Fachkräftegewinnung und Arbeitgeberattraktivität
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Fachkräftegewinnung und Arbeitgeberattraktivität
Die Fachkräftegewinnung und Arbeitgeberattraktivität sind zentrale Handlungsfelder im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement einer Universität, weil Hochschulen zunehmend komplexe Gebäude, technische Anlagen, digitale Systeme, Nachhaltigkeitsprogramme, Sicherheitsprozesse, Dienstleistungsstrukturen und rechtliche Betreiberpflichten verantworten. Dafür werden qualifizierte Mitarbeitende benötigt, die nicht nur operative Aufgaben ausführen, sondern auch Verantwortung für Betriebssicherheit, Nutzungsqualität, Ressourcensteuerung und langfristige Betreiberfähigkeit übernehmen. Im Bereich Strategie, Steuerung und Betreiberverantwortung geht es deshalb nicht allein darum, offene Stellen zu besetzen, sondern die Leistungsfähigkeit des Gebäudemanagements dauerhaft zu sichern, kritisches Betreiberwissen in der Organisation zu halten, Abhängigkeiten von externen Dienstleistern gezielt zu steuern und das Gebäudemanagement als modernes, sinnstiftendes und entwicklungsorientiertes Berufsfeld zu positionieren.
Fachkräftegewinnung im universitären Facility Management
- Strategischer Zweck der Fachkräftegewinnung
- Moderne Rollenprofile
- Weiterbildung
- Digitalisierung
- Sinnorientierte Arbeit
- Flexible Arbeitsmodelle
- Nachwuchsentwicklung und Potenzialförderung
- Maßnahmen zur Arbeitgeberattraktivität
Strategischer Zweck der Fachkräftegewinnung
Eine starke Strategie zur Fachkräftegewinnung und Arbeitgeberattraktivität stellt sicher, dass die Universität die Menschen gewinnen, halten und entwickeln kann, die für einen sicheren, nachhaltigen, digitalen und dienstleistungsorientierten Hochschulbetrieb erforderlich sind.
Die strategische Zielsetzung besteht darin, den Personalbedarf nicht reaktiv, sondern vorausschauend zu steuern. Dazu gehören eine strukturierte Analyse kritischer Funktionen, klare Kompetenzprofile, ein realistisches Verständnis des Arbeitsmarktes und ein überzeugendes Arbeitgeberversprechen für bestehende und potenzielle Mitarbeitende.
| Ziel | Bedeutung |
|---|---|
| Kritische Vakanzen besetzen | Kritische Vakanzen in technischen, dienstleistungsbezogenen, datenorientierten und sicherheitsrelevanten Rollen müssen zügig besetzt werden, damit Betriebsabläufe, Sicherheitsstandards und Dienstleistungen nicht unterbrochen werden. |
| Um knappe Fachkräfte konkurrieren | Universitäten stehen im Wettbewerb mit privaten Unternehmen, öffentlichen Arbeitgebern und spezialisierten Dienstleistern. Eine klare Positionierung als attraktiver Arbeitgeber hilft, knappe Fachkräfte für technische Anlagen, Energie, Digitalisierung und Betreiberverantwortung zu gewinnen. |
| Betreiberwissen erhalten | Erfahrene Mitarbeitende verfügen über standortbezogenes Wissen zu Gebäuden, Anlagen, Verträgen, Nutzungsanforderungen und Betriebsrisiken. Dieses Wissen muss gehalten und systematisch weitergegeben werden, um die institutionelle Kontinuität zu sichern. |
| Modernisierung unterstützen | Die Modernisierung des Gebäude- und Liegenschaftsmanagements erfordert Mitarbeitende mit Kompetenzen in digitalem Gebäudebetrieb, Nachhaltigkeit, Energiesteuerung, Datenpflege, Gebäudeautomation und Prozesssteuerung. |
| Dienstleistungskultur stärken | Eine professionelle Organisation benötigt Mitarbeitende, die nicht nur technisch kompetent sind, sondern auch nutzungsorientiert, lösungsorientiert und kommunikativ handeln. |
| Künftige Führungskräfte entwickeln | Durch interne Entwicklungspfade entstehen zukünftige Objektverantwortliche, Teamleitungen, Projektleitungen und strategische Führungskräfte im Gebäudemanagement. Damit wird die Nachfolgeplanung abgesichert. |
Eine wirksame Strategie zur Fachkräftegewinnung sollte regelmäßig mit der Hochschulentwicklung, der Bau- und Immobilienstrategie, der Digitalisierungsagenda und den Nachhaltigkeitszielen abgestimmt werden. Nur so kann das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement sicherstellen, dass die richtigen Kompetenzen rechtzeitig aufgebaut werden.
Moderne Rollenprofile
Moderne Rollenprofile sind im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement einer Universität unverzichtbar, weil klassische Stellenbeschreibungen die heutige Komplexität des Hochschulbetriebs häufig nicht mehr ausreichend abbilden. Die Anforderungen gehen weit über reine Instandhaltung, Gebäudebetreuung oder Dienstleistungskoordination hinaus.
Aktuelle Rollen müssen technische Fachkompetenz, Nutzungsorientierung, digitale Kompetenz, Nachhaltigkeitsverständnis, Betreiberverantwortung und den professionellen Umgang mit Anspruchsgruppen miteinander verbinden. Gleichzeitig müssen sie für Bewerberinnen und Bewerber verständlich und attraktiv formuliert sein. Eine Stellenbeschreibung sollte daher nicht nur Pflichten aufzählen, sondern auch Sinn, Wirkung, Entwicklungsmöglichkeiten und organisatorische Einbindung der Rolle vermitteln.
Aktualisierte Rollengestaltung
Stellenprofile sollten klar beschreiben, welche Verantwortung eine Rolle trägt, welche Entscheidungsbefugnisse bestehen und welche Schnittstellen im Hochschulbetrieb relevant sind. Dazu gehören Kontakte zu Lehre, Forschung, Verwaltung, Arbeitssicherheit, Informationstechnik, Beschaffung, Bauprojekten, externen Dienstleistern sowie Gebäudenutzerinnen und Gebäudenutzern.
Ein modernes Rollenprofil sollte insbesondere folgende Inhalte enthalten
Die Aufgaben müssen präzise, realistisch und nach Priorität dargestellt werden. Bewerbende müssen erkennen können, ob der Schwerpunkt auf technischem Betrieb, Koordination, Datenpflege, Projektsteuerung, Nutzerkommunikation oder Betreiberpflichten liegt.
Die Entscheidungsbefugnisse sollten transparent sein. Dazu zählt, ob eine Position Maßnahmen freigeben, Dienstleister steuern, Prioritäten setzen, technische Bewertungen abgeben oder Eskalationen einleiten darf.
Die verwendeten digitalen Werkzeuge sollten benannt werden, zum Beispiel rechnergestützte Gebäudeverwaltungssysteme, mobile Instandhaltungslösungen, digitale Dokumentation, Übersichtsanzeigen, Gebäudeleittechnik oder Auswertungsplattformen.
Die Rolle sollte ihren Beitrag zum Hochschulbetrieb deutlich machen. Dazu gehören zuverlässige Räume, sichere Anlagen, funktionsfähige Labore, energieeffiziente Gebäude, transparente Prozesse und eine hohe Aufenthaltsqualität.
Auch Entwicklungsmöglichkeiten sollten integriert werden. Ein Rollenprofil wird attraktiver, wenn klar ist, welche Weiterbildung, Spezialisierung oder Führungsentwicklung möglich ist.
Strategische Rollenkategorien
Für ein zukunftsfähiges universitäres Gebäude- und Liegenschaftsmanagement sind unterschiedliche strategische Rollenkategorien erforderlich. Diese Kategorien helfen, Personalbedarf, Kompetenzentwicklung und Personalgewinnung gezielt zu planen.
Zu den relevanten Rollen gehören insbesondere technische Betriebsrollen für Gebäude, Anlagen und Infrastruktur. Sie sichern Verfügbarkeit, Wartung, Störungsbearbeitung und Betreiberpflichten.
Rollen im Energiemanagement steuern Verbrauchsdaten, Effizienzmaßnahmen, Überwachung, technische Optimierung und die Umsetzung von Energiezielen.
Nachhaltigkeitsmanagement im Gebäudebetrieb verbindet Ressourcensteuerung, Klimaschutz, Flächenqualität, biologische Vielfalt, Abfallkonzepte, Mobilitätsschnittstellen und nachhaltige Beschaffung.
Die Verwaltung von Gebäude- und Anlagendaten sichert die Qualität digitaler Gebäudedaten, Anlageninformationen, Wartungspläne, Flächeninformationen, Störungsmeldungen, Dokumentationen und Berichte.
Rollen im Flächenmanagement unterstützen eine bedarfsgerechte, transparente und strategische Nutzung von Räumen, Arbeitsplätzen, Lehrflächen, Laborflächen und Sonderflächen.
Beschaffungs- und Vertragsmanagement ist erforderlich, um Dienstleister professionell zu steuern, Leistungen zu definieren, vereinbarte Leistungsstandards zu überwachen, Kosten zu kontrollieren und Vertragsrisiken zu reduzieren.
Rollen im Bereich Betreiberverantwortung stellen sicher, dass Prüfpflichten, Dokumentationen, Verantwortlichkeiten, Eskalationswege und Sicherheitsanforderungen nachvollziehbar organisiert sind.
Rollen im Dienstleistungsmanagement bündeln Nutzerkommunikation, Dienstleistungsqualität, Umgang mit Beschwerden, Prozesskoordination und kontinuierliche Verbesserung.
Rollen im Projektmanagement unterstützen bauliche, technische, organisatorische und digitale Veränderungsprojekte im Hochschulbetrieb.
Arbeitgeberversprechen
Das Rollenprofil sollte deutlich kommunizieren, dass universitäres Gebäude- und Liegenschaftsmanagement mehr ist als Gebäudebetrieb. Es ermöglicht Bildung, Forschung, Innovation, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Aufenthaltsqualität.
Die Arbeitgeberbotschaft sollte zeigen, dass Mitarbeitende im Gebäudemanagement eine direkte Wirkung auf den Alltag von Studierenden, Forschenden, Lehrenden, Verwaltungsmitarbeitenden und Gästen haben. Jeder funktionierende Hörsaal, jede sichere Laborumgebung, jedes energieeffiziente Gebäude und jeder gut organisierte Dienstleistungsprozess trägt zur Leistungsfähigkeit der Hochschule bei.
Ein starkes Arbeitgeberversprechen macht deutlich: Wer im universitären Gebäude- und Liegenschaftsmanagement arbeitet, übernimmt Verantwortung für eine komplexe öffentliche Infrastruktur und leistet einen sichtbaren Beitrag zu Wissenschaft, gesellschaftlicher Entwicklung und nachhaltigem Betrieb.
Weiterbildung
Weiterbildung ist ein wesentlicher Faktor der Arbeitgeberattraktivität. Qualifizierte Mitarbeitende bleiben eher in einer Organisation, wenn sie fachlich wachsen, neue Kompetenzen entwickeln und klare Perspektiven für ihre berufliche Weiterentwicklung erkennen.
Im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement ist Weiterbildung nicht nur ein Instrument zur Personalbindung, sondern auch ein Steuerungsinstrument für Qualität, Sicherheit und Betreiberverantwortung. Da Gebäude, Anlagen, digitale Systeme und rechtliche Anforderungen komplexer werden, muss Kompetenzentwicklung systematisch geplant werden.
| Weiterbildungsbereich | Bedeutung für Personalgewinnung und Personalbindung |
|---|---|
| Technische Systeme | Schulungen zu technischen Anlagen, Gebäudeautomation, Laborinfrastruktur, Energieanlagen, Sicherheitsanlagen und Instandhaltungsprozessen erhöhen die Handlungssicherheit der Mitarbeitenden und unterstützen ihre fachliche Entwicklung. |
| Betreiberverantwortung | Weiterbildung zur Betreiberverantwortung stärkt das Verständnis für Pflichten, Zuständigkeiten, Dokumentation, Prüfprozesse, Eskalation und Entscheidungsverantwortung. |
| Arbeitsschutz | Qualifizierungen im Arbeitsschutz schützen Mitarbeitende, verbessern Betriebsstandards und fördern eine professionelle Sicherheitskultur. |
| Digitale Werkzeuge | Schulungen zu rechnergestützter Gebäudeverwaltung, mobiler Instandhaltung, digitalen Arbeitsabläufen, Datenqualität, Übersichtsanzeigen und Auswertungssystemen machen Rollen moderner und effizienter. |
| Energie und Nachhaltigkeit | Kompetenzen in Energieeffizienz, Verbrauchsüberwachung, Klimaschutz, Ressourcenschonung und nachhaltigem Gebäudebetrieb verbinden die Arbeit im Gebäudemanagement mit zukunftsorientierten Hochschulzielen. |
| Projektmanagement | Kompetenzen im Projektmanagement bereiten Mitarbeitende auf Veränderungsaufgaben, Bau- und Technikprojekte, Prozessverbesserungen und bereichsübergreifende Koordination vor. |
| Dienstleistersteuerung | Qualifizierung in Dienstleistersteuerung, Leistungsbeschreibung, Vertragskontrolle, Überwachung vereinbarter Leistungsstandards und Abnahmeprozessen stärkt kaufmännische und steuerungsbezogene Kompetenzen. |
Ein professionelles Weiterbildungskonzept sollte rollenbasiert aufgebaut sein. Neue Mitarbeitende benötigen eine strukturierte Grundqualifizierung, erfahrene Fachkräfte benötigen Spezialisierung, und potenzielle Führungskräfte benötigen Entwicklung in Kommunikation, Steuerung, Konfliktmanagement und strategischer Planung.
Weiterbildung sollte außerdem mit Jahresgesprächen, Kompetenzmatrizen, Nachfolgeplanung und Projektzuweisungen verbunden werden. So wird sie nicht als isolierte Maßnahme verstanden, sondern als fester Bestandteil der Organisation im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement.
Digitalisierung
Digitalisierung verbessert die Arbeitgeberattraktivität, wenn sie Mitarbeitende wirksam entlastet, Prozesse vereinfacht, Transparenz schafft und moderne Arbeitsweisen ermöglicht. Im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement darf Digitalisierung nicht als Zusatzbelastung wahrgenommen werden, sondern muss konkrete betriebliche Vorteile erzeugen.
Digitale Werkzeuge unterstützen die sichere Organisation von Wartungen, Prüfungen, Störungen, Flächen, Dokumenten, Energieverbräuchen, Verträgen, Dienstleistungsanfragen und Entscheidungsgrundlagen. Sie erhöhen die Professionalität der Rollen im Gebäudemanagement und verbessern die Zusammenarbeit zwischen technischen Teams, Verwaltung, Nutzenden und externen Dienstleistern.
Digitale Arbeitsumgebung
Ein moderner Ansatz für die digitale Arbeitsumgebung umfasst rechnergestützte Gebäudeverwaltungssysteme, mobile Instandhaltung, digitale Dokumentation, Übersichtsanzeigen, Fernüberwachung, digitale Gebäudedaten und automatisierte Arbeitsabläufe.
Rechnergestützte Gebäudeverwaltungssysteme schaffen eine zentrale Datenbasis für Gebäude, Anlagen, Räume, Wartungen, Störungsmeldungen, Verträge und Dokumente. Dadurch werden Informationen nachvollziehbarer, schneller verfügbar und besser auswertbar.
Mobile Instandhaltung ermöglicht es technischen Mitarbeitenden, Aufträge, Prüflisten, Fotos, Rückmeldungen und Dokumentationen direkt vor Ort zu bearbeiten. Dies reduziert Medienbrüche und verbessert die Datenqualität.
Digitale Dokumentation unterstützt den Nachweis von Prüfungen, Wartungen, Störungsbehebungen, Begehungen und Maßnahmen. Sie ist besonders wichtig für Betreiberverantwortung und interne Transparenz.
Übersichtsanzeigen und Überwachungssysteme machen Kennzahlen sichtbar, zum Beispiel offene Störungen, Reaktionszeiten, Energieverbräuche, Anlagenzustände, Flächennutzung oder Dienstleistungsqualität.
Fernüberwachung und Gebäudeautomation helfen, technische Zustände frühzeitig zu erkennen, Betriebsdaten auszuwerten und vorbeugende Maßnahmen einzuleiten.
Automatisierte Arbeitsabläufe reduzieren manuelle Abstimmungen, machen klare Verantwortlichkeiten sichtbarer und ermöglichen eine standardisierte Nachverfolgung von Aufgaben.
Wirkung auf die Personalgewinnung
Digitale Rollen im Gebäudemanagement können Bewerberinnen und Bewerber ansprechen, die sich für Technik, Daten, Automatisierung, Energieoptimierung, intelligente Hochschulstandortentwicklung und Prozessverbesserung interessieren.
Ein digital ausgerichtetes Gebäude- und Liegenschaftsmanagement zeigt, dass die Universität moderne Arbeitsbedingungen bietet und nicht ausschließlich traditionell verwaltet. Dies ist besonders wichtig für jüngere Fachkräfte, technische Spezialistinnen und Spezialisten, datenorientierte Berufsprofile und Mitarbeitende mit Interesse an Innovation.
Die Wirkung in der Personalgewinnung entsteht vor allem dann, wenn digitale Kompetenzen in Stellenanzeigen konkret benannt werden. Dazu gehören nicht nur Softwarekenntnisse, sondern auch Prozessverständnis, Datenqualität, Analysefähigkeit, Schnittstellenkompetenz und die Bereitschaft, Arbeitsabläufe aktiv weiterzuentwickeln.
Wirkung auf die Personalbindung
Digitalisierung verbessert die Bindung von Mitarbeitenden, wenn sie Frustration reduziert. Häufig entstehen Belastungen durch doppelte Datenerfassung, unklare Informationsstände, papierbasierte Prozesse, fehlende Dokumente, ineffiziente Kommunikation oder lange Abstimmungswege.
Wenn digitale Systeme richtig eingeführt und gepflegt werden, entsteht eine verlässlichere Arbeitsumgebung. Mitarbeitende können Aufträge besser priorisieren, Informationen schneller finden, Leistungen nachvollziehbar dokumentieren und Entscheidungen auf Basis belastbarer Daten treffen.
Wichtig ist, dass Digitalisierung mit Schulung, Prozessklärung und Beteiligung der Mitarbeitenden verbunden wird. Nur wenn die Anwenderinnen und Anwender die Systeme verstehen und deren Nutzen erkennen, wird Digitalisierung als Verbesserung und nicht als Kontrolle wahrgenommen.
Sinnorientierte Arbeit
Sinnorientierte Arbeit ist ein wesentlicher Vorteil von Universitäten als Arbeitgeber. Mitarbeitende im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement können eine direkte Verbindung zwischen ihrer Arbeit und dem Erfolg von Lehre, Forschung, Nachhaltigkeit, Inklusion, Sicherheit und studentischem Leben erkennen. Im Gegensatz zu vielen rein kommerziellen Arbeitsumgebungen ist der Zweck der Arbeit an einer Universität klar sichtbar. Ein gut funktionierendes Gebäude unterstützt Vorlesungen, Forschungsvorhaben, Prüfungen, Laborarbeiten, Veranstaltungen, Beratung, Begegnung und akademische Zusammenarbeit.
| Sinndimension | Bedeutung für das Gebäudemanagement |
|---|---|
| Bildung ermöglichen | Verlässliche Räume, funktionsfähige Medientechnik, saubere Flächen, angemessene Raumtemperaturen, sichere Wege und stabile Infrastruktur unterstützen Studierende und Lehrende im täglichen Hochschulbetrieb. |
| Forschung unterstützen | Der technische Betrieb schützt Labore, Forschungsgeräte, Experimente, Reinräume, Kühlung, Versorgungssysteme und wissenschaftliche Infrastruktur. |
| Nachhaltigkeit fördern | Energiemanagement, Verringerung von Kohlendioxidausstoß, Ressourcenschonung, Abfallkonzepte, Flächeneffizienz und Hochschulstandortökologie schaffen einen sichtbaren Beitrag zu nachhaltiger Hochschulentwicklung. |
| Sicherheit gewährleisten | Das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement schützt täglich eine große Zahl von Nutzerinnen und Nutzern durch sichere Gebäude, geprüfte Anlagen, funktionierende Notfallprozesse, klare Verkehrswege und zuverlässige technische Infrastruktur. |
| Teilhabe ermöglichen | Barrierefreie Gebäude, zugängliche Dienstleistungen, klare Wegeführung, inklusive Raumkonzepte und nutzungsorientierte Unterstützung ermöglichen gleichberechtigte Teilhabe. |
| Öffentlichen Nutzen schaffen | Universitäres Gebäude- und Liegenschaftsmanagement trägt zur gesellschaftlichen Wirkung der Hochschule bei, indem es Bildung, Forschung und öffentliche Zusammenarbeit durch eine funktionsfähige Infrastruktur ermöglicht. |
Die sinnorientierte Wirkung sollte in Personalgewinnung, Einarbeitung, interner Kommunikation und Führung aktiv genutzt werden. Mitarbeitende sollten nicht nur erfahren, welche Aufgaben sie ausführen, sondern auch, warum diese Aufgaben für die Hochschule wichtig sind.
Führungskräfte im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement sollten regelmäßig sichtbar machen, wie technische Maßnahmen, Dienstleistungsverbesserungen, Energieprojekte oder Sicherheitsprozesse zum Hochschulauftrag beitragen. Das stärkt Identifikation, Motivation und Verantwortungsbewusstsein.
Flexible Arbeitsmodelle
Flexible Arbeitsmodelle sind wichtig, um qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten. Im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement müssen sie jedoch an die operative Realität angepasst werden. Nicht alle Aufgaben können ortsunabhängig ausgeführt werden, da viele Funktionen eine physische Präsenz am Hochschulstandort erfordern.
Flexibilität sollte deshalb rollenspezifisch, transparent und betriebssicher gestaltet werden. Ziel ist es, moderne Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, ohne Reaktionsfähigkeit, Betreiberpflichten, Sicherheit oder Dienstleistungsqualität zu beeinträchtigen.
Rollenspezifische Flexibilität
Administrative, planerische, beschaffungsbezogene, datenorientierte, berichtsbezogene und projektbezogene Rollen können in vielen Fällen kombinierte Arbeitsformen nutzen. Dazu gehören zum Beispiel Vertragsbearbeitung, Berichtswesen, Datenpflege in Gebäudeverwaltungssystemen, Energieauswertungen, Konzeptarbeit, Ausschreibungsvorbereitung oder Projektkoordination.
Technische Betriebsrollen, Dienstleistungskoordination, Kontrollgänge, Inspektionen, Störungsbearbeitung, Veranstaltungsunterstützung und Bereitschaftsfunktionen benötigen eine stärkere Präsenz am Hochschulstandort. Dennoch können auch diese Rollen von Flexibilität profitieren.
Mögliche flexible Elemente für präsenzgebundene Rollen sind planbare Schichtmodelle, verlässliche Dienstpläne, flexible Start- und Endzeiten, Ausgleichszeiten, digitale Einsatzplanung, mobile Dokumentation, klare Vertretungsregelungen und fair geregelte Bereitschaftsdienste.
Entscheidend ist, Flexibilität nicht einheitlich für alle Rollen gleich zu definieren, sondern nach Aufgabenart, Dienstleistungsanforderung, Sicherheitsrelevanz und Teamstruktur.
Gerechtigkeit und Transparenz
Regeln für flexible Arbeit müssen transparent sein, damit Mitarbeitende mit Präsenzpflicht flexible Möglichkeiten in Büro- oder Planungsrollen nicht als ungerecht empfinden.
Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass alle Mitarbeitenden exakt dieselbe Form von Flexibilität erhalten. Gerechtigkeit bedeutet, dass alle Rollen angemessene und nachvollziehbare Gestaltungsspielräume bekommen, soweit dies betrieblich möglich ist.
Für stark präsenzgebundene Rollen können alternative Vorteile wichtig sein. Dazu gehören verlässliche Schichtplanung, Zeitausgleich, hochwertige Arbeitskleidung, moderne Werkzeuge, ergonomische Ausstattung, Weiterbildung, klare Prioritäten, realistische Arbeitslastplanung und Anerkennung der operativen Verantwortung.
Führungskräfte sollten die Kriterien für flexible Arbeitsmodelle offen erklären. Dazu zählen Betriebssicherheit, Dienstleistungszeiten, Bereitschaft, gesetzliche oder interne Prüfpflichten, Teamabdeckung und Nutzungsanforderungen.
Betriebliche Sicherungen
Flexible Arbeitsmodelle dürfen die betriebliche Leistungsfähigkeit nicht reduzieren. Die Universität muss jederzeit sicherstellen, dass Störungen bearbeitet, sicherheitsrelevante Prüfungen durchgeführt, Notfälle unterstützt, Dienstleister koordiniert und Dienstleistungsanforderungen erfüllt werden.
Dazu sind klare Mindestbesetzungen, Vertretungsregelungen, Eskalationswege, Reaktionszeiten, digitale Erreichbarkeit und dokumentierte Zuständigkeiten erforderlich.
Bei kombinierten Arbeitsformen sollte geregelt sein, welche Aufgaben ortsunabhängig ausgeführt werden können und welche Präsenztermine verpflichtend sind. Dazu gehören zum Beispiel Begehungen, Abstimmungen mit Nutzenden, Abnahmen, Dienstleistergespräche, technische Prüfungen oder Projekttermine vor Ort.
Flexible Arbeitsmodelle sollten regelmäßig überprüft werden. Kennzahlen wie Reaktionszeiten, Störungsbearbeitung, Nutzerzufriedenheit, Arbeitslast, Teamkommunikation und Dokumentationsqualität können zeigen, ob die Modelle betrieblich funktionieren.
Nachwuchsentwicklung und Potenzialförderung
Nachwuchsentwicklung und Potenzialförderung sind erforderlich, weil Universitäten zukünftige Fachkräfte, Koordinatorinnen und Koordinatoren, Projektleitungen, Objektverantwortliche und Führungskräfte im Gebäudemanagement benötigen. Sie sollten eng mit Nachfolgeplanung, Kompetenzprofilen und strategischer Personalplanung verbunden sein.
Professionelle Potenzialförderung beginnt nicht erst bei Führungspositionen. Sie umfasst Einstiegswege, Ausbildung, Nachwuchsentwicklungsprogramme, interne Karrierepfade, Wissenstransfer, Fachspezialisierung und Führungskräfteentwicklung. Damit wird das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement widerstandsfähiger gegenüber dem demografischen Wandel, Arbeitsmarktengpässen und Wissensverlust.
| Element der Potenzialförderung | Inhalt |
|---|---|
| Ausbildung und Einstiegswege | Ausbildungsplätze, Praktika, Tätigkeiten für Studierende, Quereinstiegsmodelle und strukturierte Einstiegsprogramme bauen frühzeitig Nachwuchs für technische, dienstleistungsbezogene und administrative Rollen auf. |
| Programme für Absolventinnen und Absolventen | Programme für Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen gewinnen junge Fachkräfte für Gebäudemanagement, Energiemanagement, Nachhaltigkeit, Datenmanagement, Projektsteuerung und Betreiberverantwortung. |
| Interne Karrierewege | Interne Karrierewege ermöglichen den Wechsel von technischen Aufgaben in Koordination, Projektarbeit, Objektmanagement, Teamleitung oder strategische Funktionen. |
| Begleitung durch erfahrene Fachkräfte | Eine strukturierte Begleitung stellt sicher, dass Erfahrungswissen von langjährigen Mitarbeitenden an neue oder jüngere Kolleginnen und Kollegen weitergegeben wird. |
| Fachliche Spezialisierung | Spezialisierung baut vertiefte Kompetenz in digitaler Gebäudeverwaltung, Energiemanagement, Betreiberverantwortung, Gebäudeautomation, Flächenmanagement, Vertragssteuerung und Sicherheitsprozessen auf. |
| Führungskräfteentwicklung | Führungskräfteentwicklung bereitet Nachfolgerinnen und Nachfolger auf Objektverantwortung, Teamführung, Budgetverantwortung, Dienstleistersteuerung, Kommunikation und strategisches Gebäudemanagement vor. |
Nachwuchsentwicklung und Potenzialförderung sollten auf klaren Kompetenzprofilen basieren. Für jede zentrale Rolle sollte definiert sein, welche fachlichen, digitalen, methodischen und sozialen Kompetenzen erforderlich sind. Auf dieser Grundlage können Entwicklungspläne erstellt und Weiterbildungen gezielt ausgewählt werden.
Besonders wichtig ist die Verbindung von Entwicklung und praktischer Verantwortung. Mitarbeitende sollten die Möglichkeit erhalten, Projekte zu übernehmen, Dienstleistergespräche zu begleiten, Kennzahlen auszuwerten, Prozessverbesserungen umzusetzen oder Teilaufgaben in größeren Maßnahmen zu verantworten.
So entsteht eine lernende Organisation im Gebäude- und Liegenschaftsmanagement, in der Wissen nicht zufällig weitergegeben wird, sondern systematisch aufgebaut, gesichert und genutzt wird.
Maßnahmen zur Arbeitgeberattraktivität
Universitäres Gebäude- und Liegenschaftsmanagement sollte ein klares Arbeitgeberversprechen kommunizieren. Dieses Versprechen sollte sinnvolle Arbeit, sichere Beschäftigung, fachliche Entwicklung, moderne Arbeitsmittel, technische Vielfalt, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie den Beitrag zum Hochschulauftrag umfassen.
Arbeitgeberattraktivität entsteht nicht nur durch Kommunikation nach außen. Sie muss im Arbeitsalltag erlebbar sein. Bewerberinnen und Bewerber sowie bestehende Mitarbeitende achten darauf, ob Rollen klar beschrieben sind, Prozesse funktionieren, Führung verlässlich ist, Arbeitsmittel angemessen sind und Entwicklung tatsächlich ermöglicht wird.
| Maßnahme | Bedeutung |
|---|---|
| Klare Rollenprofile | Klare Rollenprofile helfen Bewerberinnen und Bewerbern, Erwartungen, Verantwortlichkeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und den Beitrag der Position zum Hochschulbetrieb zu verstehen. |
| Wettbewerbsfähiges Entwicklungspaket | Ein attraktives Entwicklungspaket mit Weiterbildung, Stabilität, sinnorientierter Arbeit, Karriereperspektiven und planbaren Arbeitsbedingungen kann Gehaltsunterschiede zum privaten Markt teilweise ausgleichen. |
| Moderne Ausstattung | Moderne Arbeitsmittel, digitale Werkzeuge, mobile Geräte, sichere Arbeitskleidung und verlässliche technische Ausstattung signalisieren Professionalität und reduzieren operative Frustration. |
| Sichtbare Wirkung des Gebäudemanagements | Die sichtbare Darstellung des Beitrags zu Lehre, Forschung, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Aufenthaltsqualität stärkt Identifikation und Arbeitgeberimage. |
| Strukturierte Einarbeitung | Eine strukturierte Einarbeitung verbessert die frühe Bindung, schafft Rollensicherheit und führt neue Mitarbeitende schneller in Prozesse, Systeme, Teams und Verantwortlichkeiten ein. |
| Karrierewege | Transparente Karrierewege reduzieren Fluktuation, weil Mitarbeitende langfristige Perspektiven innerhalb der Organisation erkennen. |
| Wertschätzende und inklusive Kultur | Eine inklusive Kultur unterstützt vielfältige Personalgewinnung, stabile Teams, gegenseitigen Respekt und professionelle Zusammenarbeit über Berufsgruppen hinweg. |
Arbeitgeberattraktivität sollte regelmäßig überprüft werden. Geeignete Instrumente sind Mitarbeitendengespräche, Austrittsanalysen, Bewerberrückmeldungen, Rückmeldungen zur Einarbeitung, interne Befragungen, Kennzahlen zur Fluktuation und die Analyse schwer besetzbarer Rollen.
Für das universitäre Gebäude- und Liegenschaftsmanagement ist es entscheidend, Arbeitgeberattraktivität als strategische Führungsaufgabe zu verstehen. Sie betrifft Personalgewinnung, Organisationskultur, Prozessqualität, Ausstattung, Digitalisierung, Weiterbildung und Kommunikation gleichermaßen.
Eine Universität, die ihr Gebäude- und Liegenschaftsmanagement als professionelles, modernes und sinnstiftendes Arbeitsfeld positioniert, gewinnt nicht nur leichter Fachkräfte. Sie stärkt auch ihre eigene Betreiberfähigkeit, verbessert die Dienstleistungsqualität und sichert langfristig einen leistungsfähigen Hochschulbetrieb.
