Brandschutzorganisation als dauerhafte Aufgabe des Hochschulbetriebs
Brandschutz ist auf einem Hochschulcampus nicht allein eine Frage baulicher Einrichtungen und technischer Anlagen. Entscheidend ist, dass baulicher, anlagentechnischer und organisatorischer Brandschutz im laufenden Betrieb zusammenwirken. Gerade Hochschulen stellen dabei besondere Anforderungen: hohe Personenwechsel, öffentliche Veranstaltungen, Labore, Werkstätten, Bibliotheken, technische Sonderbereiche und häufige Umbaumaßnahmen treffen auf eine teilweise dezentrale Organisationsstruktur.
Die Brandschutzorganisation muss deshalb gewährleisten, dass die vorgesehenen Schutzmaßnahmen auch unter realen Betriebsbedingungen funktionieren. Die Arbeitsstättenverordnung fordert Feuerlöscheinrichtungen sowie – abhängig von Nutzung und Gefährdung – erforderlichenfalls Brandmelde- und Alarmierungsanlagen.
Rollen und Verantwortlichkeiten eindeutig festlegen
Eine funktionierende Brandschutzorganisation benötigt nachvollziehbare Zuständigkeiten.
Funktion
Typische Aufgabe
Hochschulleitung / Betreiber
Gesamtorganisation und Bereitstellung erforderlicher Strukturen
Facility Management
Umsetzung und Überwachung des gebäudebezogenen Brandschutzes
Brandschutzbeauftragte
Fachliche Beratung, Kontrolle und Unterstützung
Gebäudeverantwortliche
Umsetzung organisatorischer Vorgaben im jeweiligen Bereich
Brandschutzhelfer
Unterstützung beim betrieblichen Brandschutz und im Brandfall
Nutzer und Institute
Einhaltung der Vorgaben und Meldung von Veränderungen
Fremdfirmen
Beachtung der standortbezogenen Brandschutzregeln
Brandschutzbeauftragte übernehmen dabei grundsätzlich eine beratende und unterstützende Funktion; ihre Bestellung ersetzt nicht automatisch die Verantwortung der Leitung oder anderer verantwortlicher Stellen.
Brandschutz in die FM-Prozesse integrieren
Für das Facility Management sollte Brandschutz nicht als isolierte Dokumentationsaufgabe behandelt werden. Relevante Prozesse sind insbesondere:
Kontrolle und Freihaltung von Flucht- und Rettungswegen,
Funktionssicherung von Brandschutz- und Rauchschutztüren,
Überwachung von Brandmelde-, Alarmierungs- und Löschanlagen,
Management von Abschaltungen und vorübergehenden Außerbetriebnahmen,
Freigabe und Überwachung von Heißarbeiten,
brandschutztechnische Bewertung von Umbauten und Nutzungsänderungen,
Einweisung und Koordination von Fremdfirmen,
Berücksichtigung von Veranstaltungen und erhöhten Personenzahlen,
regelmäßige Unterweisung und Ausbildung von Brandschutzhelfern,
Dokumentation und Nachverfolgung festgestellter Mängel.
Hochschulspezifische Risiken berücksichtigen
Besondere Aufmerksamkeit benötigen Bereiche, in denen die üblichen Standardmaßnahmen nicht ausreichen. Dazu gehören beispielsweise:
chemische und biologische Laborbereiche,
Gefahrstoff- und Gaslager,
Werkstätten,
Großgeräte- und Versuchsanlagen,
Archive und Sammlungen,
Server- und Technikräume,
Hörsäle und Veranstaltungsflächen,
Gebäude mit großen oder ortsunkundigen Besuchergruppen.
Die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen müssen sich an der tatsächlichen Nutzung, der vorhandenen Brandgefährdung und der Zahl anwesender Personen orientieren.
Veränderungen systematisch beherrschen
Ein wesentliches Risiko im Hochschulbetrieb entsteht durch schleichende Veränderungen: Ein Seminarraum wird zum Lager, zusätzliche Geräte werden in Laboren installiert, Fluchtwege durch Möblierung eingeengt oder technische Anlagen während einer Baumaßnahme außer Betrieb genommen.
Eine wirksame Brandschutzorganisation verbindet deshalb Brandschutz mit CAFM, Prüfmanagement, Fremdfirmenmanagement, Veranstaltungsmanagement, Umbauprozessen und Betreiberverantwortung. Abweichungen müssen erkannt, bewertet, mit Fristen versehen und bis zur nachweislichen Erledigung verfolgt werden.
Damit wird Brandschutz von einer formalen Pflicht zu einem kontinuierlichen Bestandteil des sicheren Hochschulbetriebs.