Klimaneutraler und klimaresilienter Campus
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Klimaneutraler und klimaresilienter Campus als aktueller Trend im Facility Management von Universitäten
Ein klimaneutraler und klimaresilienter Campus ist ein zentraler Entwicklungsschwerpunkt im Facility Management von Universitäten, da Hochschulen ihre Treibhausgasemissionen deutlich reduzieren und gleichzeitig einen sicheren, zuverlässigen und nutzerorientierten Campusbetrieb unter veränderten klimatischen Bedingungen gewährleisten müssen. Für das Facility Management bedeutet dies, Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Hitzeschutz, Starkregenmanagement, Biodiversität und CO₂-Steuerung nicht als einzelne Projekte zu behandeln, sondern als integriertes Betriebs- und Steuerungssystem. Ziel ist es, Lehre, Forschung, Verwaltung und Campusleben langfristig zu sichern, Betriebskosten kontrollierbar zu halten, gesetzliche und strategische Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen und die bauliche sowie technische Infrastruktur widerstandsfähig gegenüber Klimarisiken zu machen.
- Strategische Bedeutung
- Energetische Sanierung
- Erneuerbare Energien
- Hitzeschutz
- Starkregenmanagement
- Biodiversität
- CO₂-Steuerung
- Integration in Campusplanung und FM-Betrieb
- Risiken und Steuerungsmaßnahmen
- Qualitätsindikatoren
Strategische Bedeutung für das Facility Management von Universitäten
Ein klimaneutraler und klimaresilienter Campus ist für das universitäre Facility Management strategisch relevant, weil er Betriebssicherheit, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Nutzerqualität miteinander verbindet. Universitäten verfügen meist über sehr unterschiedliche Gebäudetypen wie Hörsäle, Labore, Bibliotheken, Büros, Werkstätten, Rechenzentren, Sportanlagen, Wohnbereiche und Außenflächen. Diese Vielfalt erfordert ein strukturiertes Management, das technische Anforderungen, Nutzungsprofile, Instandhaltungsbedarf, Forschungsbetrieb, Sicherheitsvorgaben und langfristige Klimaziele gemeinsam betrachtet.
| FM-Perspektive | Bedeutung für einen klimaneutralen und klimaresilienten Campus |
|---|---|
| Betriebskontinuität | Schützt Lehre, Forschung, Verwaltung und Campusleben vor Hitze, Überflutung, Energieausfällen und infrastruktureller Überlastung. |
| Nachhaltigkeitsleistung | Reduziert Emissionen, Energiebedarf, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen über den gesamten Campus hinweg. |
| Wirtschaftlichkeit | Senkt langfristig Energiekosten, reduziert Schadenskosten durch Klimaereignisse und verbessert die Planbarkeit von Investitionen. |
| Nutzerqualität | Verbessert Innenraumkomfort, Aufenthaltsqualität im Außenbereich, Gesundheitsschutz und Attraktivität des Campus. |
| Investitionsplanung | Unterstützt eine strukturierte Priorisierung von Sanierung, Energieversorgung, technischer Infrastruktur und Freiraummaßnahmen. |
| Compliance und Berichterstattung | Liefert messbare Daten für Klimaziele, Energieperformance, Risikomanagement und Nachhaltigkeitsberichte. |
Das Facility Management muss strategische Klimaziele in konkrete Betriebsstandards übersetzen. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, gebäudebezogene Verbrauchsdaten, Prioritätenlisten, Risikobewertungen, Wartungs- und Sanierungspläne sowie regelmäßige Berichte für Hochschulleitung, Fakultäten, Verwaltung und externe Partner. Entscheidend ist, dass Klimaneutralität und Klimaresilienz zusammen geplant werden. Eine energetische Sanierung muss zum Beispiel nicht nur Energie sparen, sondern auch sommerlichen Wärmeschutz, Wartbarkeit, Nutzerkomfort, Brandschutz und Lebenszykluskosten berücksichtigen.
Energieeffiziente Sanierung
Energieeffiziente Sanierung ist ein wesentlicher Baustein für einen klimaneutralen Campus, da viele Universitätsgebäude einen hohen Energieverbrauch aufweisen. Häufige Ursachen sind veraltete Gebäudehüllen, ineffiziente Heizungs-, Lüftungs- und Kälteanlagen, unzureichende Regelungstechnik, hohe Luftwechselraten, lange Nutzungszeiten und spezielle Anforderungen in Laboren, Hörsälen, Bibliotheken oder Serverräumen. Das Facility Management muss deshalb Sanierungsmaßnahmen so planen, dass Energieverbrauch, CO₂-Emissionen und Betriebskosten reduziert werden, ohne Lehre, Forschung, Sicherheit oder Raumverfügbarkeit unangemessen zu beeinträchtigen.
Zentrale Maßnahmen sind die Verbesserung der Gebäudehülle, die Dämmung von Dach, Fassade und Kellerbereichen, der Austausch ineffizienter Fenster, die Reduzierung von Wärmebrücken und die Optimierung der Luftdichtheit. Ebenso wichtig sind moderne technische Anlagen, etwa effiziente Heizungs-, Lüftungs- und Klimasysteme, Wärmerückgewinnung, hydraulischer Abgleich, bedarfsgerechte Lüftung, optimierte Pumpentechnik, LED-Beleuchtung, Tageslichtsteuerung, Präsenzmelder und intelligente Gebäudeautomation. In Hörsälen kann eine belegungs- oder CO₂-abhängige Lüftung sinnvoll sein, während in Laboren jede Luftmengenreduzierung mit Arbeitssicherheit, Gefahrstoffmanagement und Forschungsanforderungen abgestimmt werden muss.
Die Priorisierung von Sanierungen sollte auf nachvollziehbaren Kriterien beruhen, darunter Energieeinsparung, CO₂-Wirkung, technischer Zustand, Instandhaltungsrisiko, Nutzerbelastung, bauliche Machbarkeit, Finanzierung und Auswirkungen auf den laufenden Betrieb. Besonders wirksam ist eine lebenszyklusorientierte Modernisierung, bei der ohnehin notwendige Instandsetzungen mit energetischen Verbesserungen verbunden werden. Nach Abschluss jeder Sanierung muss das Facility Management eine strukturierte Inbetriebnahme sicherstellen, Anlagen einregeln, Nutzer informieren und Betriebsdaten überwachen, damit geplante Einsparungen tatsächlich erreicht werden.
Erneuerbare Energien
Erneuerbare Energien sind für einen klimaneutralen Campus unverzichtbar, da Universitäten ihre Abhängigkeit von fossilen Energiequellen verringern und ihre Energieversorgung langfristig stabilisieren müssen. Das Facility Management muss prüfen, welche Lösungen technisch, räumlich, wirtschaftlich und betrieblich geeignet sind. Dabei sind Gebäudestruktur, Dachflächen, Netzanschlüsse, Wärmebedarf, Stromlastprofile, Brandschutz, Wartungszugänge, Redundanzanforderungen und Betreiberverantwortung zu berücksichtigen.
| Option erneuerbarer Energie | FM-relevante Bewertungskriterien |
|---|---|
| Photovoltaik | Dacheignung, Tragfähigkeit, Verschattung, Netzanschluss, Wartungszugang, Eigenverbrauch, Brandschutz und Betriebssicherheit. |
| Solarthermie | Warmwasserbedarf, verfügbare Dachflächen, Systemintegration, Wartung, Speicherbedarf und saisonale Leistungsfähigkeit. |
| Geothermie | Bodenverhältnisse, Bohrbarkeit, Genehmigungsfähigkeit, Integration mit Wärmepumpen, Flächenverfügbarkeit und langfristiger Betrieb. |
| Wärmepumpen | Temperaturniveaus, Gebäudeeignung, Strombedarf, Schall, Platzbedarf, Redundanz und mögliche Spitzenlastsysteme. |
| Abwärmenutzung | Quellen aus Laboren, Serverräumen, Kälteanlagen, Prozessanlagen und Fernwärmenetzen. |
| Erneuerbare Quartiers- oder Fernenergie | Vertragsmodelle, Anschlussleistung, Versorgungssicherheit, Preisentwicklung und Schnittstellen zum Betreiber. |
Photovoltaik ist auf vielen Campussen eine naheliegende Maßnahme, erfordert aber eine sorgfältige Prüfung von Dachstatik, Dachzustand, Abdichtung, Entwässerung, Verschattung, Brandschutz und Wartungswegen. Solarthermie kann dort sinnvoll sein, wo kontinuierlicher Warmwasserbedarf besteht, etwa in Sporteinrichtungen, Mensen oder Wohnheimen. Geothermie und Wärmepumpen können die Wärmeversorgung dekarbonisieren, funktionieren jedoch besonders effizient, wenn Gebäudehülle, Heizflächen und Vorlauftemperaturen entsprechend geeignet sind.
Ein besonderes Potenzial liegt in der Nutzung von Abwärme aus Serverräumen, Rechenzentren, Laboren, Kälteanlagen und technischen Prozessen. Das Facility Management sollte diese Quellen systematisch erfassen und prüfen, ob sie für Raumwärme, Warmwasser oder ein lokales Wärmenetz nutzbar sind. Entscheidend ist, erneuerbare Energien nicht nur zu installieren, sondern sie in ein professionelles Energiemanagement mit Messkonzept, Lastmanagement, Wartungsplanung, Leistungsüberwachung und klaren Verantwortlichkeiten einzubinden.
Hitzeschutz
Hitzeschutz gewinnt im Facility Management von Universitäten an Bedeutung, weil hohe Temperaturen Lernleistung, Arbeitsfähigkeit, Forschungssicherheit, Innenraumkomfort und Aufenthaltsqualität beeinträchtigen können. Besonders betroffen sind Hörsäle, Seminarräume, Büros, Bibliotheken, Labore, Prüfungsräume, Verkehrsflächen und Gebäude mit hohen internen Wärmelasten. Das Facility Management muss deshalb Überhitzungsrisiken gebäudebezogen erfassen und priorisieren.
Passive Maßnahmen sollten vorrangig eingesetzt werden, da sie den Energiebedarf begrenzen. Dazu gehören außenliegende Verschattung, Sonnenschutzverglasung, Dach- und Fassadenbegrünung, Dämmung, helle Oberflächen, natürliche Nachtlüftung und bauliche Verschattung durch Bäume oder Vordächer. Technische Maßnahmen wie effiziente Kälteanlagen, geregelte Lüftung, adiabate Kühlung, gebäudeautomationsgestützte Temperatursteuerung und priorisierte Kühlung sensibler Bereiche sind dort erforderlich, wo passive Lösungen nicht ausreichen.
Auch Außenflächen müssen hitzeresilient gestaltet werden. Schattenplätze, klimaresiliente Bäume, entsiegelte Flächen, begrünte Aufenthaltszonen, Trinkwasserstellen und kühlende Freiraumstrukturen erhöhen die Nutzbarkeit des Campus während heißer Perioden. Ergänzend sollte das Facility Management Hitzeschutzprozesse definieren, etwa Temperaturmonitoring, Kommunikation mit Nutzern, angepasste Betriebszeiten, Ausweichräume, Prüfungsmanagement und klare Handlungspläne für Hitzewellen.
Starkregenmanagement
Starkregenmanagement ist für Universitäten besonders wichtig, weil extreme Niederschläge Gebäude, technische Infrastruktur, Forschungseinrichtungen und Nutzer gefährden können. Schäden entstehen häufig durch überlastete Entwässerungssysteme, Rückstau, eindringendes Oberflächenwasser, unzureichend geschützte Kellerbereiche, undichte Gebäudeanschlüsse oder verstopfte Abläufe. Besonders kritisch sind Technikräume, Archive, Labore, Serverräume, Tiefgaragen, Lagerflächen und unterirdische Versorgungsgänge.
| Risikobereich | FM-Maßnahmen |
|---|---|
| Keller- und Technikräume | Rückstauschutz, mobile oder feste Barrieren, Pumpen, Feuchtigkeitssensoren, Notfallpläne und Verlagerung kritischer Anlagen. |
| Außenentwässerung | Retentionsflächen, Versickerungsflächen, regelmäßige Reinigung von Abläufen, grüne Infrastruktur und Inspektionsroutinen. |
| Eingänge und Zugangswege | Schwellen- und Barrierekonzepte, sichere Umleitungen, Beschilderung, Beleuchtung und Nutzerkommunikation. |
| Archive und Lagerflächen | Feuchtigkeitsschutz, Verlagerungsplanung, Notfallmaterialien, erhöhte Lagerung und kontinuierliche Überwachung. |
| Labore und Sonderbereiche | Schutz gefährlicher Stoffe, Notabschaltungen, abgestimmte Reaktionspläne und Koordination mit Arbeitssicherheit und Sicherheitsbeauftragten. |
Ein wirksames Starkregenmanagement beginnt mit einer campusweiten Risikokartierung. Das Facility Management sollte Fließwege, Geländetiefpunkte, Rückstaubereiche, Einläufe, Lichtschächte, Rampen, Türen und unterirdische Zugänge erfassen. Darauf aufbauend können bauliche und technische Schutzmaßnahmen wie Rückstauklappen, Pumpen, Schwellen, Abdichtungen, Sensorik, Alarmierungssysteme und mobile Barrieren priorisiert werden.
Grüne und blaue Infrastruktur verbessert zusätzlich die Resilienz. Mulden, Rigolen, Retentionsflächen, Gründächer, entsiegelte Flächen und Versickerungszonen entlasten die Kanalisation und verbessern zugleich Mikroklima und Biodiversität. Für kritische Bereiche braucht das Facility Management klare Notfallprozesse, definierte Verantwortlichkeiten, Kontrollroutinen bei Wetterwarnungen, verfügbare Notfallmaterialien und abgestimmte Kommunikationswege mit Sicherheitsdienst, Laborverantwortlichen und externen Einsatzkräften.
Biodiversität
Biodiversität ist ein wichtiger Bestandteil eines klimaresilienten Campus, da Außenflächen nicht nur repräsentative oder gepflegte Grünanlagen sind, sondern ökologische Infrastruktur mit betrieblichem Nutzen. Sie unterstützen Kühlung, Regenwasserrückhaltung, Bodenschutz, Aufenthaltsqualität, Umweltbildung und Campusidentität. Das Facility Management muss Grünflächen daher nach Funktion, Resilienz, Pflegefähigkeit, Sicherheit und ökologischer Wirkung bewerten.
Wichtige Maßnahmen sind standortgerechte und heimische Pflanzungen, artenreiche Wiesen, Baumschutz, Dachbegrünung, Fassadenbegrünung, Blühflächen, Lebensräume für Bestäuber, reduzierte Versiegelung, Bodenschutz und nachhaltige Mähkonzepte. Bäume sind besonders relevant, da sie Schatten spenden, Oberflächentemperaturen senken, Regenwasser zurückhalten und die Aufenthaltsqualität deutlich verbessern. Ihre Vitalität, Verkehrssicherheit, Bewässerung, Wurzelräume und langfristige Pflege müssen systematisch kontrolliert werden.
Biodiversitätsmaßnahmen müssen mit Campusnutzung, Barrierefreiheit, Rettungswegen, Sichtachsen und Sicherheitsanforderungen vereinbar bleiben. Wo extensivere Pflegekonzepte sichtbar anders wirken als klassische Rasenpflege, sollte das Facility Management aktiv kommunizieren, warum Wiesen später gemäht, Blühflächen stehen gelassen oder bestimmte Habitatstrukturen erhalten werden. Zusätzlich können Biodiversitätsflächen als Lernorte, Reallabore oder Monitoringflächen für Lehre und Forschung genutzt werden, sofern betriebliche Anforderungen klar geregelt sind.
CO₂-Steuerung
CO₂-Steuerung ist notwendig, weil ein klimaneutraler Campus messbare Emissionsreduktionen benötigt. Einzelne Nachhaltigkeitsmaßnahmen reichen nicht aus, wenn ihre Wirkung nicht erfasst, bewertet und aktiv gesteuert wird. Das Facility Management muss deshalb belastbare Datenstrukturen für Energieverbrauch, Wärme, Kälte, Strom, Brennstoffe, erneuerbare Eigenerzeugung, gebäudebezogene Emissionen und Maßnahmenwirkung aufbauen.
| Element der CO₂-Steuerung | Bedeutung für das Facility Management |
|---|---|
| CO₂-Basisbilanz | Definiert den Ausgangspunkt für Klimaziele, Reduktionspfade und Prioritäten. |
| Energie- und Emissionsmonitoring | Erfasst Strom, Wärme, Kälte, Brennstoffe und gebäudebezogene Emissionen. |
| Gebäudebezogene Berichterstattung | Identifiziert emissionsintensive Gebäude und prioritäre Handlungsfelder. |
| Maßnahmenverfolgung | Verknüpft Sanierungs-, Energie- und Betriebsmaßnahmen mit tatsächlicher CO₂-Reduktion. |
| Dashboard und Reporting | Unterstützt Leitungsentscheidungen, Förderanträge und Nachhaltigkeitskommunikation. |
| Lebenszyklusperspektive | Berücksichtigt Betriebsemissionen, graue Emissionen, Instandhaltung, Beschaffung und Modernisierungseffekte. |
Die CO₂-Basisbilanz zeigt, welche Gebäude, Anlagen und Energiearten die größten Emissionen verursachen. Auf dieser Grundlage können Prioritäten sachlich gesetzt werden, zum Beispiel für Sanierungen, Anlagenoptimierung, erneuerbare Energien oder Betriebsanpassungen. Wichtig sind gebäudescharfe Verbrauchsdaten, transparente Zählerstrukturen, einheitliche Datenformate, Plausibilitätsprüfungen und klare Verantwortlichkeiten für Datenerhebung und Berichterstattung.
CO₂-Steuerung muss mit dem Maßnahmenmanagement verbunden sein. Wenn ein Gebäude saniert, eine Lüftungsanlage optimiert oder eine Photovoltaikanlage installiert wird, sollte die erwartete CO₂-Wirkung mit der tatsächlichen Performance verglichen werden. Zusätzlich muss das Facility Management die Lebenszyklusperspektive berücksichtigen, also neben Betriebsemissionen auch graue Emissionen, Materialwahl, Wartbarkeit, Ersatzteile, Nutzungsdauer und Rückbauaspekte in Investitionsentscheidungen einbeziehen.
Integration in Campusplanung und FM-Betrieb
Ein klimaneutraler und klimaresilienter Campus entsteht nur, wenn Klimaschutz und Klimaanpassung in alle relevanten Facility-Management-Prozesse integriert werden. Dazu gehören Campusentwicklung, Instandhaltungsplanung, technisches Gebäudemanagement, Energiemanagement, Flächenmanagement, Beschaffung, Dienstleistersteuerung, Grünflächenpflege, Notfallplanung, Gebäudeautomation und Reporting. Klimamaßnahmen dürfen nicht als isolierte Pilotprojekte behandelt werden, sondern müssen Teil des Regelbetriebs sein.
Das Facility Management sollte klare Rollen für Energiemanagement, technisches Gebäudemanagement, Grünflächenmanagement, Datenmanagement, Projektsteuerung, Arbeitssicherheit und Nutzerkommunikation festlegen. Gleichzeitig müssen Energie-, Gebäude-, Anlagen-, Wartungs-, Risiko- und CO₂-Daten in geeigneten Systemen gepflegt werden. Nur mit belastbaren Daten lassen sich Investitionen priorisieren, Betriebskosten bewerten, Fortschritte dokumentieren und Maßnahmen gegenüber Hochschulleitung und Nutzern nachvollziehbar begründen.
Auch Beschaffung und Dienstleistermanagement müssen in die Klimastrategie eingebunden werden. Wartungsverträge, Reinigungsleistungen, Grünpflege, Bauleistungen, Energieeinkauf und technische Betriebsführung sollten Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Dokumentation und Qualitätssicherung enthalten. Ebenso wichtig ist eine verständliche Kommunikation mit Studierenden, Beschäftigten, Fakultäten und Forschungseinrichtungen, damit Einschränkungen, Betriebsänderungen und Nutzerbeiträge frühzeitig erklärt und akzeptiert werden.
Risiken und Steuerungsmaßnahmen
Die Umsetzung eines klimaneutralen und klimaresilienten Campus ist mit technischen, betrieblichen, finanziellen und organisatorischen Risiken verbunden. Das Facility Management muss diese Risiken frühzeitig erkennen, bewerten und durch geeignete Steuerungsmaßnahmen begrenzen. Besonders wichtig sind realistische Projektplanung, klare Verantwortlichkeiten, belastbare Daten, regelmäßiges Monitoring und eine enge Abstimmung mit Lehre, Forschung, Verwaltung, Arbeitssicherheit und externen Dienstleistern.
| Risiko | FM-Steuerungsmaßnahme |
|---|---|
| Sanierungen stören Lehre und Forschung | Phasenplanung, Ausweichflächen, Nutzerkommunikation und Terminierung außerhalb kritischer Semester- und Prüfungsphasen. |
| Erneuerbare Systeme erreichen nicht die erwartete Leistung | Machbarkeitsstudien, Monitoring, Wartungspläne, strukturierte Inbetriebnahme und Leistungsnachweise. |
| Überhitzung in Lehr- und Büroräumen | Verschattung, Lüftungsstrategien, Priorisierung der Kühlung, Temperaturmonitoring und Hitzeschutzpläne. |
| Überflutung beschädigt kritische Infrastruktur | Risikokartierung, Rückstauschutz, Sensorik, Notfallreaktion und Verlagerung gefährdeter Anlagen. |
| Biodiversitätsmaßnahmen kollidieren mit Pflege oder Sicherheit | Klare Pflegekonzepte, Wegemanagement, Kontrolle von Sichtachsen, Verkehrssicherung und Nutzerkommunikation. |
| CO₂-Daten sind unvollständig oder uneinheitlich | Standardisierte Messung, Datenvalidierung, Systemintegration und regelmäßige Berichtsprozesse. |
Bei Sanierungen besteht das Risiko, dass Lehrveranstaltungen, Prüfungen, Laborprozesse oder Forschungsprojekte gestört werden. Deshalb sind Phasenplanung, Interimsflächen, Umzugsmanagement, Lärmsteuerung, Sicherheitskonzepte und transparente Kommunikation erforderlich. Bei erneuerbaren Energiesystemen liegt das Risiko häufig in unrealistischen Ertragsannahmen, unzureichender Inbetriebnahme oder fehlender Wartung. Hier helfen Machbarkeitsstudien, Leistungsnachweise, Monitoring und klare Betreiberverantwortung.
Klimarisiken wie Hitze und Starkregen können direkte Auswirkungen auf Gesundheit, Betriebssicherheit und Gebäudeschäden haben. Das Facility Management sollte gefährdete Räume und Anlagen priorisieren, Sensorik einsetzen, Wartungsroutinen festlegen und Notfallprozesse regelmäßig prüfen. Bei Biodiversitätsmaßnahmen und CO₂-Daten bestehen vor allem Akzeptanz- und Steuerungsrisiken. Diese lassen sich durch klare Pflegekonzepte, Sicherheitsprüfungen, Nutzerinformation, standardisierte Datenerfassung und regelmäßige Berichte reduzieren.
Qualitätsindikatoren für klimaneutrales und klimaresilientes Facility Management
Qualitätsindikatoren machen Fortschritte messbar und unterstützen die Steuerung eines klimaneutralen und klimaresilienten Campus. Sie sollten regelmäßig erhoben, ausgewertet und in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Relevante Kennzahlen sind jährlicher Energieverbrauch, CO₂-Emissionen je Gebäude, Anteil erneuerbarer Energien, Anzahl sanierter Gebäude, Heiz- und Kühlbedarf, Überhitzungsstunden, Starkregenschäden, Wartungsstatus der Entwässerung, versiegelte und unversiegelte Flächen, biodiversitätsfördernde Flächen, Baumvitalität, Energiekostenentwicklung und Umsetzungsgrad geplanter Klimamaßnahmen.
Gebäudebezogene Kennzahlen sind besonders wichtig, weil sie zeigen, welche Gebäude hohe Verbräuche, hohe Emissionen oder besondere Betriebsrisiken aufweisen. Dabei müssen Nutzungsart, Betriebszeiten, technische Ausstattung und Flächenbezug berücksichtigt werden. Ein Laborgebäude kann nicht mit denselben Verbrauchswerten bewertet werden wie ein Bürogebäude oder eine Bibliothek, da Luftwechsel, Sicherheitsanforderungen und technische Lasten unterschiedlich sind.
Auch Klimaanpassungs- und Biodiversitätsindikatoren sollten fest im Reporting verankert werden. Überhitzungsstunden, schattige Aufenthaltsbereiche, Entsiegelungsgrad, Zustand von Entwässerungsanlagen, Baumvitalität, extensive Pflegeflächen und Dachbegrünung zeigen, wie widerstandsfähig der Campus gegenüber Klimarisiken ist. Ergänzend sollten wirtschaftliche Kennzahlen wie Energiekosten, Instandhaltungskosten, Schadenskosten, Investitionsfortschritt und Lebenszykluskosten bewertet werden, damit Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gemeinsam gesteuert werden.
Ein klimaneutraler und klimaresilienter Campus ist für das Facility Management von Universitäten von hoher Bedeutung, weil er akademische Betriebsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Risikominimierung, Nutzerqualität und Wirtschaftlichkeit miteinander verbindet. Erfolgreich ist ein solcher Campus nur, wenn energetische Sanierung, erneuerbare Energien, Hitzeschutz, Starkregenmanagement, Biodiversität und CO₂-Steuerung nicht getrennt, sondern als integriertes Facility-Management-System geplant, betrieben, überwacht und kontinuierlich verbessert werden.
