Forschungskritische Betriebskontinuität
Facility Management: Hochschulen » Strategie » Notfall-, Krisen- & Resilienzorganisation » Forschungskritische Betriebskontinuität
Forschungskritische betriebliche Kontinuität
Forschungskritische betriebliche Kontinuität im universitären Facility Management stellt sicher, dass Gebäudedienstleistungen, technische Infrastruktur und organisatorische Abläufe wissenschaftliche Aktivitäten zuverlässig schützen, da bereits kurze Unterbrechungen erhebliche Folgen haben können: Temperaturabweichungen, Kontaminationen, instabile Umgebungsbedingungen, verzögerte Reaktionen, Ausfälle von Versorgungsmedien oder fehlende Zugangsmöglichkeiten können Proben zerstören, Versuchsergebnisse verfälschen, ethische Verpflichtungen verletzen oder erhebliche finanzielle Schäden verursachen. Besonders relevant ist dieses Thema für Tiefkühlanlagen, Kryolager, Tierhaltungsbereiche, Reinräume, Langzeitexperimente, Serverräume, Laborversorgung, Forschungslogistik und Notstromversorgung, da diese Bereiche häufig unersetzliche Proben, regulierte Prozesse, hochwertige Geräte, sensible Forschungsdaten und extern finanzierte Projekte enthalten. Das Facility Management muss daher nicht nur den allgemeinen Gebäudebetrieb sicherstellen, sondern die spezifischen Abhängigkeiten der Forschung verstehen, bewerten, dokumentieren und in Notfall- und Betriebsprozesse integrieren.
Forschung sichern, Betriebsabläufe stabil organisieren
- Zweck und strategische Relevanz
- Verbindung von FM mit Forschungsprioritäten
- Unterstützung von Compliance und institutioneller Verantwortung
- Tiefkühlung und Probenschutz
- Überwachung und Alarmmanagement
- Abhängigkeit von Notstrom
- Kontinuität der Tierhaltung
- Koordination mit Tierpflegeteams
- Reinraumkontinuität
- Ausfallszenarien
- Zugangsbeschränkungen und Arbeitsstopp
- Kontinuität von Langzeitexperimenten
- Kritikalitätsregister
- Grenzen von Notfalleingriffen
- Serverräume und Kontinuität der Forschungs-IT
- Anforderungen an Kühlung und Stromversorgung
- Brand-, Wasser- und Zugangsrisiken
- Laborversorgung und Forschungslogistik
- Notfall-Lieferketten
- Koordination von Lieferung und Zugang
- Notstrom für forschungskritische Bereiche
- Mobile Notstromversorgung
- Governance, Dokumentation und Überprüfung
- Dokumentation
- Überprüfung und Verbesserung
Schutz des wissenschaftlichen Werts
Die Sicherung der Forschungskontinuität schützt wissenschaftliche Ergebnisse, Datensätze, Proben, Experimente, Geräte und drittmittelfinanzierte Vorhaben. In vielen Fällen kann ein technischer Ausfall nicht einfach durch Reparatur oder Wiederholung kompensiert werden. Ein unterbrochener Langzeitversuch, eine aufgetaute Probenbank oder eine nicht dokumentierte Umgebungsabweichung kann Jahre wissenschaftlicher Arbeit entwerten.
Facility Management muss deshalb den wissenschaftlichen Wert der betroffenen Bereiche in die technische Priorisierung einbeziehen. Kritische Anlagen dürfen nicht allein nach Gebäudefläche, Nutzerzahl oder Kosten betrachtet werden. Entscheidend ist, welche Folgen ein Ausfall für Forschung, Compliance, Reputation, Finanzierung und institutionelle Verantwortung hätte.
Aus FM-Sicht sind insbesondere folgende Werte zu schützen:
unersetzliche biologische, medizinische, chemische oder historische Proben;
laufende Experimente mit engen Toleranzgrenzen;
Forschungsdaten, Messreihen und Simulationsdaten;
regulierte Studien, genehmigungspflichtige Verfahren und ethisch relevante Prozesse;
hochwertige Laborgeräte, Server, Messsysteme und Spezialanlagen;
vertragliche Verpflichtungen aus Drittmittelprojekten und Kooperationen;
die Reputation der Universität als verlässliche Forschungsinstitution.
Verbindung von FM mit Forschungsprioritäten
Das Facility Management muss verstehen, welche Räume, Anlagen und Systeme für die Forschung kritisch sind. Dieses Verständnis entsteht nicht allein aus technischen Bestandslisten. Es erfordert eine aktive Abstimmung mit Principal Investigators, Laborleitungen, Tierhausleitungen, Reinraumverantwortlichen, IT, Arbeitssicherheit, Brandschutz, Beschaffung und Universitätsleitung. Regelmäßige Kritikalitätsgespräche sind ein wirksames Instrument. Dabei werden Forschungsvorhaben, technische Abhängigkeiten, Toleranzgrenzen, Ausfallfolgen und Notfallkontakte systematisch erfasst. FM sollte diese Informationen in einem aktuellen Kritikalitätsregister abbilden und mit Wartungsplanung, Bauprojekten, Störungsmanagement und Notfallorganisation verknüpfen.
| Beteiligte Funktion | Beitrag zur Forschungskontinuität | FM-relevante Informationen |
|---|---|---|
| Forschende und Projektleitungen | Benennung kritischer Experimente und Proben | Toleranzgrenzen, Prioritäten, Notfallkontakte |
| Laborleitungen | Betriebsanforderungen und Sicherheitsvorgaben | Medienbedarf, Zugang, geplante Einschränkungen |
| Tierhausleitung und Veterinärdienst | Bewertung von Tierwohl und Haltungsbedingungen | Mindestbedingungen, Verlegungsentscheidungen |
| Reinraumverantwortliche | Freigabe, Sperrung und Requalifizierung | Klassifizierungsanforderungen, Druck- und Partikelgrenzen |
| IT | Schutz von Forschungsdaten und Serverinfrastruktur | Kühlbedarf, USV, Shutdown-Regeln, Zugang |
| Arbeitssicherheit und Brandschutz | Sicherer Notfallbetrieb | Zutrittsregeln, Gefahrenbereiche, Evakuierung |
| Beschaffung und Lieferantenmanagement | Versorgung mit kritischen Materialien | Mindestbestände, Lieferzeiten, Ersatzanbieter |
| Universitätsleitung | Priorisierung und Eskalation | strategische Entscheidungen, Ressourcenfreigabe |
Unterstützung von Compliance und institutioneller Verantwortung
Forschungskritische Betriebskontinuität ist eng verbunden mit Tierschutz, Laborsicherheit, Datenschutz, Umweltkontrollen, Betreiberverantwortung, Förderbedingungen und internen Governance-Anforderungen. Die FM-Organisation muss nachweisen können, dass vorhersehbare Risiken erkannt, bewertet, priorisiert und angemessen beherrscht wurden.
Dazu gehören:
dokumentierte Risikoanalysen;
aktuelle Kritikalitätsregister;
klare Zuständigkeiten und Vertretungsregelungen;
nachvollziehbare Alarm- und Eskalationsketten;
geprüfte Notfallpläne;
Wartungs-, Prüf- und Testnachweise;
dokumentierte Störungsbearbeitung;
nachvollziehbare Entscheidungen bei Notfällen und Wiederfreigaben.
Bei Audits, Zwischenfällen oder externen Prüfungen muss ersichtlich sein, welche kritischen Bereiche identifiziert wurden, welche Schutzmaßnahmen bestehen und wie Entscheidungen im Notfall getroffen werden. Forschungskontinuität ist damit nicht nur eine technische Aufgabe, sondern ein Bestandteil der institutionellen Sorgfaltspflicht.
Kritikalität der Tiefkühlung
Ultratiefkühlschränke, Kühlräume, Kryolager und Probenrepositorien können biologische, medizinische, chemische oder langfristig gesammelte Forschungsmaterialien enthalten. Diese Proben besitzen oft einen hohen wissenschaftlichen, ethischen und finanziellen Wert. Viele Proben sind nicht ersetzbar, weil sie aus abgeschlossenen Studien, seltenen Ereignissen, klinischen Kooperationen oder langjährigen Forschungsprogrammen stammen.
Ein Ausfall der Kälteversorgung kann innerhalb kurzer Zeit irreversible Schäden verursachen. Das Facility Management muss daher alle kritischen Kälteanlagen erfassen, ihre Abhängigkeiten bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen definieren.
| Kälte- oder Lagerbereich | Typisches Risiko | Erforderliche FM-Maßnahme |
|---|---|---|
| Ultratiefkühlschränke | Temperaturanstieg, Stromausfall, Türalarm | Temperaturmonitoring, Notstromprüfung, Ersatzgeräte |
| Kühlräume | Ausfall der Kälteanlage, defekte Türdichtung, Sensorfehler | Wartung, Alarmierung, Zugangskontrolle, Notfallreparatur |
| Kryolager | Ausfall der Flüssigstickstoffversorgung, Füllstandsverlust | Füllstandsüberwachung, Lieferantenkontakt, Ersatzversorgung |
| Probenrepositorien | Verlust großer Probenmengen | Priorisierungsplan, Ersatzlagerung, dokumentierter Probentransfer |
| Mobile Probenlagerung | Verzögerte Transporte, unzureichende Temperaturführung | Transportbehälter, Trockeneis, klare Übergaberegeln |
Überwachung und Alarmmanagement
Kritische Tiefkühl- und Kältelagerbereiche benötigen eine zuverlässige Überwachung mit definierten Alarmgrenzen, Eskalationsstufen und Notfallkontakten. Alarme dürfen nicht ausschließlich lokal am Gerät oder im Labor angezeigt werden. Sie müssen außerhalb der regulären Arbeitszeiten verantwortliche Personen erreichen, damit rechtzeitig gehandelt werden kann.
| Alarmstufe | Beispielhafte Auslösung | Erwartete Reaktion |
|---|---|---|
| Voralarm | Temperatur nähert sich Grenzwert, Tür länger offen | Prüfung durch Labor oder FM, Ursachenklärung |
| Kritischer Alarm | Temperaturgrenze überschritten, Kälteanlage gestört | Sofortige Eskalation an FM, Laborverantwortliche und Bereitschaft |
| Notfallalarm | Probenverlust droht, Stromversorgung unterbrochen | Aktivierung des Notfallplans, Probentransfer oder Ersatzversorgung |
| Wiederholungsalarm | Alarm wiederholt sich nach Quittierung | Ursachenanalyse, technische Prüfung, Dokumentation |
FM sollte regelmäßig prüfen, ob Sensoren korrekt funktionieren, Alarmweiterleitungen aktiv sind, Kontaktlisten aktuell sind und Vertretungen hinterlegt wurden. Besonders wichtig ist, dass Alarme nicht durch organisatorische Lücken verloren gehen, etwa durch geänderte Rufnummern, ausgeschiedene Mitarbeitende oder nicht besetzte E-Mail-Postfächer.
Ersatzlagerung und Notfalltransfer
Der Kontinuitätsplan muss freie Ersatzkapazitäten, Trockeneisversorgung, Flüssigstickstoffversorgung, interne Transportwege, Zugangsberechtigungen und Prioritätsregeln für den Probentransfer festlegen. Nicht jede Probe hat denselben Schutzbedarf. Deshalb sollten Forschungseinheiten vorab definieren, welche Materialien im Notfall zuerst gesichert werden müssen.
Für den Notfalltransfer sollten mindestens folgende Punkte geregelt sein:
welche Proben zuerst zu sichern sind;
welche Ersatzlagerflächen verfügbar sind;
wer Proben bewegen darf;
wer den Transfer freigibt;
welche Transportmittel und Behälter zu verwenden sind;
wie Temperatur und Zeit während des Transfers dokumentiert werden;
wie die Probenkette nachvollziehbar bleibt;
wie Zugang zu Laboren, Kühlräumen und Ersatzlagerflächen sichergestellt wird.
Bei sensiblen, regulierten oder vertraulichen Proben ist eine nachvollziehbare Probenkette wichtig. FM sollte den technischen Transport ermöglichen, die notwendige Infrastruktur bereitstellen und die Zugangssituation sichern. Die wissenschaftliche Verantwortung für Inhalt, Kennzeichnung und Priorisierung der Proben verbleibt jedoch bei den zuständigen Forschungseinheiten.
Abhängigkeit von Notstrom
Tiefkühlschränke und Kühlräume müssen im Hinblick auf ihre Notstromversorgung bewertet werden. Dabei ist zu klären, welche Geräte an eine feste Notstromversorgung angeschlossen sind, welche nur über regulären Netzstrom verfügen und welche Lasten bei begrenzter Generatorleistung priorisiert werden. Eine reine Annahme, dass ein kritischer Bereich „irgendwie“ notversorgt ist, reicht nicht aus.
FM sollte für jeden kritischen Kältebereich folgende Fragen dokumentieren:
Ist das Gerät oder der Raum an Notstrom angeschlossen?
Gibt es eine unterbrechungsfreie Stromversorgung oder nur Generatorversorgung?
Wie lange kann die Anlage ohne Strom stabil bleiben?
Welche Last hat das Gerät im Normalbetrieb und beim Anlauf?
Ist die Anlage in der Notstrompriorisierung enthalten?
Gibt es mobile Einspeisemöglichkeiten?
Wer entscheidet bei begrenzter Generatorleistung über die Priorität?
Welche Proben müssen bei längerer Störung verlagert werden?
Wenn keine feste Notstromversorgung vorhanden ist, muss FM alternative Maßnahmen definieren. Dazu können mobile Generatoren, vorbereitete Einspeisepunkte, Anschlusskonzepte, temporäre Umverteilung auf andere Lagerflächen oder technische Schutzmaßnahmen gehören. Diese Maßnahmen müssen praktisch umsetzbar, sicher und vorab geprüft sein.
Tierschutz und regulatorische Relevanz
Tierhaltungsbereiche benötigen eine kontinuierliche Versorgung mit Lüftung, Temperaturregelung, Luftfeuchte, Beleuchtungszyklen, Wasser, Futter, Hygiene, Zugangskontrolle und Alarmierung. Ein technischer Ausfall kann das Wohl der Tiere beeinträchtigen, die Aussagekraft wissenschaftlicher Studien gefährden und regulatorische Anforderungen verletzen.
FM muss Tierhaltungsbereiche daher als besonders kritische Betriebsbereiche behandeln. Abweichungen in Temperatur, Luftwechsel, Wasserversorgung oder Beleuchtung sind nicht mit normalen Komfortstörungen vergleichbar. Sie können direkte Auswirkungen auf Tiergesundheit, Verhalten, Studienvalidität und ethische Genehmigungen haben. Deshalb sind verkürzte Reaktionszeiten, klare Eskalationswege und eine enge Abstimmung mit dem Tierpflege- und Veterinärpersonal erforderlich.
Kritische Gebäudesysteme
In Tierhaltungsbereichen sind insbesondere Lüftung, Heizung, Kühlung, Wasserversorgung, Beleuchtung, Sicherheitstechnik, Abfallentsorgung, Notstrom und Umweltüberwachung zu priorisieren. Diese Systeme müssen so betrieben werden, dass stabile Haltungsbedingungen gewährleistet bleiben.
| Kritisches System | Bedeutung für die Tierhaltung | FM-Anforderung |
|---|---|---|
| Lüftung | Luftwechsel, Geruchskontrolle, Schadstoffabfuhr | Redundanzprüfung, Alarmierung, schnelle Störungsreaktion |
| Heizung und Kühlung | Stabile Haltungsbedingungen | Grenzwerte, Bereitschaftsdienst, Notmaßnahmen |
| Wasser | Tränkwasser und Reinigung | Druck- und Verfügbarkeitsprüfung, Ersatzversorgung |
| Beleuchtung | Tag-Nacht-Rhythmus und Studienbedingungen | Steuerungsprüfung, Ersatzbetrieb, Alarm bei Ausfall |
| Zugangskontrolle | Biosicherheit, Tierwohl und Dokumentation | Notzutritt, Berechtigungen, Besuchersteuerung |
| Hygiene- und Abfallprozesse | Vermeidung von Kontaminationen | Entsorgungswege, Reinigung, sichere Lagerung |
| Notstrom | Aufrechterhaltung lebenswichtiger Systeme | Lastpriorisierung, Tests, Laufzeitplanung |
| Umweltmonitoring | Nachweis stabiler Bedingungen | Sensorprüfung, Datenaufzeichnung, Alarmmanagement |
Koordination mit Tierpflegeteams
Der Kontinuitätsplan muss beschreiben, wie FM mit Tierpflegepersonal, Veterinärdiensten, Forschenden, Sicherheitsfunktionen, externen Dienstleistern und Universitätsleitung zusammenarbeitet. Die Rollen müssen eindeutig sein.
| Rolle | Hauptverantwortung im Ereignisfall |
|---|---|
| Facility Management | Technischer Betrieb, Störungsbehebung, Notversorgung, Koordination von Dienstleistern |
| Tierpflegepersonal | Laufende Beurteilung der Tiere und der Haltungsbedingungen |
| Veterinärdienst | Fachliche Bewertung von Tierwohl, Gesundheitsrisiken und Verlegungsbedarf |
| Forschende | Bewertung der Auswirkungen auf Studien und Versuchsanordnungen |
| Arbeitssicherheit und Biosicherheit | Bewertung von Gefahren, Zutrittsregeln und Kontaminationsrisiken |
| Sicherheitsdienst | Zugangskontrolle, Unterstützung außerhalb der Arbeitszeit |
| Externe Dienstleister | Reparatur, Ersatzteile, mobile Technik oder Spezialunterstützung |
| Universitätsleitung | Eskalation, Ressourcenfreigabe und strategische Entscheidungen |
Besonders wichtig sind Zugangsverfahren für Notfälle und Ereignisse außerhalb der regulären Arbeitszeit. FM-Techniker müssen wissen, welche Bereiche sie betreten dürfen, welche Hygieneregeln gelten, wann Begleitung erforderlich ist und wie Kontaminationen oder Stress für die Tiere vermieden werden. Umgekehrt müssen Tierpflegeteams wissen, wie technische Störungen gemeldet, priorisiert und nachverfolgt werden.
Notbetriebsbedingungen
FM sollte gemeinsam mit der Tierhausleitung Mindestbedingungen für den Notbetrieb definieren. Diese Mindestbedingungen müssen realistisch, messbar und praktisch überprüfbar sein.
Zu definieren sind insbesondere:
akzeptable Temperatur- und Feuchtebereiche;
Mindestanforderungen an Lüftung und Luftwechsel;
Anforderungen an Trinkwasserverfügbarkeit;
Anforderungen an Beleuchtungszyklen;
Hygienestandards bei eingeschränktem Betrieb;
Zugangsbeschränkungen und Begleitpflichten;
Notstromprioritäten;
Kriterien für zusätzliche Überwachung;
Kriterien für Verlegung, Bereichssperrung oder externe Unterstützung.
Umgebungsstabilität im Reinraum
Reinräume sind auf kontrollierte Luftqualität, Druckkaskaden, Temperatur, Luftfeuchte, Filtration, Reinigung, Zugangskontrolle und Partikelmanagement angewiesen. Schon geringe Abweichungen können Forschungsarbeiten, Herstellungsprozesse, Validierungen oder Kontaminationskontrollen beeinträchtigen. FM muss die technische Stabilität von Reinräumen daher als integrierte Aufgabe betrachten. Lüftung, Filtertechnik, Gebäudeautomation, Schleusen, Türen, Reinigungsprozesse und Nutzerverhalten wirken zusammen. Eine Störung an einem dieser Punkte kann die gesamte Reinraumfunktion gefährden. Deshalb müssen Betriebsparameter überwacht, Alarme eindeutig bewertet und Eingriffe mit der Reinraumleitung abgestimmt werden.
| Reinraumparameter | FM-relevante Kontrolle | Mögliche Auswirkung bei Abweichung |
|---|---|---|
| Luftqualität und Partikel | Filter, Luftwechsel, Monitoring | Kontamination, Verlust der Klassifizierung |
| Druckkaskaden | Drucksensoren, Türen, Schleusen | Rückströmung, unkontrollierter Partikeleintrag |
| Temperatur | Raumklima und Prozessanforderungen | Produkt- oder Probenbeeinträchtigung |
| Luftfeuchte | Klimatisierung, Entfeuchtung, Sensorik | elektrostatische Effekte, Materialschäden |
| Reinigung | Reinigungsintervalle, Freigabeprozesse | Kontaminationsrisiko |
| Zugangskontrolle | Zutrittsberechtigungen, Schleusenfunktion | unkontrollierter Eintritt, Fehlverhalten |
| Gebäudeautomation | Alarmierung, Trenddaten, Steuerung | verspätete Reaktion oder verdeckte Abweichung |
Ausfallszenarien
Der Kontinuitätsplan sollte typische Ausfallszenarien abdecken. Für jedes Szenario ist festzulegen, welche Sofortmaßnahmen erforderlich sind und wer die fachliche Freigabe erteilt.
| Ausfallszenario | Sofortige FM-Maßnahme | Entscheidungsbedarf |
|---|---|---|
| Verlust der Lüftung | Alarmprüfung, technische Analyse, Information der Reinraumleitung | Arbeitsstopp, Evakuierung, Neustartkriterien |
| Druckabweichung | Prüfung von Türen, Klappen, Sensoren und Lüftungsleistung | Sperrung, Reinigungsbedarf, Requalifizierung |
| Filterstörung | Filterstatus prüfen, Ersatzteilbedarf klären | Nutzungseinschränkung, Partikelmessung |
| Temperatur- oder Feuchteabweichung | Klimaanlage prüfen, Trenddaten auswerten | Prozessunterbrechung, Materialbewertung |
| Stromausfall | Notstromstatus prüfen, Wiederanlauf überwachen | kontrollierter Shutdown oder Wiederfreigabe |
| Ausfall der Zugangskontrolle | Notzutritt sichern, Zutritte dokumentieren | temporäre Sperrung oder manuelle Zugangskontrolle |
| Reinigungsunterbrechung | Reinigungskapazität klären, Sperrstatus prüfen | Nutzungsfreigabe erst nach Reinigung |
| Partikelereignis | Ursache untersuchen, Bereich sichern | Reinigung, Messung, formale Freigabe |
FM sollte auch Wechselwirkungen berücksichtigen. Ein Stromausfall kann die Lüftung, Schleusensteuerung, Monitoring-Systeme und Beleuchtung gleichzeitig betreffen. Eine Türstörung kann Druckverhältnisse verändern. Eine unterbrochene Reinigung kann die Nutzung auch dann einschränken, wenn die Technik funktioniert.
Zugangsbeschränkungen und Arbeitsstopp
FM muss gemeinsam mit der Reinraumleitung festlegen, wann Arbeiten im Reinraum zu stoppen sind, wann Nutzende den Bereich verlassen müssen, wann ein Wiedereintritt untersagt ist und wann ein Neustart eine technische Überprüfung oder Requalifizierung erfordert.
Ein Arbeitsstopp oder eine Zugangsbeschränkung ist insbesondere zu prüfen bei:
Verlust der Druckkaskade;
Ausfall der Lüftung oder Filtration;
nicht kontrollierbarer Temperatur- oder Feuchteabweichung;
Partikelereignis oder Kontaminationsverdacht;
Ausfall der Schleusenfunktion;
fehlender Reinigung oder unterbrochener Desinfektion;
unkontrolliertem Zutritt;
Stromausfall mit unklarer Systemstabilität.
Zugangsbeschränkungen dienen nicht nur der Sicherheit, sondern auch dem Schutz der Reinraumklassifizierung und der Forschungsergebnisse. Wenn Druckverhältnisse, Filtration oder Partikelkontrolle nicht gewährleistet sind, kann eine Fortsetzung der Arbeit größeren Schaden verursachen als eine geordnete Unterbrechung.
Neustart und Requalifizierung
Nach einer Reinraumstörung kann der normale Betrieb nicht automatisch wieder aufgenommen werden. Je nach Art und Dauer der Abweichung sind Systemstabilisierung, Reinigung, Spülbetrieb, Partikelmessung, Druckprüfung, Dokumentationsprüfung und formale Freigabe erforderlich. Die Anforderungen hängen von Nutzung, Reinraumklasse, Forschungsprozessen und internen Vorgaben ab.
Der Neustart sollte in kontrollierten Schritten erfolgen:
technische Ursache identifizieren und beheben;
Lüftung, Filter, Sensorik, Türen und Schleusen prüfen;
Betriebsparameter stabilisieren;
Reinigung oder Desinfektion durchführen, falls erforderlich;
Partikel-, Druck-, Temperatur- und Feuchtedaten prüfen;
Abweichungen dokumentieren;
fachliche Freigabe durch Reinraumverantwortliche einholen;
Nutzung kontrolliert wieder aufnehmen.
Verwundbarkeit von Langzeitexperimenten
Langzeitexperimente können über Wochen, Monate oder Jahre laufen. Sie sind häufig empfindlich gegenüber Temperatur, Luftfeuchte, Licht, Vibration, Wasserqualität, Stromstabilität, Gasversorgung, Lüftung oder Datenerfassungssystemen. Eine kurze Abweichung kann ausreichen, um Ergebnisse unbrauchbar zu machen oder die Vergleichbarkeit von Messreihen zu zerstören.
FM muss Langzeitexperimente deshalb frühzeitig identifizieren und in die Betriebsplanung integrieren. Besonders kritisch sind Experimente, die nicht unterbrochen, nicht wiederholt oder nicht ohne Datenverlust gestoppt werden können. Auch bauliche Maßnahmen, Wartungen, Prüfungen oder Medienabschaltungen können Risiken erzeugen, wenn sie nicht mit den Forschungszeitplänen abgestimmt sind.
| Empfindlichkeit | Beispielhafte FM-Auswirkung | Kontinuitätsmaßnahme |
|---|---|---|
| Temperatur | Klimaanlagenstörung verfälscht Messwerte | Grenzwerte, Alarmierung, mobile Kühlung |
| Luftfeuchte | Material- oder Probenveränderung | Feuchteüberwachung, Ersatzbetrieb |
| Licht | Störung von Pflanzen-, Tier- oder Materialversuchen | Steuerungsprüfung, Notbeleuchtungskonzept |
| Vibration | Beeinträchtigung empfindlicher Messgeräte | Baukoordination, Einschränkung schwerer Arbeiten |
| Wasserqualität | Veränderung von Versuchsbedingungen | Monitoring, Ersatzversorgung, Filtermanagement |
| Stromstabilität | Datenverlust oder Geräteausfall | USV, Notstrom, kontrollierter Shutdown |
| Gasversorgung | Prozessunterbrechung | Mindestbestände, Lieferanteneskalation |
| Datenerfassung | Verlust von Messreihen | IT-Abstimmung, Backup, Alarmierung |
Kritikalitätsregister
FM sollte ein aktuelles Register der Langzeitexperimente führen, soweit dies organisatorisch und datenschutzrechtlich zulässig ist. Dieses Register sollte technische Abhängigkeiten, verantwortliche Kontakte, Toleranzgrenzen, Eingriffsregeln im Notfall und Einschränkungen für geplante Abschaltungen enthalten. Es sollte nicht als wissenschaftliche Projektdokumentation dienen, sondern als betriebliche Grundlage für Kontinuität und Risikosteuerung.
| Registerfeld | Zweck |
|---|---|
| Standort und Raum | schnelle Identifikation des betroffenen Bereichs |
| Projekt- oder Anlagenbezeichnung | Zuordnung zu Forschungseinheit oder Gerät |
| verantwortliche Kontaktpersonen | Eskalation im Ereignisfall |
| technische Abhängigkeiten | Strom, Klima, Gase, Wasser, IT, Lüftung |
| Toleranzgrenzen | Bewertung, wann ein kritischer Zustand erreicht ist |
| zulässige FM-Eingriffe | Klarheit bei Notfalleinsätzen |
| Einschränkungen für Abschaltungen | Schutz vor geplanten Unterbrechungen |
| Ersatzmaßnahmen | verfügbare Alternativen oder Notverfahren |
| Aktualisierungsdatum | Sicherstellung aktueller Informationen |
Da sich Forschungsaktivitäten häufig ändern, muss das Register regelmäßig überprüft werden. Neue Projekte, veränderte Laborflächen, zusätzliche Geräte oder geänderte Versuchsanordnungen können neue Abhängigkeiten schaffen. Ohne aktuelle Informationen kann FM kritische Risiken nicht zuverlässig erkennen.
Koordination geplanter Abschaltungen
Wartungen, Bauarbeiten, technische Prüfungen, Medienunterbrechungen und Anlagenabschaltungen müssen mit den Forschungszeitplänen abgestimmt werden. Vor jeder geplanten Abschaltung sollte eine Forschungsfolgenprüfung stattfinden. Dabei ist zu klären, welche Labore, Experimente, Kühlanlagen, Server, Reinräume oder Versorgungssysteme betroffen sind.
Vor einer geplanten Abschaltung sollte FM prüfen:
welche Gebäude, Räume und Anlagen betroffen sind;
welche Forschungsbereiche abhängig sind;
ob Langzeitexperimente betroffen sind;
ob Tiefkühlschränke, Tierhaltung, Reinräume oder Serverräume betroffen sind;
ob Ersatzversorgung oder Überbrückung erforderlich ist;
ob ein alternatives Zeitfenster notwendig ist;
wer die Abschaltung fachlich freigibt;
wie Beginn, Verzögerung und Abschluss kommuniziert werden;
welche Wiederanlaufkontrollen erforderlich sind.
Grenzen von Notfalleingriffen
Der Kontinuitätsplan muss festlegen, was FM-Personal in Forschungsbereichen während eines Notfalls eigenständig tun darf und wann eine Freigabe durch Forschende, Laborleitungen oder Sicherheitsfunktionen erforderlich ist. Diese Abgrenzung schützt Experimente, Proben und Mitarbeitende.
| Situation | FM-Handlung | Freigabe erforderlich? |
|---|---|---|
| akuter Wassereintritt | Wasser stoppen, Stromgefahr prüfen, Bereich sichern | fachliche Information sofort, Eingriff meist unmittelbar |
| Brand- oder Rauchgefahr | Alarmieren, Evakuierung unterstützen, Gefahrenbereich sichern | Sicherheits- und Einsatzleitung entscheidet |
| Stromausfall | Notstromstatus prüfen, kritische Lasten bewerten | bei Geräteabschaltung Abstimmung mit Forschung oder IT |
| empfindliches Gerät betroffen | nicht eigenständig öffnen oder bewegen | Freigabe durch verantwortliche Einheit |
| Probenlager betroffen | technische Sicherung unterstützen | Probentransfer nur nach definiertem Verfahren |
| kontaminationssensibler Bereich | Zugang nur nach Regelung | Begleitung oder Freigabe erforderlich |
In manchen Situationen ist ein sofortiger technischer Eingriff notwendig. In anderen Fällen kann ein uninformierter Eingriff Schäden verursachen, zum Beispiel durch Öffnen empfindlicher Anlagen, Verschieben von Proben, Abschalten von Geräten oder Betreten kontaminationssensibler Bereiche. FM benötigt daher klare Zutrittsregeln, Notfallkontakte und Handlungsanweisungen für kritische Forschungsbereiche.
Serverräume als kritische FM-IT-Infrastruktur
Serverräume, Forschungsdatenräume, lokale Rechencluster und Hochleistungsrechenbereiche hängen von Strom, Kühlung, Brandschutz, Zugangskontrolle, Leckageschutz, Überwachung und Kommunikationsnetzen ab. Sie sind nicht nur IT-Flächen, sondern gemeinsame kritische Infrastruktur von IT und Facility Management.
Ein Ausfall kann Forschungsdaten, Messsysteme, Simulationen, Laborautomatisierung, Gebäudeautomation oder digitale Sicherheitsprozesse beeinträchtigen. FM muss deshalb eng mit der IT abstimmen, welche Räume und Systeme priorisiert werden, welche Umgebungsbedingungen einzuhalten sind und wie Störungen eskaliert werden.
| Verantwortungsbereich | Facility Management | IT |
|---|---|---|
| Stromversorgung | Verteilungen, Notstrom, USV-Schnittstellen, Wartung | Lastinformationen, Shutdown-Anforderungen |
| Kühlung | Kälteanlagen, Luftführung, Raumtemperatur, Alarmierung | Wärmelasten, Rack-Dichte, kritische Systeme |
| Brandschutz | Detektion, baulicher Brandschutz, Schnittstellen zu Löschsystemen | Schutzanforderungen für Geräte und Daten |
| Zugang | Zutrittsinfrastruktur, Notzutritt, Gebäudesicherheit | Berechtigungen, Freigaben, sensible Systeme |
| Monitoring | Gebäudeautomation, Leckage- und Temperaturalarme | Servermonitoring, Netzwerkalarme |
| Wiederanlauf | technische Raumfreigabe | Systemprüfung und Datenintegrität |
Anforderungen an Kühlung und Stromversorgung
FM und IT sollten gemeinsam Temperaturgrenzen, USV-Kapazitäten, Notstromversorgung, Kühlungsredundanz, Abschaltsequenzen, mobile Kühloptionen und Alarmketten definieren. Dabei ist zu beachten, dass Serverräume bei Kühlungsausfall sehr schnell kritische Temperaturen erreichen können. Eine stabile Stromversorgung allein genügt nicht, wenn die Wärme nicht abgeführt wird.
Zu dokumentieren sind insbesondere:
zulässige Temperatur- und Feuchtebereiche;
tatsächliche elektrische Lasten;
Kühlleistungsbedarf und Redundanzen;
USV-Autonomie und Batteriezustand;
Notstromabdeckung und Prioritäten;
Reihenfolge eines kontrollierten Shutdowns;
mobile Kühlmöglichkeiten;
Alarmempfänger und Eskalationszeiten;
Wiederanlaufverfahren nach Strom- oder Kühlungsausfall.
Brand-, Wasser- und Zugangsrisiken
Der Kontinuitätsplan muss Branddetektion, Schnittstellen zu Lösch- oder Unterdrückungssystemen, Rauchmanagement, Leckageschutz, Entwässerungsrisiken, Rohrleitungen über kritischen Bereichen, Zugangsberechtigungen und Notzutritt berücksichtigen. Wasser ist in Serverräumen ein besonders kritisches Risiko, auch wenn die Quelle außerhalb des Raums liegt.
| Risiko | Mögliche Ursache | FM-Kontrolle |
|---|---|---|
| Brand | elektrische Fehler, Überlastung, defekte Komponenten | Detektion, Wartung, Lastprüfung, Brandschutzkonzept |
| Rauch | Schmorstellen, externe Brandereignisse | Rauchmelder, Alarmierung, Abschottung |
| Wasser | Kondensat, Rohrbruch, Dachleckage, Reinigung | Leckagesensoren, Rohrleitungsprüfung, Ablaufkontrolle |
| unbefugter Zutritt | fehlende Zutrittskontrolle oder Notöffnung | Berechtigungskonzept, Protokollierung |
| blockierter Zugang | verschlossene Türen, fehlende Schlüssel, falsche Berechtigungen | Notzutrittsregelung, Sicherheitsdienstanweisung |
| ungeplante Abschaltung | Wartungsfehler oder unklare Zuständigkeit | Freigabeprozess, Schaltanweisung, Kommunikation |
FM sollte regelmäßig prüfen, ob wasserführende Leitungen, Kondensatabläufe, Dachflächen, angrenzende Technikräume oder Reinigungsprozesse Risiken erzeugen. Zutrittsregeln müssen gleichzeitig Sicherheit und schnelle Störungsreaktion ermöglichen.
Wechselwirkungen zwischen Daten und Gebäudesystemen
Moderne FM-Systeme hängen zunehmend von IT-Netzen, Servern, Cloud-Diensten und Kommunikationsplattformen ab. Gleichzeitig sind IT-Räume auf FM-Infrastruktur wie Strom, Kühlung, Brandschutz und Zugang angewiesen. Diese gegenseitigen Abhängigkeiten müssen im Kontinuitätsplan berücksichtigt werden.
Beispiele für kritische Wechselwirkungen sind:
Gebäudeautomation benötigt Netzwerk- und Serververfügbarkeit;
Zutrittssysteme benötigen Strom, Netzwerk und Datenbanken;
Alarmserver benötigen IT-Infrastruktur und Kommunikationswege;
CAFM-Systeme benötigen Datenzugang für Störungsbearbeitung;
Telefonie und Funk können für Notfallkoordination erforderlich sein;
IT-Räume benötigen FM-Leistungen für Strom, Kühlung und physische Sicherheit.
Kritische Laborversorgungen
Die Kontinuität von Laboren hängt von technischen Gasen, Flüssigstickstoff, Trockeneis, Chemikalien, Filtern, Desinfektionsmitteln, Wasseraufbereitungsmedien, persönlicher Schutzausrüstung, Ersatzteilen, Verbrauchsmaterialien und spezialisierten Wartungsleistungen ab. Viele dieser Ressourcen sind für den laufenden Forschungsbetrieb unverzichtbar. FM sollte gemeinsam mit Laborleitungen und Beschaffung identifizieren, welche Versorgungen kritisch sind und welche Mindestbestände erforderlich sind.
| Kritische Versorgung | Bedeutung für den Forschungsbetrieb | FM- oder Logistikmaßnahme |
|---|---|---|
| technische Gase | Prozesse, Zellkultur, Analysegeräte | Lieferverträge, Flaschenmanagement, Drucküberwachung |
| Flüssigstickstoff | Kryolagerung, Probenschutz | Füllstandsüberwachung, Notlieferung, Sicherheitsregeln |
| Trockeneis | Probentransport, Notkühlung | Mindestbestand, Lieferantenkontakt, Lagerregelung |
| Chemikalien | Experimente, Reinigung, Analytik | Lagerung, Gefahrstoffprozesse, Ersatzbeschaffung |
| Filter und Medien | Wasseraufbereitung, Lüftung, Laborgeräte | Ersatzteilbestand, Wartungsplanung |
| Desinfektionsmittel | Hygiene und Kontaminationskontrolle | Mindestbestand, Freigabe geeigneter Produkte |
| persönliche Schutzausrüstung | sicherer Laborbetrieb | Bestandskontrolle, Nachlieferung |
| Ersatzteile | schnelle Wiederherstellung technischer Anlagen | kritische Ersatzteilliste, Lagerstrategie |
| Spezialwartung | Geräte- und Anlagenverfügbarkeit | Serviceverträge, Eskalationskontakte |
Notfall-Lieferketten
FM sollte kritische Lieferanten, Lieferwege, Zugang außerhalb der Arbeitszeiten, Mindestlagerbestände, Notbestellverfahren und Ersatzanbieter dokumentieren. Einzelquellenabhängigkeiten sind besonders zu prüfen. Wenn ein bestimmtes Gas, Ersatzteil oder Wartungsunternehmen nur über einen Anbieter verfügbar ist, muss dieses Risiko bekannt und bewertet sein.
Eine belastbare Notfall-Lieferkette sollte enthalten:
definierte kritische Artikel und Mindestbestände;
primäre und alternative Lieferanten;
Notfallkontakte außerhalb regulärer Geschäftszeiten;
Lieferzeiten und Eskalationswege;
Zugang zu Gelände, Ladezonen und Warenannahme;
Freigabeprozesse für Eilbestellungen;
sichere Lagerorte;
Regeln für Gefahrstoffe, Gase und kryogene Medien;
Dokumentation von Lieferung, Übergabe und Verwendung.
Koordination von Lieferung und Zugang
Laborlieferungen erfordern häufig kontrollierten Zugang, sichere Lagerung, Temperaturführung, Gefahrstoffkennzeichnung oder geschützte Übergabe. FM muss Ladezonen, Warenannahme, interne Transportwege, Aufzüge, Zutrittsberechtigungen und Notfalllieferungen koordinieren. Besonders bei Flüssigstickstoff, Trockeneis, Gasflaschen oder Gefahrstoffen sind Sicherheits- und Lageranforderungen zu beachten.
| Logistikpunkt | FM-Anforderung |
|---|---|
| Ladezonen | freie Zufahrt, Sicherheitsabstand, Beschilderung |
| Warenannahme | berechtigte Annahme, Dokumentation, Weiterleitung |
| interne Transportwege | sichere Wege, geeignete Aufzüge, keine Blockierung von Fluchtwegen |
| Zugang zu Laborbereichen | Berechtigungen, Begleitung, Hygieneregeln |
| Zwischenlagerung | geeignete Temperatur, Sicherheit, Kennzeichnung |
| Gefahrstoffübergabe | Einhaltung von Sicherheits- und Dokumentationspflichten |
| Notfalllieferungen | klare Kontakte, Zugang außerhalb der Arbeitszeit |
| Rückverfolgbarkeit | Nachweis von Lieferung, Empfänger und Lagerort |
Forschungsbasierte Lastpriorisierung
Notstrom muss nach Sicherheits- und Forschungskritikalität zugewiesen werden. Kritische Lasten können Tiefkühlschränke, Tierhaltungsbereiche, Reinräume, Serverräume, Umweltmonitoring, Sicherheitssysteme, ausgewählte Laborgeräte und Kommunikationssysteme umfassen. Nicht jede Anlage kann automatisch gleichrangig versorgt werden.
FM sollte gemeinsam mit Forschungseinheiten, IT, Sicherheitsfunktionen und Universitätsleitung eine klare Lastpriorisierung festlegen. Diese Priorisierung muss transparent dokumentiert sein und regelmäßig überprüft werden.
| Prioritätsstufe | Typische Lasten | Begründung |
|---|---|---|
| Priorität 1 | Sicherheitsanlagen, Brandmeldeanlagen, kritische Kommunikation, Tierhaltung, ausgewählte Lüftung | Schutz von Leben, Sicherheit und Tierwohl |
| Priorität 2 | Tiefkühlung, Kryolager, Serverräume, Umweltmonitoring | Schutz unersetzlicher Proben und Forschungsdaten |
| Priorität 3 | Reinräume, ausgewählte Laborgeräte, Prozessanlagen | Schutz kontrollierter Forschungsbedingungen |
| Priorität 4 | unterstützende Labor- und Gebäudefunktionen | Aufrechterhaltung eingeschränkter Betriebsfähigkeit |
| nicht priorisiert | Komfortlasten, nicht kritische Steckdosen, allgemeine Nutzlasten | Abschaltbar bei begrenzter Kapazität |
Diese Einteilung muss objektbezogen geprüft werden. Je nach Forschungsprofil kann ein System in einem Gebäude höher priorisiert sein als in einem anderen.
Kapazitäts- und Laufzeitplanung
FM muss Generatorleistung, USV-Autonomie, Kraftstoffvorräte, Betankungsmöglichkeiten, Einspeisepunkte, Lastabwurf, Wartung und realistische Laufzeiten bewerten. Annahmen zur Kapazität müssen dokumentiert und getestet werden. Entscheidend ist nicht nur die installierte Leistung, sondern die tatsächlich verfügbare Leistung unter realen Betriebsbedingungen.
Für eine belastbare Notstromplanung sind folgende Punkte erforderlich:
aktuelle Lastlisten;
Messung realer Betriebs- und Anlaufströme;
dokumentierte Generatorleistung;
dokumentierte USV-Autonomie;
Kraftstoffvorrat und Nachbetankungskonzept;
Lastabwurfplan;
Priorisierung kritischer Forschungslasten;
regelmäßige Testläufe unter Last;
Wartungsnachweise;
Eskalationskontakte für Stromausfälle;
Kommunikationsplan bei längeren Ausfällen.
| Element | Mindestanforderung |
|---|---|
| mobile Generatoren | bekannte Leistung, Verfügbarkeit, Lieferzeit |
| Einspeisepunkte | geprüft, zugänglich, gekennzeichnet |
| Kabelwege | sicher, geschützt, keine unzulässige Behinderung von Fluchtwegen |
| Anschlussfreigabe | nur durch befugtes Fachpersonal |
| Lastgrenzen | dokumentiert und vor Anschluss geprüft |
| Prioritäten | Reihenfolge der anzuschließenden Lasten festgelegt |
| Sicherheit | Erdung, Brandschutz, Lärmschutz, Abgase berücksichtigt |
| Testbetrieb | regelmäßige Übung oder Funktionsprüfung |
FM sollte sicherstellen, dass Einspeisepunkte technisch geeignet, zugänglich und gekennzeichnet sind. Verantwortliche müssen wissen, welche Lasten angeschlossen werden dürfen, welche Reihenfolge gilt und wer den Anschluss freigibt. Improvisierte Lösungen im Ernstfall erhöhen technische und sicherheitsbezogene Risiken.
Verantwortungsmodell
Forschungskritische Kontinuität erfordert klare Verantwortlichkeiten zwischen FM, Forschenden, Instituten, Laborleitungen, Tierhaltungsmanagement, IT, Sicherheitsfunktionen, Beschaffung und Dienstleistern. Ohne eindeutiges Verantwortungsmodell entstehen im Notfall Verzögerungen, Doppelarbeit oder riskante Entscheidungen.
Ein geeignetes Modell beschreibt, wer Risiken meldet, wer Kritikalität bewertet, wer technische Maßnahmen plant, wer Notfallentscheidungen trifft und wer die Wiederfreigabe von Bereichen verantwortet.
| Aufgabe | Hauptverantwortung | Beteiligte Schnittstellen |
|---|---|---|
| Identifikation kritischer Bereiche | Forschungseinheiten und FM | Laborleitungen, IT, Tierhaus, Reinraumleitung |
| technische Risikoanalyse | FM | Arbeitssicherheit, IT, externe Dienstleister |
| Bewertung wissenschaftlicher Folgen | Forschungseinheiten | FM, Institutsleitung, Projektleitung |
| Notfallentscheidung | definierte Einsatz- oder Krisenstruktur | FM, Sicherheit, Forschung, Universitätsleitung |
| technische Wiederherstellung | FM | Dienstleister, IT, Gebäudebetrieb |
| fachliche Wiederfreigabe | zuständige Fachverantwortliche | FM, Sicherheit, Forschung |
| Dokumentation und Nachverfolgung | FM und zuständige Bereiche | Qualitätsmanagement, Compliance, Leitung |
Dokumentation
Die Dokumentation muss kritische Forschungsbereiche, Kontaktlisten, technische Abhängigkeiten, Alarmgrenzen, Notstromabdeckung, Ersatzlagerung, Lieferantenkontakte und Störungsaufzeichnungen enthalten. Sie sollte so strukturiert sein, dass sie im Ereignisfall schnell genutzt werden kann. Eine umfangreiche, aber unübersichtliche Dokumentation hilft im Notfall wenig.
| Dokument | Inhalt | Aktualisierung |
|---|---|---|
| Kritikalitätsregister | kritische Räume, Experimente, Anlagen, Kontakte | regelmäßig und bei Änderungen |
| Alarm- und Eskalationsplan | Alarmgrenzen, Empfänger, Reaktionszeiten | nach Personal- oder Prozessänderungen |
| Notstromplan | Lasten, Prioritäten, Einspeisepunkte, Laufzeiten | nach Tests, Umbauten oder Laständerungen |
| Ersatzlagerplan | freie Kapazitäten, Zugang, Verantwortliche | regelmäßig und nach Belegung |
| Lieferantenliste | kritische Lieferanten, Notkontakte, Ersatzanbieter | mindestens regelmäßig und nach Vertragswechsel |
| Raum- und Anlagenpläne | technische Systeme, Absperrungen, Zugang | nach Umbauten oder Anlagenänderungen |
| Störungsprotokolle | Ursache, Reaktion, Dauer, Maßnahmen | nach jedem Ereignis |
| Wiederfreigabeprotokolle | technische und fachliche Freigabe | nach Störungen oder Abschaltungen |
Überprüfung und Verbesserung
Kontinuitätsmaßnahmen müssen nach Zwischenfällen, geplanten Abschaltungen, technischen Ausfällen, Forschungsänderungen, Audits oder neuen Laborinstallationen überprüft werden. Jede Störung bietet die Möglichkeit, Schwachstellen zu erkennen und Prozesse zu verbessern. Entscheidend ist, dass Erkenntnisse nicht nur besprochen, sondern in konkrete Maßnahmen überführt werden.
FM sollte folgende Review-Mechanismen einführen:
regelmäßige Alarmtests;
Notstromtests unter realistischen Bedingungen;
Übungen für Probentransfer und Ersatzlagerung;
Nachbesprechungen nach Störungen;
Aktualisierung von Kontakt- und Eskalationslisten;
Überprüfung von Wartungs- und Lieferantenverträgen;
gemeinsame Reviews mit Forschung, IT, Tierhaus und Reinraumleitung;
Dokumentation von Lessons Learned;
Nachverfolgung offener Maßnahmen bis zur Umsetzung.
| Auslöser für Review | Ziel der Überprüfung |
|---|---|
| technische Störung | Ursachenanalyse und Verbesserung der Reaktion |
| geplanter Shutdown | Prüfung der Kommunikation und Auswirkungen |
| Alarmtest | Sicherstellung der Alarmweiterleitung |
| Notstromtest | Prüfung von Laufzeit, Lasten und Umschaltung |
| Audit | Nachweis von Steuerung, Dokumentation und Compliance |
| neue Forschungsanlage | Bewertung neuer Abhängigkeiten |
| Personalwechsel | Aktualisierung von Rollen und Kontakten |
| bauliche Änderung | Anpassung von Plänen, Zugang und Technik |
Lessons Learned sollten zu aktualisierten Verfahren, angepassten Verträgen, verbesserten Alarmwegen, technischen Investitionen, Schulungen oder klareren Kommunikationsstrukturen führen. Forschungskritische Kontinuität ist kein statisches Dokument, sondern ein fortlaufender Managementprozess, der sich mit der Forschungslandschaft, der Technik und den institutionellen Anforderungen weiterentwickelt.
