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Sanierung im laufenden Hochschulbetrieb

Facility Management: Hochschulen » Campus » Bau, Umbau & Sanierung im Betrieb » Sanierung im Hochschulbetrieb

Sanierung im laufenden Hochschulbetrieb

Die Sanierung im laufenden Hochschulbetrieb ist die kontrollierte Durchführung baulicher, technischer und sicherheitsrelevanter Maßnahmen, während Lehre, Forschung, Verwaltung und campusbezogene Dienstleistungen weiterlaufen. Für das Facility Management besteht die zentrale Aufgabe darin, den Hochschulbetrieb während der gesamten Maßnahme stabil, sicher und planbar zu halten. Dazu müssen Bauprojekt, Gebäudebetrieb, Nutzer, Sicherheitsorganisation, Hochschulleitung, Fakultäten, Prüfungsämter, Forschungseinheiten und externe Auftragnehmer kontinuierlich koordiniert werden. Ein klares Betriebskonzept legt fest, welche Bereiche genutzt oder gesperrt werden, welche Funktionen verlagert werden, welche Störungen zulässig sind, welche Schutzzeiten gelten und wie betroffene Nutzer informiert werden. Das Facility Management übersetzt dabei die Anforderungen des Hochschulbetriebs in konkrete Vorgaben für Planung, Bauausführung, Sicherheit, Interimsflächen, Kommunikation und Störungsmanagement.

Umfang und FM-Relevanz

Die Sanierung im laufenden Hochschulbetrieb betrifft belegte oder teilweise belegte Gebäude. Dadurch muss jede bauliche Maßnahme eng mit dem laufenden Campusbetrieb abgestimmt werden. Typische Sanierungsinhalte sind Arbeiten an der Gebäudehülle, an Fassaden, Dächern, Innenräumen, Brandschutzeinrichtungen, Elektroanlagen, Heizungs-, Lüftungs- und Kälteanlagen, Sanitäranlagen, Laborinfrastruktur, IT-nahen technischen Anlagen, Aufzügen, Barrierefreiheit oder sicherheitsrelevanten Gebäudeteilen. Aus Sicht des Facility Managements ist entscheidend, dass die Sanierungsmaßnahme nicht isoliert als Bauprojekt betrachtet wird. Sie wirkt direkt auf den Betrieb der Hochschule. Räume können zeitweise nicht genutzt werden, Wegeführungen ändern sich, technische Anlagen werden abgeschaltet, Nutzer müssen ausweichen, Liefer- und Rettungswege werden beeinflusst und bestimmte Tätigkeiten sind nur zu definierten Zeiten möglich.

Sanierungskontext

FM-Relevanz

Belegte Lehrgebäude

Stundenpläne, Prüfungen, Personenströme, Medientechnik, Raumbelegung und barrierefreie Erreichbarkeit müssen funktionsfähig bleiben.

Forschungsgebäude

Experimente, Laborsicherheit, technische Medien, Proben, Messgeräte, Reinheitsanforderungen und sensible Forschungsvorhaben müssen geschützt werden.

Verwaltungsgebäude

Arbeitsplatzverfügbarkeit, vertrauliche Dienstleistungen, Aktenzugang, Besprechungsräume, IT-Verfügbarkeit und Personalzugang müssen gesichert werden.

Öffentliche Campuseinrichtungen

Bibliotheken, Mensen, Servicebereiche, Veranstaltungsflächen, Beratungsstellen und Besucherwege benötigen einen zuverlässigen Betrieb.

Technische Infrastruktur

Unterbrechungen bei Strom, Lüftung, Wasser, Heizung, Kälte, Aufzügen, Zutrittssystemen oder IT können mehrere Gebäude oder Campusbereiche betreffen.

Die FM-Relevanz beginnt bereits in der Planungsphase. Betriebsrelevante Einschränkungen müssen frühzeitig erfasst und in Bauzeitenplanung, Ausschreibung, Logistik, Sicherheitskonzept und Kommunikationsplanung übernommen werden. Dazu gehören beispielsweise Sperrzeiten für Prüfungen, Anforderungen an Laborluftwechsel, Mindesttemperaturen in belegten Bereichen, Reinigungsstandards, Verfügbarkeit von Fluchtwegen, Lieferfenster, Nacht- oder Wochenendarbeiten und Anforderungen an temporäre Beschilderung. Ein wirksames FM-Konzept sollte außerdem definieren, welche Betriebsfunktionen besonders kritisch sind. Dazu zählen unter anderem Prüfungsräume, Serverräume, Labore mit Langzeitversuchen, Bereiche mit Gefahrstoffen, zentrale Technikräume, Aufzüge für barrierefreie Erschließung, Beratungsstellen mit Publikumsverkehr sowie Räume mit hoher Auslastung. Für diese Funktionen müssen frühzeitig Schutzmaßnahmen, Ersatzlösungen und Eskalationswege festgelegt werden.

Interimsflächenmanagement

Interimsflächen sind erforderlich, wenn Räume, Etagen, Labore, Büros, Servicebereiche oder technische Nebenflächen vorübergehend nicht verfügbar sind. Das Facility Management muss sicherstellen, dass Ersatzflächen nicht nur vorhanden, sondern für die jeweilige Nutzung tatsächlich geeignet sind. Eine freie Fläche ist nicht automatisch eine geeignete Interimsfläche. Die Eignung hängt von mehreren Faktoren ab: Raumgröße, Kapazität, Möblierung, technische Ausstattung, IT-Anbindung, Lüftung, Akustik, Barrierefreiheit, Sicherheit, Zugänglichkeit, Brandschutz, Vertraulichkeit, Nähe zu relevanten Nutzergruppen und Dauer der Nutzung. Bei Laboren kommen zusätzliche Anforderungen hinzu, etwa technische Medien, Abluft, Sicherheitsklassifizierung, Gefahrstofflagerung, Entsorgung, Notduschen, Dekontaminationsmöglichkeiten und Zutrittskontrolle.

Anforderung an Interimsflächen

FM-Prüfpunkte

Ersatzräume für die Lehre

Kapazität, Bestuhlung, Medientechnik, Raumakustik, Sichtlinien, Barrierefreiheit, Stundenplankompatibilität und Eignung für Prüfungen.

Temporäre Büros

Arbeitsplätze, Stromversorgung, IT-Zugang, Datenschutz, Vertraulichkeit, Stauraum, Besprechungsmöglichkeiten, Ergonomie und Aufenthaltsqualität.

Interimsregelungen für Labore

Sicherheitsklassifizierung, Lüftung, Medienversorgung, Gefahrstofflagerung, Geräteverlagerung, Kontaminationsschutz, Entsorgung und Notfallausstattung.

Verlagerung studentischer Services

Sichtbarkeit, Erreichbarkeit, Wartezonen, Beschilderung, digitale Information, Datenschutz, Publikumsverkehr und Servicekontinuität.

Technische und lagerbezogene Flächen

Gesicherte Lagerung, Wartungszugang, Lieferwege, Abfalllogistik, temporäre technische Anlagen und Schutz vor unbefugtem Zugriff.

Ein strukturiertes Interimsflächenkonzept sollte klar darstellen, welche Funktionen verlagert werden, wohin sie verlagert werden, wie lange die Verlagerung dauert, welche technischen Anpassungen erforderlich sind und wie die Nutzer informiert werden. Es sollte außerdem einen Rückzugsplan enthalten, damit die Rückkehr in die sanierten Räume geordnet erfolgen kann. Für das Facility Management ist besonders wichtig, die Interimsflächen nicht nur einmalig bereitzustellen, sondern während der gesamten Sanierungsphase zu betreiben. Dazu gehören Reinigung, Instandhaltung, Schlüssel- und Zutrittsmanagement, Beschilderung, Störungsannahme, technische Betreuung und regelmäßige Überprüfung der Nutzerzufriedenheit. Bei längeren Sanierungsphasen müssen Interimsflächen wie vollwertige Betriebsflächen behandelt werden. Eine klare Priorisierung ist notwendig, wenn nicht alle Anforderungen gleichzeitig erfüllt werden können. Prüfungsbetrieb, sicherheitsrelevante Laborfunktionen, barrierefreie Erreichbarkeit, zentrale Verwaltungsleistungen und gesetzlich oder betrieblich notwendige Funktionen haben Vorrang vor weniger kritischen Komfortanforderungen. Diese Priorisierung muss transparent dokumentiert und mit den betroffenen Organisationseinheiten abgestimmt werden.

Kontrolle von Lärm, Staub, Erschütterungen und Umweltbelastungen

Lärm, Staub, Erschütterungen, Gerüche und Veränderungen des Raumklimas gehören zu den häufigsten Störungen bei Sanierungen im laufenden Hochschulbetrieb. In Hochschulen können diese Störungen unmittelbar die Qualität von Lehre, Prüfungen, Forschung, Bibliotheksnutzung, Büroarbeit und Beratungsgesprächen beeinträchtigen. Das Facility Management muss deshalb vor Beginn der Arbeiten festlegen, welche Bereiche und Zeiten besonders störungsempfindlich sind. Dazu gehören Prüfungsräume, Hörsäle, Seminarräume, Bibliotheken, Lesesäle, Labore, Messräume, Serverräume, Archive, Sammlungen, Beratungsstellen und Bereiche mit konzentrierter Büroarbeit. Auch kurze Störungen können in diesen Bereichen erhebliche Folgen haben, wenn sie beispielsweise eine Prüfung unterbrechen, eine Messreihe verfälschen oder empfindliche Geräte verschmutzen.

Störungsart

Mögliche Auswirkungen

Erforderliche Steuerungsmaßnahme

Lärm

Störung von Lehre, Prüfungen, Konzentration, Beratungsgesprächen, Veranstaltungen und Telefonarbeitsplätzen.

Definition von Lärmfenstern, Ruhezeiten, lärmintensive Arbeiten außerhalb kritischer Zeiten, akustische Abschottung und Vorabinformation der Nutzer.

Staub

Gesundheitsrisiken, Verunreinigung von Laboren, Beschädigung von Geräten, Beeinträchtigung der Raumluftqualität und erhöhter Reinigungsbedarf.

Staubschutzwände, Schleusen, Unterdruckbereiche, Abdichtung von Bauzonen, angepasste Reinigungsintervalle und bei Bedarf Luftüberwachung.

Erschütterungen

Beeinflussung von Messgeräten, Laborversuchen, Archiven, Sammlungen, empfindlichen Bauteilen und technischen Anlagen.

Vorabprüfung sensibler Bereiche, erschütterungsarme Arbeitsverfahren, Monitoring in der Nähe empfindlicher Geräte und Abstimmung mit Forschungseinheiten.

Gerüche und Emissionen

Beschwerden, Gesundheitsbedenken, Unterbrechung belegter Bereiche, Einschränkung von Labor- oder Büroarbeit.

Trennung von Lüftungsbereichen, geeignete Materialauswahl, zeitliche Staffelung emissionsintensiver Arbeiten und klare Kommunikation betroffener Zeiträume.

Reduzierter Innenraumkomfort

Einschränkungen bei Temperatur, Luftwechsel, Beleuchtung, Zugänglichkeit oder Nutzbarkeit von Räumen.

Temporäre technische Lösungen, zeitweise Sperrungen, Ersatzräume, Komfortkontrollen und schnelle Störungsbearbeitung.

Ein wirksames Störungsmanagement beginnt mit einer Risikoanalyse. Diese sollte die geplanten Bauarbeiten den betroffenen Nutzungen gegenüberstellen. Für jede Bauphase ist zu prüfen, welche Arbeiten Lärm, Staub, Erschütterungen oder Emissionen verursachen und welche Nutzergruppen dadurch beeinträchtigt werden. Daraus entstehen verbindliche Vorgaben für Bauzeiten, Schutzmaßnahmen, Reinigungsleistungen und Kommunikation. Besonders wichtig ist die Kontrolle der Schnittstellen zwischen Baustelle und belegten Bereichen. Türen, Flure, Lüftungsschächte, Treppenhäuser und technische Durchdringungen können Staub, Gerüche oder Lärm übertragen. Deshalb müssen Baustellenbereiche baulich und organisatorisch sauber getrennt werden. Das schließt eine kontrollierte Baustellenlogistik, definierte Materialwege, geregelte Abfallentsorgung und tägliche Sauberkeitskontrollen ein. Bei sensiblen Forschungsbereichen ist eine Standardmaßnahme oft nicht ausreichend. Hier müssen Erschütterungsgrenzwerte, Temperaturtoleranzen, Staubschutzanforderungen oder Abschaltfenster individuell mit den verantwortlichen Labor- oder Forschungsleitungen abgestimmt werden. Die Ergebnisse sollten dokumentiert und in die Bauablaufplanung übernommen werden.

Sicherheit in belegten Hochschulgebäuden

Sicherheitsmanagement ist eine zentrale Verantwortung des Facility Managements bei Sanierungen in aktiven Campusumgebungen. Die besondere Herausforderung besteht darin, dass Studierende, Beschäftigte, Besucher, Auftragnehmer, Lieferanten und Einsatzkräfte gleichzeitig in oder in der Nähe desselben Gebäudes unterwegs sein können. Dadurch entsteht eine komplexe Sicherheitslage, die laufend überprüft werden muss. Die Grundregel lautet: Baustellenbereiche und genutzte Hochschulbereiche müssen eindeutig voneinander getrennt sein. Nutzer dürfen nicht unbeabsichtigt in Bauzonen gelangen, und Auftragnehmer dürfen keine unkontrollierten Wege durch sensible Hochschulbereiche nutzen. Diese Trennung muss baulich, organisatorisch und kommunikativ umgesetzt werden.

Sicherheitsbereich

Erforderlicher FM-Fokus

Baustellenabtrennung

Klare physische Barrieren zwischen Bauflächen und belegten Hochschulbereichen, stabile Absperrungen, Sichtschutz und kontrollierte Übergänge.

Flucht- und Rettungswege

Durchgängige Verfügbarkeit, temporäre Beschilderung, alternative Wegeführungen, ausreichende Beleuchtung und regelmäßige brandschutztechnische Überprüfung.

Brandschutz

Temporäre Alarmierungskonzepte, Erhalt oder Ersatz von Brandabschnitten, Freigabeprozesse für Heißarbeiten, Feuerwehrzugänge und Abstimmung mit Sicherheitsverantwortlichen.

Zutrittskontrolle

Trennung von Auftragnehmern, Nutzern, Laborbereichen, öffentlichen Zonen und gesperrten Bereichen durch Ausweise, Schließsysteme und klare Zutrittsregeln.

Verkehrssicherheit

Sichere Fußwege, Lieferwege, Baustellenzufahrten, Fahrrad- und Parkregelungen, Beleuchtung, Winterdienst und konfliktarme Wegeführung.

Gefahrstoffe

Identifikation, Sicherung, Entfernung oder Abschottung gefährlicher Stoffe sowie klare Kommunikation und Einhaltung der geltenden Vorgaben.

Verhalten von Auftragnehmern

Baustellenordnung, Arbeitszeiten, Verhalten auf dem Campus, Ausweiskontrolle, Notfallverfahren, Sauberkeit und Rücksichtnahme auf den Hochschulbetrieb.

Sicherheitsmaßnahmen dürfen nicht statisch betrachtet werden. Während einer Sanierung ändern sich Wegeführungen, Sperrbereiche, technische Zustände, Brandabschnitte und Arbeitsverfahren. Das Facility Management muss deshalb regelmäßige Begehungen organisieren und dokumentieren. Dabei sollten FM, Bauleitung, Sicherheitsfachkräfte, Brandschutzverantwortliche, Nutzervertretungen und bei Bedarf Labor- oder IT-Verantwortliche eingebunden werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt temporären Zuständen. Provisorische Türen, Kabelbrücken, geöffnete Schächte, abgedeckte Bodenöffnungen, Gerüste, Container, Bauzäune und Ersatzwege müssen so gestaltet sein, dass sie auch bei hoher Personenfrequenz sicher funktionieren. Hochschulgebäude haben oft wechselnde Nutzergruppen. Viele Personen kennen temporäre Wege nicht und reagieren nicht wie geschultes Personal. Beschilderung und physische Führung müssen daher eindeutig, sichtbar und robust sein. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Notfallorganisation. Rettungsdienste und Feuerwehr müssen jederzeit wissen, welche Zugänge nutzbar sind, welche Bereiche gesperrt sind und ob Brandmelde-, Sprinkler-, Entrauchungs- oder Sicherheitsanlagen temporär verändert wurden. Temporäre Abweichungen müssen freigegeben, dokumentiert und überwacht werden.

Schutz von Prüfungsplänen

Prüfungen sind besonders schutzbedürftige Phasen im Hochschulbetrieb. Sanierungsarbeiten können Prüfungsräume, Zugangswege, Ruhebedingungen, Aufsichtslogistik, technische Systeme, Barrierefreiheit und Notfallplanung beeinträchtigen. Bereits kurze Störungen können erhebliche Auswirkungen haben, etwa Beschwerden, Prüfungsabbrüche, Nachholtermine oder formale Anfechtungen. Das Facility Management sollte Prüfungszeiträume deshalb als betriebliche Schutzfenster behandeln. In diesen Zeiträumen müssen lärmintensive Arbeiten, Staubbelastungen, Flur- und Zugangsänderungen, technische Abschaltungen und logistische Eingriffe besonders streng gesteuert werden. Die Prüfungsplanung muss frühzeitig mit dem Bauzeitenplan abgeglichen werden.

Prüfungsbezogene Anforderung

FM-Reaktion

Ruhige Umgebung

Definition lärmarmer oder lärmfrei gehaltener Zeitfenster und Einschränkung störender Arbeiten während Prüfungen.

Raumverfügbarkeit

Frühzeitige Sicherung geeigneter Prüfungsräume und Bereitstellung von Ausweichräumen, wenn Bau- oder Betriebsrisiken bestehen.

Zuverlässiger Zugang

Stabile Wegeführungen, funktionsfähige Aufzüge, klare Beschilderung, ausreichende Beleuchtung und barrierefreie Erreichbarkeit.

Technische Betriebsbereitschaft

Sicherstellung von Strom, Beleuchtung, Lüftung, Uhren, IT, Präsentationstechnik und gegebenenfalls Hörsaaltechnik.

Nutzerkommunikation

Information an Studierende, Prüfungsämter, Fakultäten, Aufsichten, Sicherheitsdienste und Gebäudebetrieb über temporäre Regelungen.

Die Prüfungsschutzplanung sollte nicht erst wenige Tage vor der Prüfung beginnen. Prüfungsämter und Fakultäten müssen frühzeitig melden, welche Räume genutzt werden, welche Teilnehmerzahlen erwartet werden, welche technischen Anforderungen bestehen und ob besondere Bedingungen erforderlich sind. Das FM kann daraus kritische Zeiträume und Orte ableiten. Für große Prüfungen sollten Backup-Lösungen vorgesehen werden. Dazu gehören alternative Räume, zusätzliche Beschilderung, technische Rufbereitschaft, Reinigungsbereitschaft, Hausmeisterpräsenz und klare Notfallkontakte. Wenn eine technische Abschaltung oder ein lauter Arbeitsschritt unvermeidbar ist, muss geprüft werden, ob die Prüfung verlegt oder die Arbeit verschoben werden kann. Aus FM-Sicht hat die Sicherung ordnungsgemäßer Prüfungsbedingungen hohe Priorität. Auch die Wegeführung ist prüfungsrelevant. Studierende müssen den Prüfungsraum sicher, pünktlich und ohne unnötige Umwege erreichen können. Temporäre Sperrungen sollten an Prüfungstagen besonders klar kommuniziert und vor Ort sichtbar ausgeschildert sein. Barrierefreie Zugänge sind verbindlich zu gewährleisten, auch wenn Aufzüge, Rampen oder Haupteingänge von der Sanierung betroffen sind.

Forschungskontinuität

Die Sicherung der Forschungskontinuität ist häufig komplexer als die Sicherung der Lehre. Forschungsvorhaben können von Experimenten, Proben, Messdaten, Umweltbedingungen, Spezialgeräten, Förderfristen, externen Kooperationen und langfristigen Versuchsreihen abhängen. Schon kurze Unterbrechungen können dazu führen, dass Forschungsergebnisse unbrauchbar werden, Proben verloren gehen oder Projektfristen gefährdet werden. Das Facility Management muss daher gemeinsam mit den Forschungseinheiten frühzeitig feststellen, welche Räume, Geräte und Prozesse kritisch sind. Kritisch sind insbesondere Labore mit Dauerbetrieb, Kühlräume, Tiefkühllager, Reinräume, Tierhaltungsbereiche, Klimakammern, Messräume, Serverräume, Werkstätten, Gefahrstofflager, Medienversorgungspunkte und Bereiche mit kontrollierten Umgebungsbedingungen.

Bereich der Forschungskontinuität

FM-Prüfpunkte

Laborversorgung

Stabile Stromversorgung, technische Gase, Wasser, Abwasser, Lüftung, Kühlung, Notstrom, Druckluft und gegebenenfalls Prozessmedien.

Empfindliche Geräte

Schutz vor Staub, Erschütterungen, Temperaturänderungen, Feuchteänderungen, Spannungsschwankungen und ungeplanten Abschaltungen.

Langzeitexperimente

Vermeidung ungeplanter Unterbrechungen, Abstimmung zulässiger Eingriffsfenster und Dokumentation kritischer Versuchszeiten.

Gefahrstoffe

Sichere Lagerung, Transport, Lüftung, Zutrittskontrolle, Entsorgung, Kennzeichnung und Notfallverfahren.

Forschungszeitpläne

Abstimmung mit kritischen Experimenten, Fördermeilensteinen, externen Partnerterminen und Veröffentlichungs- oder Abgabefristen.

Daten- und IT-Systeme

Zuverlässige Netzwerkanbindung, Serverzugang, Datensicherung, sichere technische Räume und definierte Wiederanlaufverfahren.

Ein Forschungskontinuitätsplan sollte kritische Räume, kritische Geräte, zulässige Unterbrechungsfenster, technische Abhängigkeiten, Notfallkontakte und Eskalationswege enthalten. Er muss außerdem beschreiben, welche Maßnahmen vor, während und nach Eingriffen erforderlich sind. Dazu zählen Vorabtests, Sicherung von Proben, Umschaltung auf Ersatzversorgung, Abschaltung empfindlicher Geräte, zusätzliche Temperaturkontrollen oder verstärkte Überwachung. Bei Laboren ist die Koordination besonders sensibel. Technische Arbeiten an Lüftung, Medienversorgung, Brandschutz, Abwasser oder Strom können Sicherheitsfunktionen beeinflussen. Deshalb müssen Eingriffe mit Laborverantwortlichen, Arbeitsschutz, Gefahrstoffmanagement, Brandschutz und technischer Betriebsführung abgestimmt werden. Ungeplante Abschaltungen sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Wenn sie nicht vermeidbar sind, müssen sie mit Vorlauf angekündigt und in einem kontrollierten Verfahren durchgeführt werden. Für empfindliche Messgeräte und Forschungseinrichtungen kann auch die Baustellenlogistik relevant sein. Erschütterungen durch Abbrucharbeiten, Kernbohrungen, Transporte oder schwere Geräte können Messungen verfälschen. Staub kann optische, elektronische oder mechanische Systeme beeinträchtigen. Temperatur- und Feuchteschwankungen können Proben oder Kalibrierungen gefährden. Solche Risiken müssen vor Beginn der Bauarbeiten bekannt sein und aktiv gesteuert werden.

Nutzerkommunikation

Nutzerkommunikation ist entscheidend, weil Sanierungsarbeiten in belegten Hochschulgebäuden das tägliche Verhalten der Nutzer verändern. Studierende, Lehrende, Forschende, Verwaltungsmitarbeitende, Besucher, Dienstleister und externe Partner müssen wissen, welche Bereiche zugänglich sind, welche Einschränkungen gelten, welche Services betroffen sind und an wen sie sich bei Fragen oder Problemen wenden können. Gute Kommunikation reduziert Beschwerden, verhindert Fehlverhalten und erhöht die Akzeptanz der Maßnahme. Sie ersetzt jedoch nicht die operative Steuerung. Informationen müssen korrekt, rechtzeitig, zielgruppengerecht und während der gesamten Sanierungsphase aktuell gehalten werden.

Kommunikationsthema

Erforderlicher Inhalt

Umfang der Arbeiten

Was saniert wird, warum die Maßnahme notwendig ist, welche Bereiche betroffen sind und welche Ziele verfolgt werden.

Zeitplan

Starttermine, Bauphasen, besonders störungsintensive Zeiträume, geplante Sperrungen und voraussichtliche Einschränkungen.

Zugangsanpassungen

Temporäre Eingänge, gesperrte Flure, Aufzugseinschränkungen, alternative Wege, Lieferzugänge und barrierefreie Routen.

Sicherheitsregeln

Gesperrte Bereiche, Verhalten in der Nähe von Bauzonen, Notwege, Brandschutzregeln und Meldewege bei Gefahrensituationen.

Serviceauswirkungen

Raumclosures, temporäre Verlagerungen, Unterbrechungen technischer Medien, Reinigungsänderungen und geänderte Öffnungszeiten.

Kontaktstellen

FM-Helpdesk, Projektkontakt, Notfallkontakt, Beschwerdeweg, Zuständigkeiten und erwartete Reaktionswege.

Die Kommunikation sollte über mehrere Kanäle erfolgen. Geeignete Kanäle sind Campusportale, E-Mail, digitale Anzeigen, Gebäudebeschilderung, lokale Aushänge, Informationen in Lernplattformen, Briefings für Fakultäten, Hinweise an Prüfungsämter und direkte Informationen an besonders betroffene Nutzergruppen. Besonders wichtig ist die Kommunikation vor Ort, weil viele Nutzer erst im Gebäude mit den Einschränkungen konfrontiert werden. Die Inhalte müssen konkret sein. Allgemeine Hinweise wie „Es kann zu Einschränkungen kommen“ reichen nicht aus. Nutzer benötigen belastbare Informationen: Welche Tür ist gesperrt? Welche Route ist offen? Wann wird es laut? Welche Räume sind betroffen? Wo befindet sich der Ersatzservice? Wen ruft man bei einem Problem an? Je konkreter die Informationen sind, desto geringer ist die operative Belastung für FM, Sicherheitsdienste und Nutzervertretungen. Für größere Sanierungen sollte eine Kommunikationsmatrix erstellt werden. Diese legt fest, welche Zielgruppe welche Information erhält, über welchen Kanal, zu welchem Zeitpunkt und durch welche verantwortliche Stelle. Zusätzlich sollte ein Verfahren für kurzfristige Änderungen bestehen. Wenn Bauabläufe angepasst, technische Abschaltungen verschoben oder Wege gesperrt werden, müssen die betroffenen Nutzer schnell informiert werden. Beschwerden und Rückmeldungen sind als Steuerungsinstrument zu nutzen. Wiederkehrende Beschwerden über Lärm, Staub, Wegeführung oder Informationsmängel zeigen, dass operative Maßnahmen überprüft werden müssen. Das Facility Management sollte diese Rückmeldungen erfassen, bewerten, priorisieren und in Projektbesprechungen einbringen.

Operativer Steuerungsrahmen

Ein operativer Steuerungsrahmen stellt sicher, dass die Sanierung nicht nur baulich, sondern auch betrieblich kontrolliert durchgeführt wird. Er verbindet Bauzeitenplanung, Gebäudebetrieb, Nutzeranforderungen, Sicherheitsmanagement, Kommunikationsplanung und Eskalationsverfahren. Für das Facility Management ist dieser Rahmen das zentrale Instrument, um Risiken früh zu erkennen und Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen.

Steuerungsbereich

FM-Leitfrage

Erwartetes Ergebnis

Interimsflächen

Werden betroffene Funktionen rechtzeitig und geeignet verlagert?

Interimsflächenplan und Umzugszeitplan.

Lärm und Staub

Sind Störungsgrenzen definiert, kommuniziert und überwacht?

Störungsschutzplan mit Zeitfenstern, Schutzmaßnahmen und Kontrollpunkten.

Sicherheit

Sind Nutzer und Auftragnehmer sicher voneinander getrennt?

Temporäres Sicherheitskonzept mit Wegeführung, Absperrungen und Notfallregelungen.

Prüfungen

Werden kritische akademische Termine geschützt?

Prüfungsschutzplan mit Sperrzeiten, Raumabsicherung und Backup-Lösungen.

Forschung

Werden kritische Forschungsprozesse geschützt?

Forschungskontinuitätsplan mit kritischen Räumen, Geräten, Medien und Eskalationswegen.

Kommunikation

Werden Nutzer vor und während Einschränkungen ausreichend informiert?

Kommunikationsmatrix mit Zielgruppen, Inhalten, Kanälen und Aktualisierungsrhythmus.

Eskalation

Werden Beschwerden, Störungen und Sicherheitsereignisse schnell bearbeitet?

Eskalations- und Reaktionsverfahren mit Zuständigkeiten, Prioritäten und Dokumentation.

Der Steuerungsrahmen sollte regelmäßige Abstimmungen vorsehen. In der Praxis sind wöchentliche oder phasenbezogene Baubesprechungen allein oft nicht ausreichend, weil operative Störungen kurzfristig auftreten können. Ergänzend sollten kurze FM-Lagebesprechungen, Nutzerabstimmungen, Sicherheitsbegehungen und technische Freigabetermine eingeplant werden. Für jede Bauphase sollten klare Freigabepunkte definiert werden. Dazu gehören die Freigabe von Sperrungen, die Prüfung temporärer Fluchtwege, die Aktivierung von Interimsflächen, die Bestätigung technischer Abschaltungen, die Kontrolle der Beschilderung, die Abstimmung mit Prüfungs- und Forschungsterminen sowie die Information der Nutzer. Erst wenn diese Punkte erfüllt sind, sollte eine Phase in einem belegten Gebäude beginnen. Auch die Dokumentation ist Teil der Steuerung. Entscheidungen, Einschränkungen, Beschwerden, Sicherheitsbegehungen, technische Abschaltungen, Nutzerinformationen und Abweichungen vom Bauablauf müssen nachvollziehbar festgehalten werden. Dadurch kann das Facility Management bei Rückfragen, Störungen oder Haftungsfragen belastbar nachweisen, welche Maßnahmen geplant, umgesetzt und kontrolliert wurden. Ein professionell geführter Steuerungsrahmen reduziert nicht jede Störung vollständig. Er sorgt jedoch dafür, dass Störungen vorhersehbar, begrenzt, kommuniziert und beherrschbar bleiben. Genau darin liegt der Kern des Facility Managements bei Sanierungen im laufenden Hochschulbetrieb: die bauliche Erneuerung zu ermöglichen, ohne den akademischen und betrieblichen Auftrag der Hochschule unnötig zu gefährden.