Hybride Arbeit und Desksharing
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Hybride Arbeit und Desksharing
Hybride Arbeit und Desksharing sind wichtige Instrumente im universitären Facility Management, weil sie Büroflächen flexibler nutzbar machen und auf veränderte Anwesenheitsmuster reagieren. Universitäten arbeiten heute mit digitalen Verwaltungsprozessen, teilweiser mobiler Arbeit, projektbezogenen Teams, befristeten Beschäftigungsverhältnissen, wechselnden Präsenzzeiten und begrenzten Campusflächen. Für das Facility Management bedeutet dies jedoch nicht, Büroflächen einfach zu reduzieren oder Arbeitsplätze beliebig zu teilen. Hybride Arbeit und Desksharing müssen als gesteuertes Flächen-, Service- und Organisationskonzept verstanden werden, das Buchungssysteme, Teamkoordination, Homeoffice-Schnittstellen, Arbeitsplatzstandards, Datenschutz, Nutzerakzeptanz, Change Management, Reinigungsprozesse, technische Ausstattung, Lager- und Schließfachkonzepte sowie die langfristige Immobilienstrategie der Universität umfasst. Ziel ist eine Arbeitsumgebung, die Flächen effizient nutzt und zugleich Verwaltungs-, Forschungs- und Unterstützungsprozesse zuverlässig unterstützt.
Hybride Arbeitsmodelle im Hochschulumfeld
- Strategische Relevanz im universitären Campus- und Immobilienmanagement
- Desksharing als Facility-Management-Konzept
- Buchungssysteme und Arbeitsplatzreservierung
- Teamtage und Präsenzkoordination
- Homeoffice-Schnittstellen
- Arbeitsplatzstandards für gemeinsam genutzte Umgebungen
- Change Management
- Akzeptanz und Nutzervertrauen
Strategische Relevanz im universitären Campus- und Immobilienmanagement
Hybride Arbeit und Desksharing haben eine strategische Bedeutung für das Campus- und Immobilienmanagement von Universitäten. Sie beeinflussen nicht nur einzelne Büroräume, sondern die gesamte Flächenplanung, Investitionsstrategie, Betriebsorganisation und Zukunftsfähigkeit des Campus. Besonders in Hochschulen mit begrenzten Entwicklungsflächen, wachsenden Verwaltungsanforderungen und wechselnden Projektstrukturen kann Desksharing helfen, vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen.
| Dimension | Bedeutung |
|---|---|
| Flächenoptimierung | Desksharing reduziert die Diskrepanz zwischen dauerhaft zugewiesenen Arbeitsplätzen und der tatsächlichen Auslastung. Viele Büroarbeitsplätze sind nicht täglich belegt, weil Mitarbeitende in Teilzeit arbeiten, an anderen Standorten tätig sind, in Besprechungen teilnehmen oder im Homeoffice arbeiten. Das Facility Management kann durch Belegungsanalysen erkennen, welche Flächen dauerhaft benötigt werden und welche Bereiche effizienter als gemeinsam genutzte Arbeitsplatzpools organisiert werden können. |
| Portfolioflexibilität | Flexible Arbeitsplatzmodelle unterstützen Konsolidierungen, Sanierungsphasen, temporäre Umzüge und die Umnutzung von Büroflächen. Wenn Arbeitsplätze nicht ausschließlich personenbezogen geplant werden, lassen sich Gebäudeabschnitte leichter modernisieren, zusammenlegen oder für neue Nutzungen vorbereiten. Dies ist besonders wichtig, wenn Universitäten mit laufendem Betrieb umbauen oder Flächen vorübergehend anders belegen müssen. |
| Organisatorische Modernisierung | Hybride Arbeit passt zu digitalen Prozessen, flexiblen Verwaltungsstrukturen und veränderten akademischen Unterstützungsfunktionen. Das Facility Management stellt dafür nicht nur Räume bereit, sondern unterstützt eine moderne Arbeitsorganisation mit standardisierten Arbeitsplätzen, Besprechungsbereichen, Rückzugszonen und digital unterstützten Buchungsprozessen. |
| Kostenkontrolle | Richtig umgesetzt kann Desksharing Betriebs- und Ausstattungskosten senken, doppelte Möblierung vermeiden und den Bedarf an zusätzlichen Büroflächen reduzieren. Einsparungen entstehen jedoch nur, wenn die Flächenplanung realistisch ist, die Ausstattung standardisiert wird und keine informellen Nebenlösungen entstehen, etwa zusätzliche private Ablageflächen oder nicht genehmigte Reservierungen. |
| Campusresilienz | Flexible Arbeitsplatzmodelle erhöhen die Reaktionsfähigkeit des Campus bei schwankenden Anwesenheitsmustern, organisatorischen Veränderungen und projektbezogener Personalplanung. Das Facility Management kann Büroflächen schneller an neue Anforderungen anpassen, ohne bei jeder Veränderung bauliche Maßnahmen oder umfangreiche Umzüge auslösen zu müssen. |
Aus Sicht des Facility Managements sollte die Einführung von hybrider Arbeit und Desksharing immer mit einer strategischen Bestandsaufnahme beginnen. Dazu gehören aktuelle Belegungsdaten, Arbeitsplatztypen, Organisationseinheiten, Datenschutzanforderungen, Gebäudezustand, IT-Infrastruktur, Serviceprozesse und geplante bauliche Maßnahmen. Auf dieser Grundlage kann die Universität entscheiden, welche Bereiche für Desksharing geeignet sind, welche Flächen weiterhin fest zugeordnet bleiben müssen und welche Qualitätsstandards verbindlich gelten.
Ein strategisch wirksames Konzept benötigt außerdem messbare Ziele. Dazu können eine bessere Flächenauslastung, geringere Leerstände, mehr Flexibilität bei Umzügen, höhere Arbeitsplatzqualität, verbesserte Zusammenarbeit oder eine Reduzierung des langfristigen Flächendrucks gehören. Wichtig ist, dass die Ziele nicht ausschließlich auf Einsparungen ausgerichtet sind. Ein zu stark verdichtetes Konzept kann zu Akzeptanzproblemen, Konflikten und Produktivitätsverlusten führen. Professionelles Facility Management balanciert daher Effizienz, Nutzerkomfort, betriebliche Stabilität und institutionelle Ziele.
Desksharing als Facility-Management-Konzept
Desksharing bedeutet, dass Arbeitsplätze nicht dauerhaft einzelnen Mitarbeitenden zugewiesen werden, sondern entsprechend der tatsächlichen Anwesenheit, des funktionalen Bedarfs, definierter Buchungsregeln und organisatorischer Vereinbarungen genutzt werden. In Universitäten eignet sich dieses Modell besonders für Tätigkeiten mit wechselnder Campuspräsenz. Weniger geeignet ist es für Rollen, die dauerhaft vertrauliche Unterlagen bearbeiten, spezielle technische Ausstattung benötigen oder kontinuierlich vor Ort verfügbar sein müssen.
Desksharing ist kein reines Möbel- oder Raumkonzept. Es ist ein Betriebsmodell. Das Facility Management muss festlegen, welche Arbeitsplatztypen angeboten werden, wie Buchung und Nutzung geregelt sind, welche Ausstattung vorhanden ist, wie persönliche Arbeitsmittel gelagert werden und wie Reinigung, Wartung und Störungsmeldung funktionieren. Ohne solche Regeln entsteht schnell Unsicherheit: Arbeitsplätze werden informell blockiert, persönliche Gegenstände bleiben liegen, Teams verlieren räumliche Orientierung und Serviceprozesse werden schwer planbar.
| Eignungskategorie | Typische Beispiele in Universitäten | FM-Auswirkung |
|---|---|---|
| Hohe Eignung | Projektmitarbeitende, Verwaltungsrollen mit anteiliger mobiler Arbeit, mobile FM-Planer, zentrale Services mit digitalen Arbeitsabläufen. | Gemeinsame Arbeitsplatzpools können mit standardisierter Ausstattung, klaren Buchungsregeln, Schließfachlösungen und definierten Teamzonen geplant werden. Für diese Gruppen ist Desksharing in der Regel gut geeignet, sofern die technische Ausstattung zuverlässig funktioniert und ausreichende Verfügbarkeit gesichert ist. |
| Bedingte Eignung | Wissenschaftliche Mitarbeitende, Fakultätsverwaltungen, Beratungsstellen, Forschungskoordination, Rollen mit wechselnden Besprechungs- und Konzentrationsphasen. | Das Facility Management muss Vertraulichkeit, Ablagebedarf, Beratungsanforderungen, Teampräsenz und Nutzungsrhythmen sorgfältig prüfen. Oft ist eine Mischform sinnvoll, zum Beispiel ein gemeinsamer Arbeitsplatzpool mit ergänzenden Besprechungsräumen, vertraulichen Gesprächszonen und abschließbaren Ablagemöglichkeiten. |
| Geringe Eignung | Front-Office-Dienste, Tätigkeiten mit sensiblen Akten, technische Leitstellenfunktionen, vertrauliche Personal- oder Rechtsarbeit, Rollen mit dauerhafter Publikumspräsenz. | Fest zugewiesene oder funktionsspezifische Arbeitsplätze bleiben häufig erforderlich. Das Facility Management sollte hier keine pauschale Desksharing-Pflicht einführen, sondern rollenbezogene Ausnahmen definieren und begründen. |
Ein professionelles Desksharing-Konzept beginnt mit einer Eignungsanalyse. Das Facility Management sollte gemeinsam mit Personalabteilung, IT, Datenschutz, Führungskräften, Personalvertretungen und betroffenen Organisationseinheiten prüfen, welche Tätigkeiten flexibel organisiert werden können. Dabei ist nicht nur die Anwesenheitshäufigkeit relevant. Entscheidend sind auch die Art der Arbeit, der Grad der Vertraulichkeit, die benötigte technische Ausstattung, der Anteil an Präsenzberatung, die Notwendigkeit spontaner Teamabstimmung und der Umfang physischer Unterlagen.
Auf Basis dieser Analyse können Sharing-Quoten definiert werden. Eine Sharing-Quote beschreibt das Verhältnis von Mitarbeitenden zu verfügbaren Arbeitsplätzen. Diese Quote darf nicht pauschal für die gesamte Universität festgelegt werden. Sie muss je nach Organisationseinheit, Anwesenheitsmuster, Semesterbetrieb, Prüfungsphasen, Projektzyklen und Teamtagen angepasst werden. Zu knapp bemessene Quoten führen zu Engpässen und Akzeptanzverlust. Zu großzügige Quoten reduzieren den Flächeneffekt. Deshalb sollten Quoten regelmäßig überprüft und mit tatsächlichen Nutzungsdaten abgeglichen werden.
Buchungssysteme und Arbeitsplatzreservierung
Ein zuverlässiges Buchungssystem ist eine zentrale Voraussetzung für Desksharing. Es macht gemeinsam genutzte Arbeitsplätze planbar und verwandelt flexible Büroflächen in eine steuerbare Ressource des Facility Managements. Das System muss einfach bedienbar, transparent, datenschutzkonform und mit relevanten Raum-, Ausstattungs- und Berechtigungsinformationen verknüpft sein.
Nutzende müssen schnell erkennen können, welcher Arbeitsplatz verfügbar ist, welche Ausstattung vorhanden ist und ob der Arbeitsplatz zu ihrer Tätigkeit passt. Gleichzeitig benötigt das Facility Management verlässliche Daten, um Auslastung, Reinigungsbedarf, Serviceanfragen, technische Störungen und langfristige Flächenbedarfe zu analysieren. Ein Buchungssystem darf jedoch nicht als Kontrollinstrument für individuelles Arbeitsverhalten eingesetzt werden. Der Zweck muss klar auf Flächensteuerung, Servicequalität und Nutzungsverbesserung ausgerichtet sein.
| Buchungselement | FM-Anforderung |
|---|---|
| Arbeitsplatzreservierung | Nutzende müssen geeignete Arbeitsplätze nach Standort, Ausstattung, Organisationseinheit, Barrierefreiheit, Arbeitsplatztyp und Arbeitsaufgabe reservieren können. Ein Arbeitsplatz für konzentriertes Arbeiten unterscheidet sich von einem Platz für kurze Aufenthalte, Videokonferenzen oder projektbezogene Zusammenarbeit. |
| Integration von Räumen und Arbeitsplätzen | Die Buchung von Schreibtischen sollte mit der Buchung von Besprechungsräumen, Projekträumen, Telefonboxen, Schließfächern, Serviceflächen und gegebenenfalls Park- oder Fahrradabstellangeboten abgestimmt werden. So kann ein Arbeitstag auf dem Campus zusammenhängend geplant werden. |
| Check-in- und No-Show-Regeln | Das Facility Management benötigt klare Verfahren, um reservierte, aber ungenutzte Arbeitsplätze wieder freizugeben. Check-in-Regeln, automatische Erinnerungen und definierte Freigabezeiten verhindern, dass Plätze blockiert bleiben, obwohl sie tatsächlich verfügbar wären. |
| Datenschutz | Belegungsdaten müssen verantwortungsvoll verarbeitet werden. Sie sollten für Flächenplanung, Kapazitätssteuerung und Serviceoptimierung genutzt werden, nicht zur unangemessenen Überwachung einzelner Mitarbeitender. Rollen- und Rechtekonzepte, Datenminimierung und klare Aufbewahrungsfristen sind erforderlich. |
| CAFM-Anbindung | Buchungsdaten sollten mit dem CAFM-System verbunden werden, damit Auslastungsanalysen, Reinigungsplanung, Wartungsprozesse, Störungsmeldungen, Flächenkennzahlen und langfristige Portfolioentscheidungen unterstützt werden. |
Für die praktische Umsetzung sollte das Buchungssystem möglichst selbsterklärend sein. Komplexe Reservierungsprozesse verringern die Nutzung und fördern informelle Absprachen außerhalb des Systems. Sinnvoll sind klare Arbeitsplatzkategorien, einfache Filter, Lagepläne, Echtzeit-Verfügbarkeit, Buchungsbestätigungen und eine mobile Nutzbarkeit. Arbeitsplätze sollten im System mit relevanten Informationen hinterlegt sein, zum Beispiel Monitoranzahl, Dockingstation, höhenverstellbarer Tisch, ruhige Lage, Nähe zu Besprechungsräumen oder besondere ergonomische Ausstattung. Das Facility Management sollte außerdem definieren, wer welche Bereiche buchen darf. In vielen Universitäten ist eine Mischung aus offenen Arbeitsplätzen, teambezogenen Zonen und berechtigungsgesteuerten Bereichen sinnvoll. So können Organisationseinheiten räumliche Nähe und Identität behalten, ohne die Grundidee des Desksharings aufzugeben. Zusätzlich müssen Eskalationsregeln vorhanden sein, falls Arbeitsplätze fehlen, Buchungen missachtet werden oder besondere Anforderungen kurzfristig entstehen.
Teamtage und Präsenzkoordination
Teamtage sind ein wichtiges Element hybrider Arbeit, weil ungeplante und zufällige Anwesenheit die informelle Abstimmung schwächen kann. Wenn Mitarbeitende an unterschiedlichen Tagen vor Ort sind, nehmen spontane Gespräche, kurze Rückfragen, gemeinsames Problemlösen und fachlicher Austausch ab. Das Facility Management muss daher Präsenzmodelle unterstützen, die Zusammenarbeit ermöglichen und gleichzeitig Überlastungen an Spitzentagen vermeiden.
Teamtage bedeuten nicht, dass alle Mitarbeitenden der Universität am selben Tag anwesend sein sollen. Vielmehr geht es um eine abgestimmte Präsenz innerhalb von Teams, Abteilungen oder Projektgruppen. Das Ziel ist, gemeinsame Arbeitsphasen planbar zu machen, ohne Schreibtische, Besprechungsräume, Schließfächer, Empfangsbereiche, Kantinen oder Verkehrsflächen zu überlasten.
| Aspekt des Teamtags | Bedeutung für das Facility Management |
|---|---|
| Koordinierte Anwesenheit | Teams können sich treffen, gemeinsame Arbeitsprozesse sichern und Abstimmungsaufwand reduzieren. Das Facility Management muss dafür ausreichende Teamzonen, Besprechungsflächen und flexible Arbeitsplätze bereitstellen. |
| Kapazitätsplanung | Teamtage dürfen nicht zu systematischen Engpässen führen. Das Facility Management muss prüfen, ob an bestimmten Wochentagen Arbeitsplätze, Besprechungsräume, Sanitärräume, Garderoben, Schließfächer und Serviceangebote ausreichend dimensioniert sind. |
| Serviceabstimmung | Reinigung, Catering, Sicherheitsdienst, Empfang, Postservice, Haustechnik und Wartung müssen wiederkehrende Auslastungsspitzen berücksichtigen. Ein Campus mit hoher Dienstag-bis-Donnerstag-Präsenz benötigt andere Servicepläne als ein gleichmäßig genutzter Standort. |
| Nachbarschaftsplanung | Teams sollten Zugang zu definierten Arbeitsplatzbereichen haben, statt zufällig über den Campus verteilt zu werden. Solche Nachbarschaften fördern Orientierung, Zusammengehörigkeit und effiziente Zusammenarbeit. |
| Kommunikationsrhythmus | Regelmäßige Teamtage stabilisieren Arbeitsbeziehungen und erhöhen die Akzeptanz gemeinsamer Arbeitsplatzmodelle. Sie helfen, Desksharing nicht als Verlust fester Räume, sondern als organisiertes Arbeitsmodell zu verstehen. |
Aus Sicht des Facility Managements müssen Teamtage frühzeitig in die Flächen- und Buchungsplanung integriert werden. Wenn mehrere große Einheiten denselben Präsenztag wählen, entstehen Überbuchung, Lärm, Mangel an Besprechungsräumen und Frustration. Deshalb sollten Präsenzmuster campusweit beobachtet und bei Bedarf entzerrt werden. Das kann durch abgestimmte Teamtage, priorisierte Buchungsfenster, definierte Nachbarschaften und flexible Überlaufbereiche erfolgen.
Führungskräfte haben hierbei eine wichtige Rolle. Sie legen fest, wann gemeinsame Anwesenheit fachlich erforderlich ist und welche Aufgaben remote erledigt werden können. Das Facility Management unterstützt diese Entscheidungen durch Daten, Kapazitätsanalysen und geeignete räumliche Angebote. Eine enge Abstimmung zwischen FM, HR, IT und Organisationseinheiten ist notwendig, damit Teamtage weder zufällig noch rein flächengetrieben organisiert werden.
Homeoffice-Schnittstellen
Hybride Arbeit benötigt eine klare Schnittstelle zwischen Arbeitsplatzangeboten auf dem Campus und Homeoffice-Regelungen. Das Facility Management ist nicht immer direkt für die Ausstattung privater Arbeitsplätze verantwortlich. Es muss jedoch die Auswirkungen auf Arbeitsplatzstandards, technische Ausstattung, digitale Infrastruktur, Flächenbedarf, Serviceprozesse und Nutzungsmuster koordinieren.
Ein funktionierendes hybrides Modell setzt voraus, dass Mitarbeitende zwischen Campus und Homeoffice ohne Medienbrüche wechseln können. Arbeitsprozesse dürfen nicht davon abhängen, dass Akten, Geräte oder Informationen ausschließlich an einem Ort verfügbar sind. Campusarbeitsplätze müssen deshalb als professionell ausgestattete, sofort nutzbare Arbeitsstationen geplant werden, während digitale Prozesse eine ortsunabhängige Bearbeitung ermöglichen.
| Schnittstellenbereich | Planungsbedeutung |
|---|---|
| Ausstattungskompatibilität | Campusarbeitsplätze sollten Laptops, Dockingstationen, Monitore, Tastaturen, Mäuse, Videokonferenztechnik, Stromversorgung und sichere Netzverbindungen unterstützen. Ziel ist ein standardisierter Arbeitsplatz, an dem Nutzende ohne lange Einrichtung arbeitsfähig sind. |
| Digitale Arbeitsabläufe | Eine geringe Papierabhängigkeit und ein verlässliches Dokumentenmanagement sind Voraussetzungen für hybride Arbeit. Wenn Prozesse weiterhin stark aktengestützt sind, entstehen Transportprobleme, Datenschutzrisiken und ineffiziente Doppelstrukturen. |
| Fernzugriff | Verwaltungsprozesse, Fachanwendungen, Kollaborationsplattformen und Freigabeprozesse müssen zugänglich sein, ohne unnötige physische Präsenz zu erzwingen. Das Facility Management muss diese Anforderungen mit IT und Organisationseinheiten berücksichtigen, weil sie den Flächenbedarf unmittelbar beeinflussen. |
| Sicherheit und Vertraulichkeit | Sensible Universitätsdaten müssen sowohl auf dem Campus als auch im Homeoffice geschützt werden. Dazu gehören Sichtschutz, sichere Netzwerke, vertrauliche Gesprächsmöglichkeiten, geregelte Druckprozesse und klare Vorgaben zum Umgang mit Unterlagen. |
| Organisatorische Regeln | Es braucht klare Vereinbarungen, wann mobile Arbeit möglich ist, wann Präsenz erforderlich ist, wie Arbeitsplätze gebucht werden, wie Teamtage organisiert sind und wie Ausnahmen behandelt werden. Ohne solche Regeln entstehen Unsicherheit und ungleiche Nutzungspraxen. |
Für das Facility Management ist besonders wichtig, dass Homeoffice nicht zu ungeplanten Doppelstrukturen führt. Wenn Mitarbeitende sowohl einen vollständig ausgestatteten Heimarbeitsplatz als auch einen dauerhaft reservierten Campusarbeitsplatz beanspruchen, sinkt die Effizienz des Gesamtmodells. Gleichzeitig darf Desksharing nicht dazu führen, dass Nutzende bei Präsenz schlechtere Arbeitsbedingungen vorfinden als zu Hause. Campusarbeitsplätze müssen professionell, ergonomisch, technisch zuverlässig und für verschiedene Arbeitsarten geeignet sein.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die physische Ablage. Hybride Arbeit funktioniert nur begrenzt, wenn Teams weiterhin große Mengen papierbasierter Unterlagen nutzen. Das Facility Management sollte daher mit den Fachbereichen prüfen, welche Unterlagen digitalisiert, zentral archiviert, in Teamablagen organisiert oder in abschließbaren Schränken gesichert werden müssen. Private Stapel auf gemeinsam genutzten Schreibtischen sind mit Desksharing nicht vereinbar.
Arbeitsplatzstandards für gemeinsam genutzte Umgebungen
Gemeinsam genutzte Arbeitsplätze erfordern stärkere Standardisierung als fest zugewiesene Einzelbüros. Nutzende müssen den Arbeitsplatz betreten, sich anschließen, produktiv arbeiten und den Platz anschließend so verlassen können, dass die nächste Person ihn ohne Einschränkungen nutzen kann. Der Standard muss deshalb technisch, ergonomisch, organisatorisch und betrieblich eindeutig definiert sein.
Ein guter Arbeitsplatzstandard verhindert Konflikte, reduziert Störmeldungen und erhöht die Akzeptanz. Er legt fest, welche Ausstattung vorhanden ist, wie der Arbeitsplatz zu nutzen ist, welche persönlichen Gegenstände zulässig sind, wo Materialien gelagert werden und wie Mängel gemeldet werden. Standardisierung bedeutet dabei nicht, dass alle Arbeitsplätze identisch sein müssen. Vielmehr sollten verschiedene Arbeitsplatztypen definiert werden, etwa Konzentrationsplätze, Projektarbeitsplätze, kurzfristige Touchdown-Plätze, Besprechungszonen und vertrauliche Gesprächsbereiche.
| Standard | Erforderlicher Inhalt |
|---|---|
| Technischer Standard | Monitor, Dockingstation, Stromversorgung, Netzwerkzugang, Videofähigkeit, zuverlässiges WLAN, ausreichende Steckdosen und klare Anschlussanleitungen. Die Technik muss so gestaltet sein, dass Nutzende unterschiedlicher Organisationseinheiten ohne aufwendige Einrichtung arbeiten können. |
| Möbelstandard | Ergonomischer Stuhl, möglichst höhenverstellbarer Tisch, ausreichende Beleuchtung, langlebige Möbel, sichere Kabelführung und eine nutzungsgerechte Anordnung. Die Möbel müssen häufige Nutzerwechsel aushalten und leicht zu reinigen sein. |
| Clean-Desk-Standard | Nach der Nutzung dürfen keine persönlichen Dokumente, Unterlagen, Lebensmittel, Geräte oder sonstigen Materialien auf gemeinsam genutzten Schreibtischen verbleiben. Der Arbeitsplatz muss frei, sauber und für die nächste Buchung nutzbar sein. |
| Lagerstandard | Schließfächer, Teamablagen, Projektschränke, digitale Ablagekonzepte und begrenzte physische Lagerflächen müssen klar organisiert sein. Zuständigkeiten, Nutzungsdauer und Zugangsrechte sind verbindlich festzulegen. |
| Barrierefreiheitsstandard | Gemeinsam genutzte Arbeitsplätze müssen Optionen für besondere ergonomische und barrierefreie Anforderungen enthalten. Dazu können höhenverstellbare Tische, ausreichend Bewegungsflächen, geeignete Beleuchtung, ruhige Zonen oder individuell reservierbare Spezialarbeitsplätze gehören. |
| Servicestandard | Reinigung, Wartung, Störungsmeldung, Ersatzbeschaffung, technische Unterstützung und Reaktionszeiten müssen klar definiert sein. Nutzende müssen wissen, wie sie Mängel melden und welche Servicequalität erwartet werden kann. |
Das Facility Management sollte diese Standards dokumentieren und sichtbar kommunizieren. Kurze Nutzungsregeln am Arbeitsplatz, digitale Anleitungen, eindeutige Beschilderung und einfache Störungsmeldungen helfen, Fehlbedienung und Unsicherheit zu vermeiden. Besonders wirksam sind QR-Codes oder digitale Meldewege, über die defekte Monitore, beschädigte Möbel, Reinigungsbedarf oder fehlende Ausstattung schnell gemeldet werden können.
Die Reinigung spielt in gemeinsam genutzten Umgebungen eine größere Rolle als in fest zugewiesenen Büros. Reinigungsintervalle müssen zur tatsächlichen Nutzung passen. Stark frequentierte Bereiche benötigen gegebenenfalls häufigere Sichtreinigung, Abfallentsorgung und Prüfung der Oberflächen. Gleichzeitig sollten Nutzende verpflichtet werden, den Arbeitsplatz ordentlich zu verlassen. Professioneller Betrieb entsteht durch eine Kombination aus Nutzerverantwortung und verlässlichem FM-Service.
Change Management
Hybride Arbeit und Desksharing sind nicht nur räumliche Maßnahmen, sondern organisatorische Veränderungsprozesse. Eine Einführung ohne strukturiertes Change Management führt häufig zu Widerstand, Fehlverhalten, geringer Akzeptanz oder ausbleibenden Flächeneffekten. Mitarbeitende erleben den Verlust eines festen Arbeitsplatzes oft als Verlust von Sicherheit, Status, Zugehörigkeit oder Arbeitsqualität. Diese Bedenken müssen ernst genommen und professionell bearbeitet werden.
Das Facility Management hat im Change Management eine aktive Rolle. Es liefert Daten, entwickelt räumliche Konzepte, koordiniert Pilotflächen, definiert Arbeitsplatzstandards, steuert Buchungssysteme und organisiert Services. Gleichzeitig muss es mit HR, IT, Datenschutz, Personalvertretungen, Führungskräften und Nutzenden zusammenarbeiten. Desksharing kann nur funktionieren, wenn räumliche, technische und organisatorische Regeln zusammenpassen.
| Change-Management-Phase | FM-Rolle |
|---|---|
| Analyse | Das Facility Management bewertet aktuelle Belegung, Arbeitsmuster, Nutzergruppen, Vertraulichkeitsanforderungen, Gebäudegrenzen, technische Infrastruktur, Ablagebedarf und Serviceprozesse. Diese Analyse bildet die Grundlage für realistische Entscheidungen. |
| Konzeptentwicklung | Das Facility Management definiert Sharing-Quoten, Arbeitsplatztypen, Buchungsregeln, Teamzonen, Lagerkonzepte, technische Standards, Reinigungsprozesse und Servicelevel. Dabei müssen Flächeneffizienz und Arbeitsqualität gemeinsam betrachtet werden. |
| Beteiligung | Fakultäten, Verwaltungseinheiten, Personalvertretungen, Führungskräfte, IT, HR, Datenschutz, Arbeitssicherheit und FM-Betrieb sollten frühzeitig eingebunden werden. Beteiligung verbessert die Qualität des Konzepts und reduziert Widerstände. |
| Pilotphase | Buchung, Arbeitsplatzstandards, Nutzerverhalten, Reinigungsprozesse, technische Stabilität, Teamtage und Supportstrukturen werden in einem begrenzten Bereich getestet. Die Pilotphase liefert praktische Erkenntnisse, bevor ein größerer Rollout erfolgt. |
| Rollout | Die Umsetzung erfolgt schrittweise mit klarer Kommunikation, Schulungen, Beschilderung, Support, Feedbackkanälen und Nachsteuerung. Ein gestaffelter Rollout reduziert Betriebsrisiken und ermöglicht Anpassungen. |
| Evaluation | Auslastung, Nutzerzufriedenheit, Serviceprobleme, Akzeptanz, Flächeneffizienz, Buchungsverhalten und Kostenwirkungen werden regelmäßig gemessen. Die Ergebnisse dienen der Optimierung und Weiterentwicklung des Modells. |
Ein wirksamer Veränderungsprozess braucht klare Botschaften. Die Universität sollte erklären, warum hybride Arbeit und Desksharing eingeführt werden, welche Ziele verfolgt werden und welche Vorteile für Organisation, Campusentwicklung und Mitarbeitende entstehen. Gleichzeitig müssen Grenzen offen benannt werden. Nicht jede Rolle ist für Desksharing geeignet, nicht jede Fläche kann sofort umgenutzt werden und nicht jede Einsparung ist kurzfristig realisierbar. Schulungen und Kommunikation sind besonders wichtig. Nutzende müssen wissen, wie sie buchen, einchecken, Arbeitsplätze verlassen, Störungen melden, Schließfächer nutzen und Teamtage planen. Führungskräfte müssen verstehen, wie sie Präsenz koordinieren und mit Ausnahmen umgehen. Das Facility Management sollte Rückmeldungen systematisch erfassen und sichtbar zeigen, welche Verbesserungen daraus abgeleitet werden. Dadurch entsteht Vertrauen in das System.
Akzeptanz und Nutzervertrauen
Akzeptanz ist entscheidend für den Erfolg von hybrider Arbeit und Desksharing. Ein technisch gutes Konzept kann scheitern, wenn Nutzende es als unfair, unzuverlässig oder minderwertig wahrnehmen. Mitarbeitende akzeptieren gemeinsam genutzte Arbeitsumgebungen eher, wenn Arbeitsplätze zuverlässig verfügbar, gut ausgestattet, fair geregelt, sauber, transparent organisiert und nachvollziehbar mit den institutionellen Zielen verbunden sind.
Nutzervertrauen entsteht durch wiederholte positive Erfahrung. Wer mehrfach keinen geeigneten Arbeitsplatz findet, defekte Technik erlebt oder unklare Regeln vorfindet, wird versuchen, das System zu umgehen. Typische Umgehungen sind Dauerreservierungen, informelle Platzansprüche, persönliche Gegenstände auf gemeinsam genutzten Schreibtischen oder parallele Schattenlösungen. Das Facility Management muss solche Entwicklungen früh erkennen und durch klare Regeln, Kommunikation und Servicequalität gegensteuern.
| Akzeptanzfaktor | Praktische Bedeutung |
|---|---|
| Zuverlässigkeit | Nutzende müssen darauf vertrauen können, dass bei Bedarf ein geeigneter Arbeitsplatz verfügbar ist. Dies setzt realistische Kapazitätsplanung, funktionierende Buchungssysteme, No-Show-Regeln und ausreichend Ausweichmöglichkeiten voraus. |
| Fairness | Regeln müssen einheitlich gelten und dürfen keine verdeckten Privilegien oder Nachteile erzeugen. Ausnahmen müssen sachlich begründet, transparent geregelt und regelmäßig überprüft werden. |
| Qualität | Gemeinsam genutzte Arbeitsplätze dürfen nicht als minderwertige Ersatzflächen wahrgenommen werden. Ausstattung, Ergonomie, Sauberkeit, Akustik, Beleuchtung und technische Stabilität müssen professionellen Anforderungen entsprechen. |
| Identität | Teamzonen, Schließfächer, Projektflächen, gemeinsame Informationsbereiche und erkennbare Nachbarschaften können Zugehörigkeit erhalten. Desksharing sollte nicht bedeuten, dass Teams ihre räumliche Orientierung und soziale Verankerung verlieren. |
| Kommunikation | Nutzende benötigen klare Erklärungen, warum das Modell eingeführt wird, wie es funktioniert und welchen Nutzen es für Universität, Organisationseinheiten und Mitarbeitende hat. Unklare Kommunikation führt zu Gerüchten und Widerstand. |
| Feedback | Das Facility Management sollte dauerhafte Kanäle für Störungsmeldungen, Verbesserungsvorschläge und Nutzerfeedback bereitstellen. Rückmeldungen müssen ausgewertet und in konkrete Verbesserungen übersetzt werden. |
Akzeptanz entsteht nicht allein durch Richtlinien. Sie entsteht durch Alltagstauglichkeit. Das bedeutet: Arbeitsplätze müssen verfügbar sein, Buchungen müssen funktionieren, Technik muss stabil laufen, Regeln müssen verständlich sein und Services müssen verlässlich reagieren. Die ersten Wochen nach Einführung sind besonders wichtig, weil sich in dieser Phase entscheidet, ob Nutzende Vertrauen aufbauen oder informelle Gegenstrategien entwickeln. Ein professionelles Facility Management sollte deshalb kontinuierlich prüfen, ob das Desksharing-Modell die Arbeitsrealität unterstützt. Kennzahlen wie Buchungsquote, tatsächliche Auslastung, No-Show-Anteil, Störungsmeldungen, Reinigungsbedarf, Nutzerzufriedenheit und Flächeneffizienz sollten gemeinsam betrachtet werden. Hohe Auslastung allein ist kein Erfolg, wenn gleichzeitig Beschwerden, Lärmprobleme oder technische Störungen zunehmen. Erfolgreich ist ein Modell, das Fläche effizient nutzt und gleichzeitig stabile, produktive und akzeptierte Arbeitsbedingungen schafft.
