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Forschungskritische Betriebskontinuität

Facility Management: Hochschulen » Strategie » Notfall-, Krisen- & Resilienzorganisation » Forschungskritische Betriebskontinuität

Forschungskritische Betriebskontinuität im Hochschul- und Forschungsbetrieb

Forschungskritische betriebliche Kontinuität

Forschungskritische betriebliche Kontinuität im universitären Facility Management stellt sicher, dass Gebäudedienstleistungen, technische Infrastruktur und organisatorische Abläufe wissenschaftliche Aktivitäten zuverlässig schützen, da bereits kurze Unterbrechungen erhebliche Folgen haben können: Temperaturabweichungen, Kontaminationen, instabile Umgebungsbedingungen, verzögerte Reaktionen, Ausfälle von Versorgungsmedien oder fehlende Zugangsmöglichkeiten können Proben zerstören, Versuchsergebnisse verfälschen, ethische Verpflichtungen verletzen oder erhebliche finanzielle Schäden verursachen. Besonders relevant ist dieses Thema für Tiefkühlanlagen, Kryolager, Tierhaltungsbereiche, Reinräume, Langzeitexperimente, Serverräume, Laborversorgung, Forschungslogistik und Notstromversorgung, da diese Bereiche häufig unersetzliche Proben, regulierte Prozesse, hochwertige Geräte, sensible Forschungsdaten und extern finanzierte Projekte enthalten. Das Facility Management muss daher nicht nur den allgemeinen Gebäudebetrieb sicherstellen, sondern die spezifischen Abhängigkeiten der Forschung verstehen, bewerten, dokumentieren und in Notfall- und Betriebsprozesse integrieren.

Forschung sichern, Betriebsabläufe stabil organisieren

Schutz des wissenschaftlichen Werts

Die Sicherung der Forschungskontinuität schützt wissenschaftliche Ergebnisse, Datensätze, Proben, Experimente, Geräte und drittmittelfinanzierte Vorhaben. In vielen Fällen kann ein technischer Ausfall nicht einfach durch Reparatur oder Wiederholung kompensiert werden. Ein unterbrochener Langzeitversuch, eine aufgetaute Probenbank oder eine nicht dokumentierte Umgebungsabweichung kann Jahre wissenschaftlicher Arbeit entwerten.

Facility Management muss deshalb den wissenschaftlichen Wert der betroffenen Bereiche in die technische Priorisierung einbeziehen. Kritische Anlagen dürfen nicht allein nach Gebäudefläche, Nutzerzahl oder Kosten betrachtet werden. Entscheidend ist, welche Folgen ein Ausfall für Forschung, Compliance, Reputation, Finanzierung und institutionelle Verantwortung hätte.

Aus FM-Sicht sind insbesondere folgende Werte zu schützen:

  • unersetzliche biologische, medizinische, chemische oder historische Proben;

  • laufende Experimente mit engen Toleranzgrenzen;

  • Forschungsdaten, Messreihen und Simulationsdaten;

  • regulierte Studien, genehmigungspflichtige Verfahren und ethisch relevante Prozesse;

  • hochwertige Laborgeräte, Server, Messsysteme und Spezialanlagen;

  • vertragliche Verpflichtungen aus Drittmittelprojekten und Kooperationen;

  • die Reputation der Universität als verlässliche Forschungsinstitution.

Daraus ergeben sich klare Prioritäten für Wartung, Alarmierung, Störungsreaktion, Ersatzversorgung und Investitionsplanung.

Verbindung von FM mit Forschungsprioritäten

Hub-and-Spoke-Diagramm mit einem zentralen Kritikalitätsregister, das Informationen von Stakeholdern empfängt und zur Planung von Maßnahmen durch das FM dient.

Das Facility Management muss verstehen, welche Räume, Anlagen und Systeme für die Forschung kritisch sind. Dieses Verständnis entsteht nicht allein aus technischen Bestandslisten. Es erfordert eine aktive Abstimmung mit Principal Investigators, Laborleitungen, Tierhausleitungen, Reinraumverantwortlichen, IT, Arbeitssicherheit, Brandschutz, Beschaffung und Universitätsleitung. Regelmäßige Kritikalitätsgespräche sind ein wirksames Instrument. Dabei werden Forschungsvorhaben, technische Abhängigkeiten, Toleranzgrenzen, Ausfallfolgen und Notfallkontakte systematisch erfasst. FM sollte diese Informationen in einem aktuellen Kritikalitätsregister abbilden und mit Wartungsplanung, Bauprojekten, Störungsmanagement und Notfallorganisation verknüpfen.

Beteiligte Funktion

Beitrag zur Forschungskontinuität

FM-relevante Informationen

Forschende und Projektleitungen

Benennung kritischer Experimente und Proben

Toleranzgrenzen, Prioritäten, Notfallkontakte

Laborleitungen

Betriebsanforderungen und Sicherheitsvorgaben

Medienbedarf, Zugang, geplante Einschränkungen

Tierhausleitung und Veterinärdienst

Bewertung von Tierwohl und Haltungsbedingungen

Mindestbedingungen, Verlegungsentscheidungen

Reinraumverantwortliche

Freigabe, Sperrung und Requalifizierung

Klassifizierungsanforderungen, Druck- und Partikelgrenzen

IT

Schutz von Forschungsdaten und Serverinfrastruktur

Kühlbedarf, USV, Shutdown-Regeln, Zugang

Arbeitssicherheit und Brandschutz

Sicherer Notfallbetrieb

Zutrittsregeln, Gefahrenbereiche, Evakuierung

Beschaffung und Lieferantenmanagement

Versorgung mit kritischen Materialien

Mindestbestände, Lieferzeiten, Ersatzanbieter

Universitätsleitung

Priorisierung und Eskalation

strategische Entscheidungen, Ressourcenfreigabe

So wird verhindert, dass notwendige technische Arbeiten unbeabsichtigt Experimente gefährden oder kritische Abhängigkeiten übersehen werden.

Unterstützung von Compliance und institutioneller Verantwortung

Forschungskritische Betriebskontinuität ist eng verbunden mit Tierschutz, Laborsicherheit, Datenschutz, Umweltkontrollen, Betreiberverantwortung, Förderbedingungen und internen Governance-Anforderungen. Die FM-Organisation muss nachweisen können, dass vorhersehbare Risiken erkannt, bewertet, priorisiert und angemessen beherrscht wurden.

Dazu gehören:

  • dokumentierte Risikoanalysen;

  • aktuelle Kritikalitätsregister;

  • klare Zuständigkeiten und Vertretungsregelungen;

  • nachvollziehbare Alarm- und Eskalationsketten;

  • geprüfte Notfallpläne;

  • Wartungs-, Prüf- und Testnachweise;

  • dokumentierte Störungsbearbeitung;

  • nachvollziehbare Entscheidungen bei Notfällen und Wiederfreigaben.

Bei Audits, Zwischenfällen oder externen Prüfungen muss ersichtlich sein, welche kritischen Bereiche identifiziert wurden, welche Schutzmaßnahmen bestehen und wie Entscheidungen im Notfall getroffen werden. Forschungskontinuität ist damit nicht nur eine technische Aufgabe, sondern ein Bestandteil der institutionellen Sorgfaltspflicht.

Kritikalität der Tiefkühlung

Ultratiefkühlschränke, Kühlräume, Kryolager und Probenrepositorien können biologische, medizinische, chemische oder langfristig gesammelte Forschungsmaterialien enthalten. Diese Proben besitzen oft einen hohen wissenschaftlichen, ethischen und finanziellen Wert. Viele Proben sind nicht ersetzbar, weil sie aus abgeschlossenen Studien, seltenen Ereignissen, klinischen Kooperationen oder langjährigen Forschungsprogrammen stammen.

Ein Ausfall der Kälteversorgung kann innerhalb kurzer Zeit irreversible Schäden verursachen. Das Facility Management muss daher alle kritischen Kälteanlagen erfassen, ihre Abhängigkeiten bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen definieren.

Kälte- oder Lagerbereich

Typisches Risiko

Erforderliche FM-Maßnahme

Ultratiefkühlschränke

Temperaturanstieg, Stromausfall, Türalarm

Temperaturmonitoring, Notstromprüfung, Ersatzgeräte

Kühlräume

Ausfall der Kälteanlage, defekte Türdichtung, Sensorfehler

Wartung, Alarmierung, Zugangskontrolle, Notfallreparatur

Kryolager

Ausfall der Flüssigstickstoffversorgung, Füllstandsverlust

Füllstandsüberwachung, Lieferantenkontakt, Ersatzversorgung

Probenrepositorien

Verlust großer Probenmengen

Priorisierungsplan, Ersatzlagerung, dokumentierter Probentransfer

Mobile Probenlagerung

Verzögerte Transporte, unzureichende Temperaturführung

Transportbehälter, Trockeneis, klare Übergaberegeln

Überwachung und Alarmmanagement

Kritische Tiefkühl- und Kältelagerbereiche benötigen eine zuverlässige Überwachung mit definierten Alarmgrenzen, Eskalationsstufen und Notfallkontakten. Alarme dürfen nicht ausschließlich lokal am Gerät oder im Labor angezeigt werden. Sie müssen außerhalb der regulären Arbeitszeiten verantwortliche Personen erreichen, damit rechtzeitig gehandelt werden kann.

Alarmstufe

Beispielhafte Auslösung

Erwartete Reaktion

Voralarm

Temperatur nähert sich Grenzwert, Tür länger offen

Prüfung durch Labor oder FM, Ursachenklärung

Kritischer Alarm

Temperaturgrenze überschritten, Kälteanlage gestört

Sofortige Eskalation an FM, Laborverantwortliche und Bereitschaft

Notfallalarm

Probenverlust droht, Stromversorgung unterbrochen

Aktivierung des Notfallplans, Probentransfer oder Ersatzversorgung

Wiederholungsalarm

Alarm wiederholt sich nach Quittierung

Ursachenanalyse, technische Prüfung, Dokumentation

FM sollte regelmäßig prüfen, ob Sensoren korrekt funktionieren, Alarmweiterleitungen aktiv sind, Kontaktlisten aktuell sind und Vertretungen hinterlegt wurden. Besonders wichtig ist, dass Alarme nicht durch organisatorische Lücken verloren gehen, etwa durch geänderte Rufnummern, ausgeschiedene Mitarbeitende oder nicht besetzte E-Mail-Postfächer.

Ersatzlagerung und Notfalltransfer

Der Kontinuitätsplan muss freie Ersatzkapazitäten, Trockeneisversorgung, Flüssigstickstoffversorgung, interne Transportwege, Zugangsberechtigungen und Prioritätsregeln für den Probentransfer festlegen. Nicht jede Probe hat denselben Schutzbedarf. Deshalb sollten Forschungseinheiten vorab definieren, welche Materialien im Notfall zuerst gesichert werden müssen.

Für den Notfalltransfer sollten mindestens folgende Punkte geregelt sein:

  • welche Proben zuerst zu sichern sind;

  • welche Ersatzlagerflächen verfügbar sind;

  • wer Proben bewegen darf;

  • wer den Transfer freigibt;

  • welche Transportmittel und Behälter zu verwenden sind;

  • wie Temperatur und Zeit während des Transfers dokumentiert werden;

  • wie die Probenkette nachvollziehbar bleibt;

  • wie Zugang zu Laboren, Kühlräumen und Ersatzlagerflächen sichergestellt wird.

Bei sensiblen, regulierten oder vertraulichen Proben ist eine nachvollziehbare Probenkette wichtig. FM sollte den technischen Transport ermöglichen, die notwendige Infrastruktur bereitstellen und die Zugangssituation sichern. Die wissenschaftliche Verantwortung für Inhalt, Kennzeichnung und Priorisierung der Proben verbleibt jedoch bei den zuständigen Forschungseinheiten.

Abhängigkeit von Notstrom

Flussdiagramm zum Entscheidungsprozess für die Notstromversorgung von Kühlgeräten, das Pfade bei fester Versorgung oder alternativen Maßnahmen aufzeigt.

Tiefkühlschränke und Kühlräume müssen im Hinblick auf ihre Notstromversorgung bewertet werden. Dabei ist zu klären, welche Geräte an eine feste Notstromversorgung angeschlossen sind, welche nur über regulären Netzstrom verfügen und welche Lasten bei begrenzter Generatorleistung priorisiert werden. Eine reine Annahme, dass ein kritischer Bereich „irgendwie“ notversorgt ist, reicht nicht aus.

FM sollte für jeden kritischen Kältebereich folgende Fragen dokumentieren:

  • Ist das Gerät oder der Raum an Notstrom angeschlossen?

  • Gibt es eine unterbrechungsfreie Stromversorgung oder nur Generatorversorgung?

  • Wie lange kann die Anlage ohne Strom stabil bleiben?

  • Welche Last hat das Gerät im Normalbetrieb und beim Anlauf?

  • Ist die Anlage in der Notstrompriorisierung enthalten?

  • Gibt es mobile Einspeisemöglichkeiten?

  • Wer entscheidet bei begrenzter Generatorleistung über die Priorität?

  • Welche Proben müssen bei längerer Störung verlagert werden?

Wenn keine feste Notstromversorgung vorhanden ist, muss FM alternative Maßnahmen definieren. Dazu können mobile Generatoren, vorbereitete Einspeisepunkte, Anschlusskonzepte, temporäre Umverteilung auf andere Lagerflächen oder technische Schutzmaßnahmen gehören. Diese Maßnahmen müssen praktisch umsetzbar, sicher und vorab geprüft sein.

Tierschutz und regulatorische Relevanz

Tierhaltungsbereiche benötigen eine kontinuierliche Versorgung mit Lüftung, Temperaturregelung, Luftfeuchte, Beleuchtungszyklen, Wasser, Futter, Hygiene, Zugangskontrolle und Alarmierung. Ein technischer Ausfall kann das Wohl der Tiere beeinträchtigen, die Aussagekraft wissenschaftlicher Studien gefährden und regulatorische Anforderungen verletzen.

FM muss Tierhaltungsbereiche daher als besonders kritische Betriebsbereiche behandeln. Abweichungen in Temperatur, Luftwechsel, Wasserversorgung oder Beleuchtung sind nicht mit normalen Komfortstörungen vergleichbar. Sie können direkte Auswirkungen auf Tiergesundheit, Verhalten, Studienvalidität und ethische Genehmigungen haben. Deshalb sind verkürzte Reaktionszeiten, klare Eskalationswege und eine enge Abstimmung mit dem Tierpflege- und Veterinärpersonal erforderlich.

Kritische Gebäudesysteme

In Tierhaltungsbereichen sind insbesondere Lüftung, Heizung, Kühlung, Wasserversorgung, Beleuchtung, Sicherheitstechnik, Abfallentsorgung, Notstrom und Umweltüberwachung zu priorisieren. Diese Systeme müssen so betrieben werden, dass stabile Haltungsbedingungen gewährleistet bleiben.

Kritisches System

Bedeutung für die Tierhaltung

FM-Anforderung

Lüftung

Luftwechsel, Geruchskontrolle, Schadstoffabfuhr

Redundanzprüfung, Alarmierung, schnelle Störungsreaktion

Heizung und Kühlung

Stabile Haltungsbedingungen

Grenzwerte, Bereitschaftsdienst, Notmaßnahmen

Wasser

Tränkwasser und Reinigung

Druck- und Verfügbarkeitsprüfung, Ersatzversorgung

Beleuchtung

Tag-Nacht-Rhythmus und Studienbedingungen

Steuerungsprüfung, Ersatzbetrieb, Alarm bei Ausfall

Zugangskontrolle

Biosicherheit, Tierwohl und Dokumentation

Notzutritt, Berechtigungen, Besuchersteuerung

Hygiene- und Abfallprozesse

Vermeidung von Kontaminationen

Entsorgungswege, Reinigung, sichere Lagerung

Notstrom

Aufrechterhaltung lebenswichtiger Systeme

Lastpriorisierung, Tests, Laufzeitplanung

Umweltmonitoring

Nachweis stabiler Bedingungen

Sensorprüfung, Datenaufzeichnung, Alarmmanagement

Auch scheinbar indirekte Anlagen, etwa Aufzüge, Schleusen oder Reinigungsinfrastruktur, können im Notfall kritisch werden. FM sollte für jedes Tierhaltungsareal definieren, welche technischen Systeme essenziell sind und welche Toleranzbereiche gelten.

Koordination mit Tierpflegeteams

Der Kontinuitätsplan muss beschreiben, wie FM mit Tierpflegepersonal, Veterinärdiensten, Forschenden, Sicherheitsfunktionen, externen Dienstleistern und Universitätsleitung zusammenarbeitet. Die Rollen müssen eindeutig sein.

Rolle

Hauptverantwortung im Ereignisfall

Facility Management

Technischer Betrieb, Störungsbehebung, Notversorgung, Koordination von Dienstleistern

Tierpflegepersonal

Laufende Beurteilung der Tiere und der Haltungsbedingungen

Veterinärdienst

Fachliche Bewertung von Tierwohl, Gesundheitsrisiken und Verlegungsbedarf

Forschende

Bewertung der Auswirkungen auf Studien und Versuchsanordnungen

Arbeitssicherheit und Biosicherheit

Bewertung von Gefahren, Zutrittsregeln und Kontaminationsrisiken

Sicherheitsdienst

Zugangskontrolle, Unterstützung außerhalb der Arbeitszeit

Externe Dienstleister

Reparatur, Ersatzteile, mobile Technik oder Spezialunterstützung

Universitätsleitung

Eskalation, Ressourcenfreigabe und strategische Entscheidungen

Besonders wichtig sind Zugangsverfahren für Notfälle und Ereignisse außerhalb der regulären Arbeitszeit. FM-Techniker müssen wissen, welche Bereiche sie betreten dürfen, welche Hygieneregeln gelten, wann Begleitung erforderlich ist und wie Kontaminationen oder Stress für die Tiere vermieden werden. Umgekehrt müssen Tierpflegeteams wissen, wie technische Störungen gemeldet, priorisiert und nachverfolgt werden.

Notbetriebsbedingungen

FM sollte gemeinsam mit der Tierhausleitung Mindestbedingungen für den Notbetrieb definieren. Diese Mindestbedingungen müssen realistisch, messbar und praktisch überprüfbar sein.

Zu definieren sind insbesondere:

  • akzeptable Temperatur- und Feuchtebereiche;

  • Mindestanforderungen an Lüftung und Luftwechsel;

  • Anforderungen an Trinkwasserverfügbarkeit;

  • Anforderungen an Beleuchtungszyklen;

  • Hygienestandards bei eingeschränktem Betrieb;

  • Zugangsbeschränkungen und Begleitpflichten;

  • Notstromprioritäten;

  • Kriterien für zusätzliche Überwachung;

  • Kriterien für Verlegung, Bereichssperrung oder externe Unterstützung.

Der Plan muss außerdem festlegen, wann temporäre technische Maßnahmen ausreichen und wann weitergehende Entscheidungen notwendig sind. Dazu können Verlegung von Tieren, Sperrung von Bereichen, externe Unterstützung, zusätzliche Überwachung oder ein geordneter Rückzug aus bestimmten Räumen gehören.

Umgebungsstabilität im Reinraum

Reinräume sind auf kontrollierte Luftqualität, Druckkaskaden, Temperatur, Luftfeuchte, Filtration, Reinigung, Zugangskontrolle und Partikelmanagement angewiesen. Schon geringe Abweichungen können Forschungsarbeiten, Herstellungsprozesse, Validierungen oder Kontaminationskontrollen beeinträchtigen. FM muss die technische Stabilität von Reinräumen daher als integrierte Aufgabe betrachten. Lüftung, Filtertechnik, Gebäudeautomation, Schleusen, Türen, Reinigungsprozesse und Nutzerverhalten wirken zusammen. Eine Störung an einem dieser Punkte kann die gesamte Reinraumfunktion gefährden. Deshalb müssen Betriebsparameter überwacht, Alarme eindeutig bewertet und Eingriffe mit der Reinraumleitung abgestimmt werden.

Reinraumparameter

FM-relevante Kontrolle

Mögliche Auswirkung bei Abweichung

Luftqualität und Partikel

Filter, Luftwechsel, Monitoring

Kontamination, Verlust der Klassifizierung

Druckkaskaden

Drucksensoren, Türen, Schleusen

Rückströmung, unkontrollierter Partikeleintrag

Temperatur

Raumklima und Prozessanforderungen

Produkt- oder Probenbeeinträchtigung

Luftfeuchte

Klimatisierung, Entfeuchtung, Sensorik

elektrostatische Effekte, Materialschäden

Reinigung

Reinigungsintervalle, Freigabeprozesse

Kontaminationsrisiko

Zugangskontrolle

Zutrittsberechtigungen, Schleusenfunktion

unkontrollierter Eintritt, Fehlverhalten

Gebäudeautomation

Alarmierung, Trenddaten, Steuerung

verspätete Reaktion oder verdeckte Abweichung

Ausfallszenarien

Der Kontinuitätsplan sollte typische Ausfallszenarien abdecken. Für jedes Szenario ist festzulegen, welche Sofortmaßnahmen erforderlich sind und wer die fachliche Freigabe erteilt.

Ausfallszenario

Sofortige FM-Maßnahme

Entscheidungsbedarf

Verlust der Lüftung

Alarmprüfung, technische Analyse, Information der Reinraumleitung

Arbeitsstopp, Evakuierung, Neustartkriterien

Druckabweichung

Prüfung von Türen, Klappen, Sensoren und Lüftungsleistung

Sperrung, Reinigungsbedarf, Requalifizierung

Filterstörung

Filterstatus prüfen, Ersatzteilbedarf klären

Nutzungseinschränkung, Partikelmessung

Temperatur- oder Feuchteabweichung

Klimaanlage prüfen, Trenddaten auswerten

Prozessunterbrechung, Materialbewertung

Stromausfall

Notstromstatus prüfen, Wiederanlauf überwachen

kontrollierter Shutdown oder Wiederfreigabe

Ausfall der Zugangskontrolle

Notzutritt sichern, Zutritte dokumentieren

temporäre Sperrung oder manuelle Zugangskontrolle

Reinigungsunterbrechung

Reinigungskapazität klären, Sperrstatus prüfen

Nutzungsfreigabe erst nach Reinigung

Partikelereignis

Ursache untersuchen, Bereich sichern

Reinigung, Messung, formale Freigabe

FM sollte auch Wechselwirkungen berücksichtigen. Ein Stromausfall kann die Lüftung, Schleusensteuerung, Monitoring-Systeme und Beleuchtung gleichzeitig betreffen. Eine Türstörung kann Druckverhältnisse verändern. Eine unterbrochene Reinigung kann die Nutzung auch dann einschränken, wenn die Technik funktioniert.

Zugangsbeschränkungen und Arbeitsstopp

FM muss gemeinsam mit der Reinraumleitung festlegen, wann Arbeiten im Reinraum zu stoppen sind, wann Nutzende den Bereich verlassen müssen, wann ein Wiedereintritt untersagt ist und wann ein Neustart eine technische Überprüfung oder Requalifizierung erfordert.

Ein Arbeitsstopp oder eine Zugangsbeschränkung ist insbesondere zu prüfen bei:

  • Verlust der Druckkaskade;

  • Ausfall der Lüftung oder Filtration;

  • nicht kontrollierbarer Temperatur- oder Feuchteabweichung;

  • Partikelereignis oder Kontaminationsverdacht;

  • Ausfall der Schleusenfunktion;

  • fehlender Reinigung oder unterbrochener Desinfektion;

  • unkontrolliertem Zutritt;

  • Stromausfall mit unklarer Systemstabilität.

Zugangsbeschränkungen dienen nicht nur der Sicherheit, sondern auch dem Schutz der Reinraumklassifizierung und der Forschungsergebnisse. Wenn Druckverhältnisse, Filtration oder Partikelkontrolle nicht gewährleistet sind, kann eine Fortsetzung der Arbeit größeren Schaden verursachen als eine geordnete Unterbrechung.

Neustart und Requalifizierung

Nach einer Reinraumstörung kann der normale Betrieb nicht automatisch wieder aufgenommen werden. Je nach Art und Dauer der Abweichung sind Systemstabilisierung, Reinigung, Spülbetrieb, Partikelmessung, Druckprüfung, Dokumentationsprüfung und formale Freigabe erforderlich. Die Anforderungen hängen von Nutzung, Reinraumklasse, Forschungsprozessen und internen Vorgaben ab.

Der Neustart sollte in kontrollierten Schritten erfolgen:

  • technische Ursache identifizieren und beheben;

  • Lüftung, Filter, Sensorik, Türen und Schleusen prüfen;

  • Betriebsparameter stabilisieren;

  • Reinigung oder Desinfektion durchführen, falls erforderlich;

  • Partikel-, Druck-, Temperatur- und Feuchtedaten prüfen;

  • Abweichungen dokumentieren;

  • fachliche Freigabe durch Reinraumverantwortliche einholen;

  • Nutzung kontrolliert wieder aufnehmen.

FM muss die technischen Voraussetzungen für den Neustart sicherstellen. Erst wenn die fachliche und technische Bewertung abgeschlossen ist, sollte der Bereich wieder regulär genutzt werden.

Verwundbarkeit von Langzeitexperimenten

Langzeitexperimente können über Wochen, Monate oder Jahre laufen. Sie sind häufig empfindlich gegenüber Temperatur, Luftfeuchte, Licht, Vibration, Wasserqualität, Stromstabilität, Gasversorgung, Lüftung oder Datenerfassungssystemen. Eine kurze Abweichung kann ausreichen, um Ergebnisse unbrauchbar zu machen oder die Vergleichbarkeit von Messreihen zu zerstören.

FM muss Langzeitexperimente deshalb frühzeitig identifizieren und in die Betriebsplanung integrieren. Besonders kritisch sind Experimente, die nicht unterbrochen, nicht wiederholt oder nicht ohne Datenverlust gestoppt werden können. Auch bauliche Maßnahmen, Wartungen, Prüfungen oder Medienabschaltungen können Risiken erzeugen, wenn sie nicht mit den Forschungszeitplänen abgestimmt sind.

Empfindlichkeit

Beispielhafte FM-Auswirkung

Kontinuitätsmaßnahme

Temperatur

Klimaanlagenstörung verfälscht Messwerte

Grenzwerte, Alarmierung, mobile Kühlung

Luftfeuchte

Material- oder Probenveränderung

Feuchteüberwachung, Ersatzbetrieb

Licht

Störung von Pflanzen-, Tier- oder Materialversuchen

Steuerungsprüfung, Notbeleuchtungskonzept

Vibration

Beeinträchtigung empfindlicher Messgeräte

Baukoordination, Einschränkung schwerer Arbeiten

Wasserqualität

Veränderung von Versuchsbedingungen

Monitoring, Ersatzversorgung, Filtermanagement

Stromstabilität

Datenverlust oder Geräteausfall

USV, Notstrom, kontrollierter Shutdown

Gasversorgung

Prozessunterbrechung

Mindestbestände, Lieferanteneskalation

Datenerfassung

Verlust von Messreihen

IT-Abstimmung, Backup, Alarmierung

Kritikalitätsregister

FM sollte ein aktuelles Register der Langzeitexperimente führen, soweit dies organisatorisch und datenschutzrechtlich zulässig ist. Dieses Register sollte technische Abhängigkeiten, verantwortliche Kontakte, Toleranzgrenzen, Eingriffsregeln im Notfall und Einschränkungen für geplante Abschaltungen enthalten. Es sollte nicht als wissenschaftliche Projektdokumentation dienen, sondern als betriebliche Grundlage für Kontinuität und Risikosteuerung.

Registerfeld

Zweck

Standort und Raum

schnelle Identifikation des betroffenen Bereichs

Projekt- oder Anlagenbezeichnung

Zuordnung zu Forschungseinheit oder Gerät

verantwortliche Kontaktpersonen

Eskalation im Ereignisfall

technische Abhängigkeiten

Strom, Klima, Gase, Wasser, IT, Lüftung

Toleranzgrenzen

Bewertung, wann ein kritischer Zustand erreicht ist

zulässige FM-Eingriffe

Klarheit bei Notfalleinsätzen

Einschränkungen für Abschaltungen

Schutz vor geplanten Unterbrechungen

Ersatzmaßnahmen

verfügbare Alternativen oder Notverfahren

Aktualisierungsdatum

Sicherstellung aktueller Informationen

Da sich Forschungsaktivitäten häufig ändern, muss das Register regelmäßig überprüft werden. Neue Projekte, veränderte Laborflächen, zusätzliche Geräte oder geänderte Versuchsanordnungen können neue Abhängigkeiten schaffen. Ohne aktuelle Informationen kann FM kritische Risiken nicht zuverlässig erkennen.

Koordination geplanter Abschaltungen

Wartungen, Bauarbeiten, technische Prüfungen, Medienunterbrechungen und Anlagenabschaltungen müssen mit den Forschungszeitplänen abgestimmt werden. Vor jeder geplanten Abschaltung sollte eine Forschungsfolgenprüfung stattfinden. Dabei ist zu klären, welche Labore, Experimente, Kühlanlagen, Server, Reinräume oder Versorgungssysteme betroffen sind.

Vor einer geplanten Abschaltung sollte FM prüfen:

  • welche Gebäude, Räume und Anlagen betroffen sind;

  • welche Forschungsbereiche abhängig sind;

  • ob Langzeitexperimente betroffen sind;

  • ob Tiefkühlschränke, Tierhaltung, Reinräume oder Serverräume betroffen sind;

  • ob Ersatzversorgung oder Überbrückung erforderlich ist;

  • ob ein alternatives Zeitfenster notwendig ist;

  • wer die Abschaltung fachlich freigibt;

  • wie Beginn, Verzögerung und Abschluss kommuniziert werden;

  • welche Wiederanlaufkontrollen erforderlich sind.

Die Freigabe geplanter Abschaltungen sollte nicht allein nach technischer Verfügbarkeit erfolgen. Entscheidend ist auch, ob die betroffenen Forschungseinheiten informiert wurden, ob Ersatzmaßnahmen verfügbar sind und ob ein geeigneter Zeitraum gewählt wurde.

Grenzen von Notfalleingriffen

Der Kontinuitätsplan muss festlegen, was FM-Personal in Forschungsbereichen während eines Notfalls eigenständig tun darf und wann eine Freigabe durch Forschende, Laborleitungen oder Sicherheitsfunktionen erforderlich ist. Diese Abgrenzung schützt Experimente, Proben und Mitarbeitende.

Situation

FM-Handlung

Freigabe erforderlich?

akuter Wassereintritt

Wasser stoppen, Stromgefahr prüfen, Bereich sichern

fachliche Information sofort, Eingriff meist unmittelbar

Brand- oder Rauchgefahr

Alarmieren, Evakuierung unterstützen, Gefahrenbereich sichern

Sicherheits- und Einsatzleitung entscheidet

Stromausfall

Notstromstatus prüfen, kritische Lasten bewerten

bei Geräteabschaltung Abstimmung mit Forschung oder IT

empfindliches Gerät betroffen

nicht eigenständig öffnen oder bewegen

Freigabe durch verantwortliche Einheit

Probenlager betroffen

technische Sicherung unterstützen

Probentransfer nur nach definiertem Verfahren

kontaminationssensibler Bereich

Zugang nur nach Regelung

Begleitung oder Freigabe erforderlich

In manchen Situationen ist ein sofortiger technischer Eingriff notwendig. In anderen Fällen kann ein uninformierter Eingriff Schäden verursachen, zum Beispiel durch Öffnen empfindlicher Anlagen, Verschieben von Proben, Abschalten von Geräten oder Betreten kontaminationssensibler Bereiche. FM benötigt daher klare Zutrittsregeln, Notfallkontakte und Handlungsanweisungen für kritische Forschungsbereiche.

Serverräume als kritische FM-IT-Infrastruktur

Serverräume, Forschungsdatenräume, lokale Rechencluster und Hochleistungsrechenbereiche hängen von Strom, Kühlung, Brandschutz, Zugangskontrolle, Leckageschutz, Überwachung und Kommunikationsnetzen ab. Sie sind nicht nur IT-Flächen, sondern gemeinsame kritische Infrastruktur von IT und Facility Management.

Ein Ausfall kann Forschungsdaten, Messsysteme, Simulationen, Laborautomatisierung, Gebäudeautomation oder digitale Sicherheitsprozesse beeinträchtigen. FM muss deshalb eng mit der IT abstimmen, welche Räume und Systeme priorisiert werden, welche Umgebungsbedingungen einzuhalten sind und wie Störungen eskaliert werden.

Verantwortungsbereich

Facility Management

IT

Stromversorgung

Verteilungen, Notstrom, USV-Schnittstellen, Wartung

Lastinformationen, Shutdown-Anforderungen

Kühlung

Kälteanlagen, Luftführung, Raumtemperatur, Alarmierung

Wärmelasten, Rack-Dichte, kritische Systeme

Brandschutz

Detektion, baulicher Brandschutz, Schnittstellen zu Löschsystemen

Schutzanforderungen für Geräte und Daten

Zugang

Zutrittsinfrastruktur, Notzutritt, Gebäudesicherheit

Berechtigungen, Freigaben, sensible Systeme

Monitoring

Gebäudeautomation, Leckage- und Temperaturalarme

Servermonitoring, Netzwerkalarme

Wiederanlauf

technische Raumfreigabe

Systemprüfung und Datenintegrität

Die Verantwortung für Daten und Systeme liegt bei der IT, die Verantwortung für die technische Raum- und Medieninfrastruktur liegt wesentlich beim FM. Beide Funktionen müssen ihre Schnittstellen vor einem Ereignis klären.

Anforderungen an Kühlung und Stromversorgung

FM und IT sollten gemeinsam Temperaturgrenzen, USV-Kapazitäten, Notstromversorgung, Kühlungsredundanz, Abschaltsequenzen, mobile Kühloptionen und Alarmketten definieren. Dabei ist zu beachten, dass Serverräume bei Kühlungsausfall sehr schnell kritische Temperaturen erreichen können. Eine stabile Stromversorgung allein genügt nicht, wenn die Wärme nicht abgeführt wird.

Zu dokumentieren sind insbesondere:

  • zulässige Temperatur- und Feuchtebereiche;

  • tatsächliche elektrische Lasten;

  • Kühlleistungsbedarf und Redundanzen;

  • USV-Autonomie und Batteriezustand;

  • Notstromabdeckung und Prioritäten;

  • Reihenfolge eines kontrollierten Shutdowns;

  • mobile Kühlmöglichkeiten;

  • Alarmempfänger und Eskalationszeiten;

  • Wiederanlaufverfahren nach Strom- oder Kühlungsausfall.

Die Planung muss reale Lasten, Leistungsreserven und Betriebszustände berücksichtigen. FM sollte sicherstellen, dass Wartungen an Kälteanlagen, Stromverteilungen oder Gebäudeautomation nicht unbeabsichtigt IT-Risiken erzeugen.

Brand-, Wasser- und Zugangsrisiken

Der Kontinuitätsplan muss Branddetektion, Schnittstellen zu Lösch- oder Unterdrückungssystemen, Rauchmanagement, Leckageschutz, Entwässerungsrisiken, Rohrleitungen über kritischen Bereichen, Zugangsberechtigungen und Notzutritt berücksichtigen. Wasser ist in Serverräumen ein besonders kritisches Risiko, auch wenn die Quelle außerhalb des Raums liegt.

Risiko

Mögliche Ursache

FM-Kontrolle

Brand

elektrische Fehler, Überlastung, defekte Komponenten

Detektion, Wartung, Lastprüfung, Brandschutzkonzept

Rauch

Schmorstellen, externe Brandereignisse

Rauchmelder, Alarmierung, Abschottung

Wasser

Kondensat, Rohrbruch, Dachleckage, Reinigung

Leckagesensoren, Rohrleitungsprüfung, Ablaufkontrolle

unbefugter Zutritt

fehlende Zutrittskontrolle oder Notöffnung

Berechtigungskonzept, Protokollierung

blockierter Zugang

verschlossene Türen, fehlende Schlüssel, falsche Berechtigungen

Notzutrittsregelung, Sicherheitsdienstanweisung

ungeplante Abschaltung

Wartungsfehler oder unklare Zuständigkeit

Freigabeprozess, Schaltanweisung, Kommunikation

FM sollte regelmäßig prüfen, ob wasserführende Leitungen, Kondensatabläufe, Dachflächen, angrenzende Technikräume oder Reinigungsprozesse Risiken erzeugen. Zutrittsregeln müssen gleichzeitig Sicherheit und schnelle Störungsreaktion ermöglichen.

Wechselwirkungen zwischen Daten und Gebäudesystemen

Moderne FM-Systeme hängen zunehmend von IT-Netzen, Servern, Cloud-Diensten und Kommunikationsplattformen ab. Gleichzeitig sind IT-Räume auf FM-Infrastruktur wie Strom, Kühlung, Brandschutz und Zugang angewiesen. Diese gegenseitigen Abhängigkeiten müssen im Kontinuitätsplan berücksichtigt werden.

Beispiele für kritische Wechselwirkungen sind:

  • Gebäudeautomation benötigt Netzwerk- und Serververfügbarkeit;

  • Zutrittssysteme benötigen Strom, Netzwerk und Datenbanken;

  • Alarmserver benötigen IT-Infrastruktur und Kommunikationswege;

  • CAFM-Systeme benötigen Datenzugang für Störungsbearbeitung;

  • Telefonie und Funk können für Notfallkoordination erforderlich sein;

  • IT-Räume benötigen FM-Leistungen für Strom, Kühlung und physische Sicherheit.

Wenn IT-Systeme ausfallen, kann auch die Steuerungs- und Kommunikationsfähigkeit des FM beeinträchtigt werden. FM und IT sollten deshalb gemeinsame Notfallverfahren, Ersatzkommunikation, manuelle Betriebsoptionen und Prioritäten für Wiederherstellung definieren.

Kritische Laborversorgungen

Die Kontinuität von Laboren hängt von technischen Gasen, Flüssigstickstoff, Trockeneis, Chemikalien, Filtern, Desinfektionsmitteln, Wasseraufbereitungsmedien, persönlicher Schutzausrüstung, Ersatzteilen, Verbrauchsmaterialien und spezialisierten Wartungsleistungen ab. Viele dieser Ressourcen sind für den laufenden Forschungsbetrieb unverzichtbar. FM sollte gemeinsam mit Laborleitungen und Beschaffung identifizieren, welche Versorgungen kritisch sind und welche Mindestbestände erforderlich sind.

Kritische Versorgung

Bedeutung für den Forschungsbetrieb

FM- oder Logistikmaßnahme

technische Gase

Prozesse, Zellkultur, Analysegeräte

Lieferverträge, Flaschenmanagement, Drucküberwachung

Flüssigstickstoff

Kryolagerung, Probenschutz

Füllstandsüberwachung, Notlieferung, Sicherheitsregeln

Trockeneis

Probentransport, Notkühlung

Mindestbestand, Lieferantenkontakt, Lagerregelung

Chemikalien

Experimente, Reinigung, Analytik

Lagerung, Gefahrstoffprozesse, Ersatzbeschaffung

Filter und Medien

Wasseraufbereitung, Lüftung, Laborgeräte

Ersatzteilbestand, Wartungsplanung

Desinfektionsmittel

Hygiene und Kontaminationskontrolle

Mindestbestand, Freigabe geeigneter Produkte

persönliche Schutzausrüstung

sicherer Laborbetrieb

Bestandskontrolle, Nachlieferung

Ersatzteile

schnelle Wiederherstellung technischer Anlagen

kritische Ersatzteilliste, Lagerstrategie

Spezialwartung

Geräte- und Anlagenverfügbarkeit

Serviceverträge, Eskalationskontakte

Auch technische Verbrauchsgüter wie Filter, Dichtungen, Pumpenkomponenten, Sensoren oder Spezialleuchtmittel können im Störungsfall entscheidend sein. Eine fehlende Kleinigkeit kann eine große Anlage außer Betrieb halten.

Notfall-Lieferketten

FM sollte kritische Lieferanten, Lieferwege, Zugang außerhalb der Arbeitszeiten, Mindestlagerbestände, Notbestellverfahren und Ersatzanbieter dokumentieren. Einzelquellenabhängigkeiten sind besonders zu prüfen. Wenn ein bestimmtes Gas, Ersatzteil oder Wartungsunternehmen nur über einen Anbieter verfügbar ist, muss dieses Risiko bekannt und bewertet sein.

Eine belastbare Notfall-Lieferkette sollte enthalten:

  • definierte kritische Artikel und Mindestbestände;

  • primäre und alternative Lieferanten;

  • Notfallkontakte außerhalb regulärer Geschäftszeiten;

  • Lieferzeiten und Eskalationswege;

  • Zugang zu Gelände, Ladezonen und Warenannahme;

  • Freigabeprozesse für Eilbestellungen;

  • sichere Lagerorte;

  • Regeln für Gefahrstoffe, Gase und kryogene Medien;

  • Dokumentation von Lieferung, Übergabe und Verwendung.

Notfall-Lieferketten müssen praktisch funktionieren. Dazu gehört, dass Lieferanten Zugang zum Gelände erhalten, Anlieferzonen verfügbar sind, Sicherheitsanforderungen eingehalten werden und berechtigte Personen Lieferungen annehmen können.

Koordination von Lieferung und Zugang

Laborlieferungen erfordern häufig kontrollierten Zugang, sichere Lagerung, Temperaturführung, Gefahrstoffkennzeichnung oder geschützte Übergabe. FM muss Ladezonen, Warenannahme, interne Transportwege, Aufzüge, Zutrittsberechtigungen und Notfalllieferungen koordinieren. Besonders bei Flüssigstickstoff, Trockeneis, Gasflaschen oder Gefahrstoffen sind Sicherheits- und Lageranforderungen zu beachten.

Logistikpunkt

FM-Anforderung

Ladezonen

freie Zufahrt, Sicherheitsabstand, Beschilderung

Warenannahme

berechtigte Annahme, Dokumentation, Weiterleitung

interne Transportwege

sichere Wege, geeignete Aufzüge, keine Blockierung von Fluchtwegen

Zugang zu Laborbereichen

Berechtigungen, Begleitung, Hygieneregeln

Zwischenlagerung

geeignete Temperatur, Sicherheit, Kennzeichnung

Gefahrstoffübergabe

Einhaltung von Sicherheits- und Dokumentationspflichten

Notfalllieferungen

klare Kontakte, Zugang außerhalb der Arbeitszeit

Rückverfolgbarkeit

Nachweis von Lieferung, Empfänger und Lagerort

Die interne Logistik sollte eindeutig geregelt sein. Es muss klar sein, wer Lieferungen entgegennimmt, wo Materialien zwischengelagert werden dürfen, welche Bereiche nicht ohne Begleitung betreten werden dürfen und wie dringende Lieferungen außerhalb der Regelzeiten abgewickelt werden.

Forschungsbasierte Lastpriorisierung

Notstrom muss nach Sicherheits- und Forschungskritikalität zugewiesen werden. Kritische Lasten können Tiefkühlschränke, Tierhaltungsbereiche, Reinräume, Serverräume, Umweltmonitoring, Sicherheitssysteme, ausgewählte Laborgeräte und Kommunikationssysteme umfassen. Nicht jede Anlage kann automatisch gleichrangig versorgt werden.

FM sollte gemeinsam mit Forschungseinheiten, IT, Sicherheitsfunktionen und Universitätsleitung eine klare Lastpriorisierung festlegen. Diese Priorisierung muss transparent dokumentiert sein und regelmäßig überprüft werden.

Prioritätsstufe

Typische Lasten

Begründung

Priorität 1

Sicherheitsanlagen, Brandmeldeanlagen, kritische Kommunikation, Tierhaltung, ausgewählte Lüftung

Schutz von Leben, Sicherheit und Tierwohl

Priorität 2

Tiefkühlung, Kryolager, Serverräume, Umweltmonitoring

Schutz unersetzlicher Proben und Forschungsdaten

Priorität 3

Reinräume, ausgewählte Laborgeräte, Prozessanlagen

Schutz kontrollierter Forschungsbedingungen

Priorität 4

unterstützende Labor- und Gebäudefunktionen

Aufrechterhaltung eingeschränkter Betriebsfähigkeit

nicht priorisiert

Komfortlasten, nicht kritische Steckdosen, allgemeine Nutzlasten

Abschaltbar bei begrenzter Kapazität

Diese Einteilung muss objektbezogen geprüft werden. Je nach Forschungsprofil kann ein System in einem Gebäude höher priorisiert sein als in einem anderen.

Kapazitäts- und Laufzeitplanung

FM muss Generatorleistung, USV-Autonomie, Kraftstoffvorräte, Betankungsmöglichkeiten, Einspeisepunkte, Lastabwurf, Wartung und realistische Laufzeiten bewerten. Annahmen zur Kapazität müssen dokumentiert und getestet werden. Entscheidend ist nicht nur die installierte Leistung, sondern die tatsächlich verfügbare Leistung unter realen Betriebsbedingungen.

Für eine belastbare Notstromplanung sind folgende Punkte erforderlich:

  • aktuelle Lastlisten;

  • Messung realer Betriebs- und Anlaufströme;

  • dokumentierte Generatorleistung;

  • dokumentierte USV-Autonomie;

  • Kraftstoffvorrat und Nachbetankungskonzept;

  • Lastabwurfplan;

  • Priorisierung kritischer Forschungslasten;

  • regelmäßige Testläufe unter Last;

  • Wartungsnachweise;

  • Eskalationskontakte für Stromausfälle;

  • Kommunikationsplan bei längeren Ausfällen.

Die Laufzeitplanung sollte auch längere Stromausfälle berücksichtigen. Dazu gehören Kraftstofflogistik, Lieferverträge, Zufahrtsmöglichkeiten, Personalverfügbarkeit, Umweltschutz, Lärmschutz und Sicherheitsanforderungen.

Mobile Notstromversorgung

 Infografik zur mobilen Notstromversorgung, die einen Generator am Gebäudeanschluss und eine Checkliste mit Sicherheitsmaßnahmen wie Erdung zeigt.

Wo feste Notstromversorgung nicht ausreicht, muss der Plan mobile Generatoren, Einspeisepunkte, Reaktionszeiten von Dienstleistern, Kabelwege, Lastgrenzen, Sicherheitsmaßnahmen und Freigabeprozesse definieren. Mobile Notstromversorgung ist nur dann wirksam, wenn sie vorbereitet und getestet wurde.

Element

Mindestanforderung

mobile Generatoren

bekannte Leistung, Verfügbarkeit, Lieferzeit

Einspeisepunkte

geprüft, zugänglich, gekennzeichnet

Kabelwege

sicher, geschützt, keine unzulässige Behinderung von Fluchtwegen

Anschlussfreigabe

nur durch befugtes Fachpersonal

Lastgrenzen

dokumentiert und vor Anschluss geprüft

Prioritäten

Reihenfolge der anzuschließenden Lasten festgelegt

Sicherheit

Erdung, Brandschutz, Lärmschutz, Abgase berücksichtigt

Testbetrieb

regelmäßige Übung oder Funktionsprüfung

FM sollte sicherstellen, dass Einspeisepunkte technisch geeignet, zugänglich und gekennzeichnet sind. Verantwortliche müssen wissen, welche Lasten angeschlossen werden dürfen, welche Reihenfolge gilt und wer den Anschluss freigibt. Improvisierte Lösungen im Ernstfall erhöhen technische und sicherheitsbezogene Risiken.

Verantwortungsmodell

Forschungskritische Kontinuität erfordert klare Verantwortlichkeiten zwischen FM, Forschenden, Instituten, Laborleitungen, Tierhaltungsmanagement, IT, Sicherheitsfunktionen, Beschaffung und Dienstleistern. Ohne eindeutiges Verantwortungsmodell entstehen im Notfall Verzögerungen, Doppelarbeit oder riskante Entscheidungen.

Ein geeignetes Modell beschreibt, wer Risiken meldet, wer Kritikalität bewertet, wer technische Maßnahmen plant, wer Notfallentscheidungen trifft und wer die Wiederfreigabe von Bereichen verantwortet.

Aufgabe

Hauptverantwortung

Beteiligte Schnittstellen

Identifikation kritischer Bereiche

Forschungseinheiten und FM

Laborleitungen, IT, Tierhaus, Reinraumleitung

technische Risikoanalyse

FM

Arbeitssicherheit, IT, externe Dienstleister

Bewertung wissenschaftlicher Folgen

Forschungseinheiten

FM, Institutsleitung, Projektleitung

Notfallentscheidung

definierte Einsatz- oder Krisenstruktur

FM, Sicherheit, Forschung, Universitätsleitung

technische Wiederherstellung

FM

Dienstleister, IT, Gebäudebetrieb

fachliche Wiederfreigabe

zuständige Fachverantwortliche

FM, Sicherheit, Forschung

Dokumentation und Nachverfolgung

FM und zuständige Bereiche

Qualitätsmanagement, Compliance, Leitung

FM sollte eine koordinierende Rolle für Infrastruktur, Gebäudesysteme, technische Dienstleister und Betriebsprozesse übernehmen. Die fachliche Verantwortung für Forschung, Proben, Studiendesign oder Tierwohl bleibt bei den zuständigen wissenschaftlichen und fachlichen Einheiten.

Dokumentation

Die Dokumentation muss kritische Forschungsbereiche, Kontaktlisten, technische Abhängigkeiten, Alarmgrenzen, Notstromabdeckung, Ersatzlagerung, Lieferantenkontakte und Störungsaufzeichnungen enthalten. Sie sollte so strukturiert sein, dass sie im Ereignisfall schnell genutzt werden kann. Eine umfangreiche, aber unübersichtliche Dokumentation hilft im Notfall wenig.

Dokument

Inhalt

Aktualisierung

Kritikalitätsregister

kritische Räume, Experimente, Anlagen, Kontakte

regelmäßig und bei Änderungen

Alarm- und Eskalationsplan

Alarmgrenzen, Empfänger, Reaktionszeiten

nach Personal- oder Prozessänderungen

Notstromplan

Lasten, Prioritäten, Einspeisepunkte, Laufzeiten

nach Tests, Umbauten oder Laständerungen

Ersatzlagerplan

freie Kapazitäten, Zugang, Verantwortliche

regelmäßig und nach Belegung

Lieferantenliste

kritische Lieferanten, Notkontakte, Ersatzanbieter

mindestens regelmäßig und nach Vertragswechsel

Raum- und Anlagenpläne

technische Systeme, Absperrungen, Zugang

nach Umbauten oder Anlagenänderungen

Störungsprotokolle

Ursache, Reaktion, Dauer, Maßnahmen

nach jedem Ereignis

Wiederfreigabeprotokolle

technische und fachliche Freigabe

nach Störungen oder Abschaltungen

FM sollte Dokumente regelmäßig aktualisieren, versionieren und zugänglich halten. Gleichzeitig müssen Datenschutz, Informationssicherheit und Zugangsbeschränkungen berücksichtigt werden, insbesondere bei sensiblen Forschungsbereichen.

Überprüfung und Verbesserung

Kontinuitätsmaßnahmen müssen nach Zwischenfällen, geplanten Abschaltungen, technischen Ausfällen, Forschungsänderungen, Audits oder neuen Laborinstallationen überprüft werden. Jede Störung bietet die Möglichkeit, Schwachstellen zu erkennen und Prozesse zu verbessern. Entscheidend ist, dass Erkenntnisse nicht nur besprochen, sondern in konkrete Maßnahmen überführt werden.

FM sollte folgende Review-Mechanismen einführen:

  • regelmäßige Alarmtests;

  • Notstromtests unter realistischen Bedingungen;

  • Übungen für Probentransfer und Ersatzlagerung;

  • Nachbesprechungen nach Störungen;

  • Aktualisierung von Kontakt- und Eskalationslisten;

  • Überprüfung von Wartungs- und Lieferantenverträgen;

  • gemeinsame Reviews mit Forschung, IT, Tierhaus und Reinraumleitung;

  • Dokumentation von Lessons Learned;

  • Nachverfolgung offener Maßnahmen bis zur Umsetzung.

Auslöser für Review

Ziel der Überprüfung

technische Störung

Ursachenanalyse und Verbesserung der Reaktion

geplanter Shutdown

Prüfung der Kommunikation und Auswirkungen

Alarmtest

Sicherstellung der Alarmweiterleitung

Notstromtest

Prüfung von Laufzeit, Lasten und Umschaltung

Audit

Nachweis von Steuerung, Dokumentation und Compliance

neue Forschungsanlage

Bewertung neuer Abhängigkeiten

Personalwechsel

Aktualisierung von Rollen und Kontakten

bauliche Änderung

Anpassung von Plänen, Zugang und Technik

Lessons Learned sollten zu aktualisierten Verfahren, angepassten Verträgen, verbesserten Alarmwegen, technischen Investitionen, Schulungen oder klareren Kommunikationsstrukturen führen. Forschungskritische Kontinuität ist kein statisches Dokument, sondern ein fortlaufender Managementprozess, der sich mit der Forschungslandschaft, der Technik und den institutionellen Anforderungen weiterentwickelt.