheitliche Steuerung für alle Flächen ist in der Regel nicht effizient, da die Nutzungsprofile erheblich voneinander abweichen.
| Universitätsbereich | Typisches Belegungsmuster | Betriebliche Anforderung |
|---|---|---|
| Hörsäle | Starke Schwankungen am Tag, abhängig vom Stundenplan | Flexible Steuerung von Lüftung, Heizung, Kühlung und Beleuchtung |
| Labore | Dauerhafte oder geplante Nutzung, teilweise mit Sonderanforderungen | Stabile Umgebungsbedingungen und zuverlässiger technischer Betrieb |
| Bibliotheken | Lange tägliche Nutzungszeiten, oft auch abends und an Wochenenden | Erweiterte Betriebszeiten und konstante Komfortbedingungen |
| Büros | Üblicherweise werktags während regulärer Arbeitszeiten | Zeitgesteuerter und energieeffizienter Betrieb |
| Seminarräume | Unregelmäßige Nutzung, abhängig von Buchungen | Bedarfsabhängige Aktivierung bei tatsächlicher Nutzung |
Hörsäle und Seminarräume sollten vorzugsweise über Stundenpläne, Belegungssensoren oder Raumbuchungssysteme gesteuert werden. Bei geringer oder ausbleibender Nutzung kann die Lüftung reduziert, die Beleuchtung abgeschaltet und die Temperatur in einen energiesparenden Bereitschaftsbetrieb versetzt werden.
Labore erfordern dagegen eine differenzierte Bewertung. Einige Laborbereiche benötigen kontinuierliche Lüftung, konstante Temperaturen oder definierte Luftwechselraten. Andere Laborräume können außerhalb geplanter Nutzungszeiten reduziert betrieben werden, sofern keine Gefahr für Forschung, Sicherheit oder technische Anlagen besteht.
Methoden der Betriebssteuerung
Ein professionelles Steuerungskonzept kombiniert mehrere Methoden, damit die Gebäudetechnik nicht nur nach starren Zeiten, sondern nach tatsächlichem Bedarf betrieben wird.
Zeitprogramme auf Basis akademischer Stundenpläne: Zeitprogramme legen fest, wann Räume oder Gebäudebereiche in den Normalbetrieb wechseln. Für Hörsäle, Seminarräume und Verwaltungsbereiche können die Betriebszeiten an Vorlesungspläne, Bürozeiten und Veranstaltungszeiten angepasst werden. Dabei sollte eine ausreichende Vorlaufzeit berücksichtigt werden, damit Temperatur und Luftqualität zu Nutzungsbeginn bereits im Zielbereich liegen.
Integration von Belegungssensoren: Belegungssensoren erfassen, ob ein Raum tatsächlich genutzt wird. Sie eignen sich besonders für Seminarräume, Besprechungsräume, WC-Bereiche, Flure und temporär genutzte Zonen. Bei fehlender Belegung können Beleuchtung, Lüftung und teilweise auch Klimatisierung automatisch reduziert werden.
Anbindung an Raumbuchungssysteme: Raumbuchungssysteme liefern wichtige Informationen über geplante Nutzungen. Wenn diese Systeme mit der Gebäudeautomation verbunden sind, kann der Anlagenbetrieb automatisch für gebuchte Zeitfenster aktiviert werden. Nicht gebuchte Räume bleiben im reduzierten Betrieb.
Bedarfsgeregelte Lüftung: Die Lüftungsleistung kann anhand von CO₂-Werten, Belegung oder Raumluftqualität angepasst werden. Dies ist besonders für Hörsäle, Seminarräume und Bibliotheken relevant, da dort hohe Personenzahlen kurzfristig auftreten können. Eine bedarfsgeregelte Lüftung verhindert sowohl Unterversorgung als auch unnötige Überlüftung.
Zonierte Betriebsführung: Gebäude sollten in funktionale Betriebszonen gegliedert werden. Dadurch können nicht genutzte Bereiche reduziert oder abgeschaltet werden, während belegte Zonen im Normalbetrieb bleiben. Dies ist bei großen Fakultätsgebäuden, Campusbibliotheken und Gebäuden mit gemischter Nutzung besonders wirksam.
Systemkoordination
Die Wirksamkeit nutzungsabhängiger Betriebsstrategien hängt von der Koordination der einzelnen Systeme ab. Heizung, Lüftung, Kühlung, Beleuchtung, Sonnenschutz, Zutrittskontrolle und Sicherheitsanlagen dürfen nicht isoliert betrachtet werden.
Eine zentrale Gebäudeautomation sollte die wesentlichen Anlagenzustände erfassen, auswerten und steuern. Dadurch kann das Facility Management Betriebszeiten überwachen, Störungen erkennen, Energieverbräuche analysieren und Anlagen bei Bedarf anpassen.
Wichtige Anforderungen an die Systemkoordination sind:
Abstimmung von HLK-, Beleuchtungs- und Zutrittssystemen
Integration relevanter Anlagen in die Gebäudeautomation
Zentrale Überwachung von Betriebszuständen und Störmeldungen
Einheitliche Steuerungslogik für vergleichbare Raumtypen
Regelmäßige Überprüfung von Zeitprogrammen und Sollwerten
Sollwerte
Sollwerte sind festgelegte Zielgrößen für den Betrieb technischer Gebäudeanlagen. Sie definieren, welche Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Konzentration, Beleuchtungsstärke oder Luftwechselrate in einem bestimmten Bereich erreicht und eingehalten werden soll.
Im Facility Management dienen Sollwerte dazu, Umweltbedingungen zu standardisieren, Komfort zu sichern, technische Anlagen effizient zu betreiben und gesetzliche, institutionelle oder nutzungsspezifische Anforderungen einzuhalten.
Sollwerte müssen dokumentiert, nachvollziehbar und raumbezogen festgelegt werden. Pauschale Werte für ein gesamtes Gebäude sind oft nicht ausreichend, da ein Labor andere Anforderungen hat als ein Hörsaal, eine Bibliothek oder ein Serverraum.
Typische betriebliche Sollwerte
| Parameter | Typischer Zielbereich |
|---|---|
| Raumtemperatur | 20–24 °C |
| Relative Luftfeuchtigkeit | 40–60 % |
| CO₂-Konzentration | Unter 1000 ppm |
| Beleuchtungsniveau | Entsprechend der Raumnutzung |
| Luftwechselraten | Abhängig von Raumfunktion und Nutzung |
Die Raumtemperatur ist einer der wichtigsten Komfort- und Energieparameter. Bereits kleine Änderungen des Temperatur-Sollwerts können den Energiebedarf deutlich beeinflussen. Deshalb sollten Temperaturbereiche nicht enger eingestellt werden als betrieblich erforderlich.
Die relative Luftfeuchtigkeit sollte innerhalb eines Bereichs gehalten werden, der Komfort, Gesundheit, Materialschutz und technische Anforderungen berücksichtigt. Zu niedrige Luftfeuchtigkeit kann Beschwerden verursachen, während zu hohe Luftfeuchtigkeit das Risiko von Kondensation, Schimmelbildung und Schäden an Materialien erhöht.
Die CO₂-Konzentration ist ein wichtiger Indikator für die Raumluftqualität. In stark belegten Räumen wie Hörsälen und Seminarräumen sollte die Lüftung so geregelt werden, dass die Luftqualität auch bei hoher Belegung stabil bleibt.
Raumspezifische Sollwerte
| Raumtyp | Betriebliche Priorität |
|---|---|
| Labore | Umweltstabilität und Sicherheit |
| Hörsäle | Komfort und Konzentrationsfähigkeit der Nutzer |
| Bibliotheken | Gleichmäßige thermische Bedingungen |
| Büros | Energieeffizienter Komfort |
| Technikräume | Schutz von Anlagen und Geräten |
Labore benötigen oft engere Grenzwerte als allgemeine Lehr- oder Verwaltungsflächen. Temperatur, Luftwechsel, Druckhaltung oder Luftfeuchtigkeit können für Forschung, Sicherheit und Gerätebetrieb entscheidend sein. Änderungen an Sollwerten in Laborbereichen dürfen deshalb nur nach technischer Prüfung und Abstimmung mit den zuständigen Fachbereichen erfolgen.
Hörsäle sollten so betrieben werden, dass auch bei kurzfristig hoher Belegung ausreichend Frischluft und angemessene Temperaturen bereitstehen. Hier sind schnelle Reaktionszeiten der Lüftungs- und Klimaanlagen wichtig.
Bibliotheken benötigen konstante Bedingungen über längere Zeiträume, da Nutzer dort oft mehrere Stunden bleiben. Zugluft, Temperaturschwankungen und unzureichende Beleuchtung beeinträchtigen den Nutzungskomfort deutlich.
Büros können mit energieeffizienten Komfortsollwerten betrieben werden. Außerhalb der Arbeitszeiten sollte ein reduzierter Betrieb vorgesehen werden, sofern keine technischen oder organisatorischen Gründe dagegen sprechen.
Technikräume müssen so betrieben werden, dass Anlagen, Server, Steuerungen und elektrische Komponenten vor Überhitzung, Feuchtigkeit und Staubbelastung geschützt sind.
Überwachung und Anpassung
Sollwerte müssen kontinuierlich überwacht und regelmäßig überprüft werden. Die Gebäudeautomation sollte Abweichungen erkennen und bei Grenzwertverletzungen Alarme oder Meldungen auslösen.
Wichtige Maßnahmen sind:
Kontinuierliche Überwachung über die Gebäudeautomation
Alarmierung bei Überschreitung oder Unterschreitung definierter Grenzwerte
Saisonale Anpassung von Heiz-, Kühl- und Lüftungssollwerten
Auswertung von Betriebsdaten zur Optimierung
Überprüfung der tatsächlichen Raumzustände durch Messungen und Nutzerfeedback
Ziele des Ferienbetriebs
Der Ferien- und Feiertagsbetrieb beschreibt die reduzierte oder angepasste Betriebsweise von Gebäuden während Zeiten mit geringer Belegung. Dazu gehören Semesterferien, Feiertage, Wochen mit eingeschränktem Lehrbetrieb und offizielle Schließzeiten.
Die Hauptziele sind:
Reduzierung des Energieverbrauchs während geringer Nutzung
Aufrechterhaltung notwendiger technischer Grundfunktionen
Schutz von Gebäuden, Anlagen, Forschungseinrichtungen und Geräten
Sicherstellung von Sicherheits-, Frostschutz- und Überwachungsfunktionen
Klare Abgrenzung zwischen reduzierbaren und kritischen Bereichen
Ein professioneller Ferienbetrieb wird nicht kurzfristig improvisiert. Er wird im Voraus geplant, mit den Fachbereichen abgestimmt und in der Gebäudeautomation hinterlegt.
Betriebsarten im Ferienbetrieb
| Betriebsart | Anwendung |
|---|---|
| Abschaltbetrieb | Unterrichtsräume, Seminarräume und Büros ohne Nutzung |
| Reduzierter Betrieb | Teilweise belegte Gebäude oder einzelne aktive Bereiche |
| Dauerbetrieb | Kritische Labore, IT-Bereiche und sicherheitsrelevante Anlagen |
| Frostschutzbetrieb | Schutz von Gebäuden und Anlagen während winterlicher Schließzeiten |
Im Abschaltbetrieb werden nicht benötigte Anlagen vollständig oder weitgehend außer Betrieb genommen. Dies betrifft vor allem Beleuchtung, Komfortlüftung und Klimatisierung in nicht genutzten Räumen.
Der reduzierte Betrieb eignet sich für Gebäude, in denen einzelne Bereiche weiterhin genutzt werden. Dabei werden nur die erforderlichen Zonen aktiviert, während andere Gebäudeteile im energiesparenden Zustand bleiben.
Der Dauerbetrieb ist für kritische Nutzungen erforderlich. Dazu zählen Forschungslabore, Serverräume, sicherheitsrelevante Anlagen, sensible Lagerflächen und Bereiche mit kontinuierlichem technischen Bedarf.
Der Frostschutzbetrieb stellt sicher, dass Gebäude und wasserführende Anlagen bei niedrigen Außentemperaturen nicht beschädigt werden. Dabei werden Mindesttemperaturen eingehalten, ohne den Komfortbetrieb vollständig aufrechtzuerhalten.
Betriebliche Maßnahmen während Ferienzeiten
Während Ferienzeiten sollte das Facility Management gezielte Maßnahmen umsetzen, um den Betrieb an die reduzierte Nutzung anzupassen.
Dazu gehören:
Reduzierung der Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagenlaufzeiten
Abschaltung oder Einschränkung von Beleuchtung nach Zeitplan
Verringerung der Lüftungsleistung in nicht belegten Bereichen
Temperaturabsenkung im Heizbetrieb
Erweiterung zulässiger Temperaturbereiche im Kühlbetrieb
Abschottung oder Deaktivierung nicht genutzter Zonen
Prüfung von Frostschutz-, Sicherheits- und Überwachungsfunktionen
Vor Beginn einer Ferienperiode sollte eine Betriebsfreigabe erfolgen. Dabei wird geprüft, welche Räume genutzt werden, welche Veranstaltungen stattfinden, welche Forschungsbereiche aktiv bleiben und welche technischen Anlagen durchgehend benötigt werden.
Nach Ende der Ferienperiode muss der Normalbetrieb rechtzeitig wiederhergestellt werden. Dies umfasst das Reaktivieren von Zeitprogrammen, das Zurücksetzen von Sollwerten, die Kontrolle von Anlagenfunktionen und die Prüfung der Raumkonditionen vor Wiederaufnahme des regulären Betriebs.
Kritische Bereiche ohne Reduzierung
Nicht alle Bereiche dürfen während Ferienzeiten reduziert betrieben werden. Kritische Zonen müssen gesondert bewertet und in der Betriebsplanung eindeutig gekennzeichnet werden.
Zu den typischen Ausnahmen gehören:
Forschungslabore mit laufenden Versuchen
Rechenzentren und Serverräume
Räume mit sicherheitsrelevanter IT-Infrastruktur
Sensible Lagerbereiche für Materialien, Proben oder Geräte
Sicherheits-, Brandmelde- und Zutrittssysteme
Räume mit besonderen Anforderungen an Temperatur, Feuchtigkeit oder Lüftung
Zweck
Die Nachtreduzierung dient der Senkung des Energiebedarfs während Zeiten ohne oder mit sehr geringer Belegung. Sie betrifft insbesondere Heizungs-, Kühlungs-, Lüftungs-, Beleuchtungs- und Warmwassersysteme.
Das Ziel besteht nicht darin, Anlagen unkontrolliert abzuschalten, sondern den Betrieb auf ein notwendiges Mindestmaß zu reduzieren. Dabei müssen Gebäudeschutz, technische Sicherheit, Feuchteschutz und morgendliche Wiederaufheizung oder Wiederabkühlung berücksichtigt werden.
Die wichtigsten Zwecke sind:
Verringerung des Energieverbrauchs in ungenutzten Zeiträumen
Begrenzung unnötiger Anlagenlaufzeiten
Optimierung der Betriebskosten
Schonung technischer Anlagen durch reduzierte Laufzeiten
Sicherstellung eines rechtzeitigen Komfortniveaus zu Nutzungsbeginn
Strategien der Nachtreduzierung
| System | Reduzierungsstrategie |
|---|---|
| Heizungsanlagen | Absenkung der Temperatur-Sollwerte |
| Kühlanlagen | Erweiterung des zulässigen Temperaturbereichs |
| Lüftungsanlagen | Reduzierung der Luftmengen |
| Beleuchtungssysteme | Zeitgesteuerte Abschaltung |
| Warmwassersysteme | Reduzierung der Zirkulationszeiten unter Beachtung hygienischer Anforderungen |
Bei Heizungsanlagen wird die Raumtemperatur nachts abgesenkt, sofern der Raum nicht genutzt wird und keine technischen Anforderungen entgegenstehen. Die Absenkung muss so gewählt werden, dass am Morgen eine effiziente Wiederaufheizung möglich ist.
Bei Kühlanlagen kann der zulässige Temperaturbereich nachts erweitert werden. Dadurch muss die Anlage nicht unnötig gegen geringe Temperaturabweichungen arbeiten. In Technik- und Serverräumen gelten jedoch strengere Anforderungen.
Lüftungsanlagen können in vielen Bereichen auf Mindestluftmengen reduziert oder zeitweise abgeschaltet werden. Ausnahmen gelten für Labore, Räume mit Gefahrstoffen, Feuchterisiken oder dauerhaftem Lüftungsbedarf.
Beleuchtung sollte außerhalb der Nutzungszeiten konsequent abgeschaltet werden. Sicherheits- und Orientierungsbeleuchtung bleibt davon unberührt und muss gemäß betrieblichen Anforderungen aktiv bleiben.
Konzepte zur Temperaturabsenkung
Die Temperaturabsenkung im Heizbetrieb und die Temperaturerweiterung im Kühlbetrieb müssen auf Gebäudephysik, Anlagenleistung und Nutzung abgestimmt werden.
Nachtabsenkung im Heizbetrieb: Während der Nacht wird der Heizsollwert reduziert. Dies eignet sich für Büros, Unterrichtsräume, Seminarräume und viele Verwaltungsflächen. Die Absenkung darf jedoch nicht so stark sein, dass die Wiederaufheizung am Morgen unverhältnismäßig viel Energie benötigt oder der Komfort zu Nutzungsbeginn nicht erreicht wird.
Nachtanhebung im Kühlbetrieb: Bei Kühlung wird der zulässige obere Temperaturwert erhöht. Dadurch wird der Kühlbetrieb reduziert, solange keine kritischen Temperaturgrenzen überschritten werden. Diese Strategie eignet sich für allgemeine Nutzflächen, nicht jedoch für Räume mit empfindlicher Technik oder speziellen Forschungsanforderungen.
Optimierte morgendliche Wiederherstellung: Die Gebäudeautomation sollte den optimalen Startzeitpunkt für Heizung, Kühlung und Lüftung berechnen oder hinterlegen. Dabei werden Außentemperatur, Gebäudemasse, aktuelle Raumtemperatur und gewünschter Nutzungsbeginn berücksichtigt. Ziel ist es, Komfortbedingungen rechtzeitig zu erreichen, ohne Anlagen zu früh zu starten.
Betriebliche Einschränkungen
Eine Nachtreduzierung ist nicht in allen Gebäuden oder Räumen möglich. Einschränkungen müssen vor der Umsetzung fachlich geprüft werden.
Typische Einschränkungen bestehen bei:
Gebäuden oder Bereichen mit 24/7-Nutzung
Laboren mit kritischen Umweltanforderungen
Räumen mit dauerhaft notwendiger Lüftung
Serverräumen und technischen Betriebsräumen
Bereichen mit Feuchte-, Kondensations- oder Schimmelrisiko
Gebäuden mit träger thermischer Reaktion
Sonderbetrieb
Sonderbetrieb beschreibt zeitlich begrenzte Abweichungen vom regulären Betriebsplan. Solche Abweichungen entstehen durch Veranstaltungen, Prüfungen, Forschungstätigkeiten, Abendkurse, Wochenendnutzung oder Notfallsituationen.
Ein Sonderbetrieb muss geplant, genehmigt, technisch umgesetzt und nach Ende der Nutzung wieder zurückgesetzt werden. Ohne klare Verfahren besteht das Risiko, dass Anlagen unnötig lange im erweiterten Betrieb bleiben oder benötigte Räume nicht rechtzeitig konditioniert werden.
Typische Sondernutzungen
| Sondernutzung | Betriebliche Anforderung |
|---|---|
| Prüfungen | Verlängerter Betrieb von Lüftung, Heizung, Kühlung und Beleuchtung |
| Konferenzen und Veranstaltungen | Erhöhte Lüftungsleistung und Unterstützung hoher Belegung |
| Forschungstätigkeiten | Kontinuierliche Kontrolle definierter Umgebungsbedingungen |
| Abendveranstaltungen | Erweiterte Betriebszeiten außerhalb des Standardplans |
| Notbetrieb | Priorisierung sicherheits- und funktionsrelevanter Systeme |
Bei Prüfungen müssen Raumtemperatur, Luftqualität, Beleuchtung und Akustik so stabil sein, dass Konzentration und faire Prüfungsbedingungen unterstützt werden. Der Betrieb muss vor Prüfungsbeginn starten und bis zum Ende einschließlich möglicher Nachlaufzeiten gesichert sein.
Konferenzen und Veranstaltungen führen häufig zu höheren Personenzahlen als im Standardbetrieb. Die Lüftung muss entsprechend angepasst werden. Zusätzlich können Bereiche wie Foyers, Sanitäranlagen, Verkehrsflächen und Cateringzonen in den Betriebsplan einbezogen werden.
Forschungstätigkeiten können von Standardzeiten abweichen und auch nachts, am Wochenende oder während Ferienzeiten stattfinden. Hier sind genaue Abstimmungen mit den verantwortlichen Fachbereichen erforderlich.
Für Sondernutzungen können verschiedene technische Anpassungen erforderlich sein:
Temporäre Übersteuerung regulärer Zeitprogramme
Verlängerung von Anlagenlaufzeiten
Erhöhung der Lüftungskapazität bei hoher Belegung
Zusätzliche thermische Konditionierung vor Nutzungsbeginn
Aktivierung einzelner Zonen außerhalb des Standardbetriebs
Bereitstellung von technischer Bereitschaft bei kritischen Veranstaltungen
Temporäre Übersteuerungen müssen zeitlich begrenzt sein. Jede Sonderfreigabe sollte ein definiertes Start- und Enddatum, betroffene Räume, erforderliche Anlagen und verantwortliche Ansprechpersonen enthalten.
Nach Ende der Sondernutzung muss geprüft werden, ob alle Anlagen wieder in den Standardbetrieb zurückgeführt wurden. Dies verhindert unnötige Energieverbräuche und reduziert das Risiko unbeabsichtigter Dauerläufe.
Koordinationsverfahren
Ein wirksamer Sonderbetrieb erfordert klare Kommunikations- und Genehmigungsprozesse.
Erforderlich sind:
Frühzeitige Meldung der Sondernutzung durch Fachbereiche oder Veranstalter
Prüfung der technischen Machbarkeit durch das Facility Management
Genehmigung erweiterter Betriebszeiten
Abstimmung von Sicherheits-, Reinigungs-, Zugangs- und Bereitschaftsdiensten
Überwachung temporärer Betriebsänderungen
Rückführung auf den Standardbetrieb nach Nutzungsende
Das Facility Management sollte ein standardisiertes Antragsverfahren bereitstellen. Darin sollten Datum, Uhrzeit, Räume, erwartete Personenzahl, technische Anforderungen, besondere Risiken und verantwortliche Personen abgefragt werden.
Für größere Veranstaltungen empfiehlt sich eine Vor-Ort-Abstimmung. Dabei werden Zugänge, Fluchtwege, technische Anlagen, Lüftungsanforderungen, Beleuchtung, Sicherheitsdienste und Notfallprozesse geprüft.
Komfortgrenzen
Komfortgrenzen beschreiben die akzeptablen Bereiche der Innenraumumgebung, innerhalb derer Nutzer ihre Tätigkeit ohne wesentliche Beeinträchtigung ausführen können. Sie betreffen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Luftqualität, Beleuchtung und teilweise akustische Bedingungen.
Im Facility Management müssen Komfortanforderungen mit Energieeffizienz und technischer Machbarkeit in Einklang gebracht werden. Ein zu enger Komfortbereich erhöht den Energieverbrauch und kann Anlagen unnötig belasten. Ein zu weiter Bereich kann Beschwerden, Konzentrationsprobleme oder Nutzungseinschränkungen verursachen.
Thermische Komfortparameter
| Komfortparameter | Typischer akzeptabler Bereich |
|---|---|
| Innentemperatur | 20–24 °C |
| Relative Luftfeuchtigkeit | 40–60 % |
| Luftgeschwindigkeit | Begrenzung von Zugerscheinungen |
| CO₂-Werte | Sicherstellung akzeptabler Innenraumluftqualität |
Die Innentemperatur muss an Raumnutzung, Jahreszeit, Belegung und Aktivitätsniveau angepasst werden. In Hörsälen mit hoher Belegung kann sich die Temperatur schnell erhöhen, während wenig belegte Büros oder Randzonen schneller auskühlen können.
Die relative Luftfeuchtigkeit beeinflusst Komfort, Materialerhalt und hygienische Bedingungen. Werte außerhalb des Zielbereichs sollten überprüft werden, insbesondere wenn wiederholt Beschwerden auftreten oder sensible Materialien betroffen sind.
Luftgeschwindigkeit ist vor allem dort relevant, wo Nutzer längere Zeit sitzen. Zugerscheinungen in Bibliotheken, Büros und Hörsälen führen häufig zu Beschwerden, selbst wenn die Temperatur im Sollbereich liegt.
CO₂-Werte zeigen an, ob die Lüftung im Verhältnis zur Belegung ausreichend ist. Hohe Werte können Konzentration und Wohlbefinden beeinträchtigen und sollten durch bedarfsgeregelte Lüftung begrenzt werden.
Raumspezifische Komfortanforderungen
| Raumtyp | Komfortpriorität |
|---|---|
| Hörsäle | Konzentrationsfähigkeit und ausreichende Luftqualität |
| Labore | Stabile Umgebungsbedingungen und sichere Arbeitsbedingungen |
| Bibliotheken | Langzeitkomfort und ruhige, konstante Bedingungen |
| Büros | Produktive Arbeitsbedingungen |
In Hörsälen ist der Komfort stark von Luftqualität, Temperatur und Belegungsdichte abhängig. Die Anlagen müssen kurzfristige Lastwechsel ausgleichen können, insbesondere bei Beginn und Ende von Lehrveranstaltungen.
In Laboren steht neben dem Komfort auch die Prozess- und Arbeitssicherheit im Vordergrund. Raumklima und Lüftung müssen so betrieben werden, dass sowohl Personen als auch Versuche, Geräte und Materialien geschützt sind.
Bibliotheken erfordern stabile Bedingungen über viele Stunden. Temperaturschwankungen, unzureichende Beleuchtung oder Zugluft wirken sich hier besonders negativ aus, da Nutzer über längere Zeit konzentriert arbeiten.
Büros benötigen ausgewogene Bedingungen für produktives Arbeiten. Nutzerfeedback sollte ernst genommen werden, jedoch immer mit Messwerten und technischen Möglichkeiten abgeglichen werden.
Maßnahmen des Komfortmanagements
Komfortmanagement ist ein kontinuierlicher Prozess. Es reicht nicht aus, Sollwerte einmalig festzulegen. Die tatsächlichen Raumzustände müssen überwacht, bewertet und bei Bedarf angepasst werden.
Wichtige Maßnahmen sind:
Überwachung der Innenraumqualität über Sensorik und Gebäudeautomation
Anpassung von Sollwerten auf Basis von Nutzung, Jahreszeit und Messergebnissen
Strukturierte Bearbeitung von Nutzerfeedback
Untersuchung wiederkehrender Komfortbeschwerden
Prüfung von Luftverteilung, Zugluft, Sonneneinstrahlung und Anlagenregelung
Kontinuierliche Optimierung der Betriebsweise
Beschwerden sollten systematisch erfasst werden. Dabei sind Raum, Uhrzeit, Wetterbedingungen, Belegung, gemessene Werte und Anlagenzustand zu dokumentieren. Nur so kann unterschieden werden, ob ein Problem durch Regelung, Anlagentechnik, bauliche Einflüsse oder individuelle Wahrnehmung verursacht wird.
Betriebsplanung
Die Betriebsplanung verbindet akademische Anforderungen mit technischer Gebäudeführung. Sie muss Vorlesungszeiten, Prüfungsphasen, Semesterferien, Veranstaltungen, Forschungsbetrieb, Reinigungszeiten und Wartungsfenster berücksichtigen.
Eine belastbare Betriebsplanung umfasst:
Abstimmung mit akademischen Stundenplänen
Koordination von Semester- und Ferienzeiten
Planung temporärer Betriebsänderungen
Berücksichtigung von Wartung, Reinigung und Sicherheitsdiensten
Rechtzeitige Kommunikation an alle beteiligten Stellen
Zeitprogramme sollten mindestens vor jedem Semester überprüft werden. Änderungen bei Raumbelegung, neuen Nutzungen oder organisatorischen Abläufen müssen in die Gebäudeautomation übernommen werden.
Dokumentationsanforderungen
| Dokumentenart | Zweck |
|---|---|
| Betriebszeitpläne | Definition von Anlagenlaufzeiten und Nutzungszeiträumen |
| Sollwertdokumentation | Standardisierung und Nachvollziehbarkeit von Zielwerten |
| Ferienbetriebspläne | Planung reduzierter Betriebsweisen |
| Übersteuerungsverfahren | Steuerung und Kontrolle von Sondernutzungen |
Betriebszeitpläne legen fest, wann Anlagen im Normal-, Reduzier-, Nacht-, Ferien- oder Sonderbetrieb laufen. Sie müssen aktuell, zugänglich und mit der Gebäudeautomation abgestimmt sein.
Die Sollwertdokumentation stellt sicher, dass Temperatur-, Feuchte-, CO₂-, Lüftungs- und Beleuchtungswerte einheitlich festgelegt sind. Sie verhindert unkoordinierte Einzelanpassungen und erleichtert die Fehlersuche.
Ferienbetriebspläne beschreiben, welche Gebäude oder Zonen reduziert betrieben, abgeschaltet oder dauerhaft versorgt werden. Sie enthalten auch Ausnahmen, kritische Bereiche und Verantwortlichkeiten.
Übersteuerungsverfahren regeln, wie temporäre Abweichungen beantragt, genehmigt, umgesetzt, überwacht und beendet werden. Dies ist wichtig, um Sonderbetriebe kontrolliert und energieeffizient durchzuführen.
Verantwortlichkeiten
| Beteiligte Stelle | Verantwortung |
|---|---|
| Facility Management | Betriebssteuerung, Überwachung und Optimierung |
| Gebäudebetreiber | Tägliche Anpassungen und operative Umsetzung |
| Akademische Fachbereiche | Koordination von Belegung und Sondernutzungen |
| Technisches Personal | Wartung, Störungsbehebung und Anlagenunterstützung |
Das Facility Management trägt die Gesamtverantwortung für die koordinierte Betriebsführung. Dazu gehören Zeitprogramme, Sollwerte, Monitoring, Energieoptimierung, Störungsmanagement und Abstimmung mit Nutzern.
Gebäudebetreiber setzen tägliche Anpassungen um, kontrollieren Anlagenzustände und reagieren auf betriebliche Abweichungen. Sie sind eine zentrale Schnittstelle zwischen technischer Anlage und tatsächlicher Gebäudenutzung.
Akademische Fachbereiche müssen geplante Nutzungen, Sonderveranstaltungen, Prüfungen und forschungsbedingte Anforderungen rechtzeitig melden. Ohne diese Informationen kann die Gebäudetechnik nicht bedarfsgerecht geplant werden.
Technisches Personal stellt sicher, dass Anlagen verfügbar, gewartet und funktionsfähig sind. Es unterstützt bei Störungen, Optimierungen, Messungen und Anpassungen der Regelung.
